Deutschlands burgenreichste Bahnstrecke: Die Rheingold-Route

Ein Intercity rollt durchs Rheintal (1984). Hier warten die schönsten Burgen. / Foto: Wikipedia / KlausMiniwolf / CC-BY-SA 4.0
Burgen und Schlösser gucken per Bahn. Bequem im Zug durch burgenreiche Landschaften rauschen: Das geht auf diversen Strecken.

Aber auf welcher Route hat man den besten Blick auf die meisten und schönsten Burgen?

Mein Vorschlag ist eine Fahrt auf der Strecke des legendären Rheingold-Luxuszugs. Also durchs Mittelrheintal von Koblenz bis Bingen, entlang der wichtigsten Motive der Rheinromantik.

Rheinromantik per Zug seit 1859

Gleise liegen auf beiden Rheinseiten. Ich beschreibe hier den Blick von der linksrheinischen Trasse aus. Dadurch rücken vor allem die rechtsrheinischen Burgen gut in den Blick.

Vom Zugfenster aus lässt sich meist gut erkennen, wie die Burgen in die hier stark zum Fluß hin abfallenden Felsen hineingebaut sind und sich dem Gelände anpassen. Und los geht’s:

Burg Lahneck

Burg Lahneck und die Allerheiligenkapelle / Foto: Burgerbe.de

Kaum hat der Zug Koblenz hinter sich gelassen, kommt Burg Lahneck aus der späten Stauferzeit mit ihrem prägnanten Bergfried in Sicht.

Seit vielen Jahrzehnten wird hier die Gruselgeschichte einer auf dem Turm in voller Sicht der Schiffer verhungerten jungen Schottin erzählt. Da ist aber nix dran.

Die Lahnmündung ist neben der Burg als Einschnitt ins schon bergige Ufer zu erahnen. Gegenüber der Lahneck erhebt sich die Allerheiligenkapelle von 1901 auf dem 120 Meter hohen Allerheiligenberg.

Wer sich zu sehr auf Burg und Kapelle konzentriert, verpasst allerdings die linksrheinische Burg Schloss Stolzenfels. Und das wäre schade.

Dass Schloss Stolzenfels so schön strahlt, hat mit einem der Burgenromantik verfallenen Hohenzollern-Prinzen und viel preußischem Geld zu tun. Stolzenfels ist auch immer wieder ein märchenhafter Drehort.

Marksburg


Ein beeindruckendes Bild gibt seit jeher die Marksburg über Brauweiler ab. Die einzige nie zerstörte Höhenburg am Rhein. Sie thront 160 Meter hoch auf ihrem Felsen.

Hier der Blick von der Burg zurück auf den Rhein und die Bahnstrecke:

In einer langgezogenen Kurve verschwindet die Marksburg aus dem Blickfeld. Nach ein paar Minuten kommen zwei weiße Kirchtürme in Sicht: St. Severus in Boppard.

Die einstige freie Reichstadt liegt auch linksrheinisch, aber dank der Kurve des Flusses ist sie für den aus Richtung Koblenz kommenden Zuggast vom gleichen Ufer aus bestens zu sehen:

Blick auf Boppard / Foto: Burgerbe.de

Die feindlichen Brüder

Die feindlichen Brüder bei einem aufziehenden Gewitter / Foto: Burgerbe.de

Nach dem Durchqueren von Boppard kommen auf den Höhen der rechten Rheinseite gleich zwei Burgen in Sicht, nah beieinander. Es sind die sogenannten feindlichen Brüder, Burg Sterrenberg (weißer Bergfried) und Burg Liebenstein.

Die Burgen über Kamp-Bornhofen sind durch Schildmauern voneinander getrennt.

Die Sage, dass die Burgen einst feindlichen Brüder gehört haben sollen, hat Heinrich Heine zu seinem Gedicht „Zwei Brüder“ im „Buch der Lieder“ inspiriert.
Zwischen den jeweiligen Besitzern soll es trotz den Namens nie zu militärischen Auseinandersetzungen gekommen sein.

So sah Karl Bodmer die feindlichen Brüder um das Jahr 1830:

Die feindlichen Brüder von Karl Bothmer (ca. 1830) / gemeinfrei

Burg Maus

Burg Maus vom Zugfenster aus / Foto: Burgerbe.de

Besten Blick hat man vom Zug aus auf Burg Maus. Es ist ein Spottname, so klein ist sie gar nicht.

Ihr mächtiger Turm beherbergte seit Ende des 14. Jahrhunderts private Gemächer des jeweiligen Trierer Erzbischofs. Kaminbeheizt, mit Abort und – der Sicherheit wegen – nur über eine Holzleiter erreichbar. Im Spannungsfall eine Lebensversicherung für die streitfreudigen Kirchenfürsten.

Burg Maus bietet immer noch einen majestätischen Anblick / Fotos: Burgerbe.de

Burg Katz

Blick aus der Bahn auf Burg Katz / Foto: Burgerbe.de

Irgendwie klar, dass auf Burg Maus die Burg Katz folgen muss. Genau zwischen beiden Burgen liegt auf der linken Rheinseite übrigens Burg Rheinfels.

Burg Katz ist als eine der wenigen Rheinburgen nach dem Kauf durch einen Japaner im Jahr 1989 leider gar nicht mehr öffentlich zugänglich. Aber man kann sie sich von weitem anschauen.

Blick von Burg Rheinfels auf die Gleise und den Rhein.

Loreley

Kaum ist Burg Katz vorbei taucht nach einer sanften Kurve die Loreley auf. Ausnahmsweise ist dieser Punkt mal nicht durch eine Burg, sondern nur durch Fahnen gekrönt.

Unten Rohre, oben die Loreley

Pfalzgrafenstein

Die einstige Zollburg Pfalzgrafenstein im Rhein

Kaum dass linksrheisch die einst von einem US-Millionär gekaufte Schönburg bei Oberwesel vorbeigezogen ist, zücken kundige Fahrgäste die Handys, um jetzt rechtzeitig ein Foto von der im Rhein liegenden Burg Pfalzgrafenstein zu schießen.
Auf der anderen Rheinseite grüßt derweil die Burg Gutenfels hoch über dem Rhein.
Die Burgen Pfalzgrafenstein (vorne) und Gutenfels / Foto: Burgerbe.de

Die Burg Gutenfels hoch über dem Rhein bei Kaub

Jetzt folgt ein auf dem rechten Ufer überraschend burgenloses Stück. Burgen satt finden sich linksrheinisch.
Zunächst führen die Gleise durch Bacharach. Über dem Ort liegt die Burg Stahleck, die Keimzelle der einstigen Kurpfalz. Heute ist sie eine Jugendherberge mit tollem Rheinblick.

Burg Stahleck: Heute eine Jugendherberge

Hinter Bacharach reihen sich quasi aneinander: die Ruine der Burg Fürstenberg, die Heimburg, Burg Sooneck und die einstige Raubritterburg Reichenstein und Burg Rheinstein, geradezu ein Symbol der Rheinromantik.

Um diese Burgen alle gut zu sehen, sollte man rechtsrheinisch fahren.

Mäuseturm und Burg Ehrenfels

Ein schneller Blick auf den Mäuseturm

Aber sobald der Binger Mäuseturm in den Blick kommt, wird es auch für den Bahnfahrer auf der linken Rheinseite wieder interessanter.

Denn auf dem gegenüberliegenden Ufer thront nun die Ruine der Burg Ehrenfels (inmitten einer der besten Weinlagen Deutschlands). Auch auf die Entfernung noch ein majestätischer Anblick. Weil sie ein Brutort von Wanderfalken ist, darf die Burg übrigens nur von außen besichtigt werden.

Mäuseturm und Burg bildeten eine Einheit beim Eintreiben des lukrativen Rheinzolls.

Abschluss in Bingen

Bingen selbst hat auch eine Burg. Über der Stadt erhebt sich die Burg Klopp. Wer in Bingen aussteigt, sollte sich bei der Gelegenheit unbedingt die Rheinpromenade anschauen und dabei das Museum am Strom besuchen. Gezeigt wird die Entwicklung der Region von den Römern bis heute.

Burg Klopp in Bingen / Foto: Burgerbe.de

Als die Bahn noch Bundesbahn hieß, war der Werbewert der Rheinstrecke allgemein bekannt.

Daran hatte speziell der Rheingold genannte Luxuszug seinen Anteil, der seit 1928 Fahrgäste von den Niederlanden mit wenigen Stops in Deutschland in die Schweiz brachte. Und der fuhr linksrheinisch durchs Mittelrheintal mit Halt in Bingen.

Werbefilme des Bahn-TV konnten manchmal allerdings auch etwas unbeholfen wirkten.

Der SWR bietet auf YouTube einen Filmbeitrag: Rheinromantik in einem Zug:

Weiterlesen:
Eine Burgenkarte des Mittelrheins bietet die Seite Rheingau.de.

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