Bei Ausgrabungen in Freising sind Archäologen auf ein Skelett mit einer eisernen Handprothese gestoßen. Die Knochen stammen aus der Zeit zwischen 1450 und 1620. Das meldet das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD).
Ein seltener Fund: Insgesamt sind europaweit nur etwa 50 Prothesen aus dieser Zeit erhalten – von einfachen Prothesen zu ausgefeilten Konstruktionen aus Metall und Leder. Am bekanntesten ist freilich die Eiserne Hand des Ritters Götz von Berlichingen. Es existieren übrigens noch zwei der „Götzhände“, gefertigt um 1504 und 1530.
Es wäre also denkbar, dass der lange verblichene Mensch aus Freising ein Zeitgenosse des rauflustigen Ritters vom Neckar gewesen sein könnte…
Fundort der Freisinger Hand ist ein Grab nahe der Stadtpfarrkirche St. Georg. Diese befindet sich nur wenige Minuten Fußweg entfernt von der einstigen fürstbischöflichen Residenz, von wo aus die Freisinger Erzbischöfe das Ländchen regierten. Die Eiserne Hand von Freising. Das Röntgenbild oben zeigt, wo die Finger aus Metall an der Prothese waren. Fotos: BLfDFreising: Skelett mit Eisenhand entdeckt weiterlesen →
Der erhaltene Bergfried der Schaumburg / Foto: gemeinfrei / Foto oben: Foto: Wikipedia / Axel Hindemith CC-BY-SADie Schaumburg bei Rinteln hat den Besitzer gewechselt. Anfang 2022 haben Vanessa Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und der niederländische Unternehmer Pieter Haitsma Mulier die Burg auf dem Nesselberg über der Weser erworben.
Die Immobilie gehörte zuvor Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe. Und dieser war bis vor 20 Jahren mit einer Schwester der neuen Burgherrin verheiratet. Die Schaumburg bleibt also quasi „in der Familie“.
Die neuen Eigentümer planen eine langfristige Sanierung und Renovierung über etwa zehn Jahre. Sie wollen dafür sorgen, dass die traditionsreiche Immobilie der Öffentlichkeit zugänglich bleibt.
Die früher auf der Burg beheimatete Gastronomie soll nicht erneut öffnen. Die neuen Eigentümer wollen sich auch privat auf der Burg niederlassen.
Eine Burganlage an dieser Stelle taucht erstmals im Jahr 1119 in Urkunden auf. Hier lag der Stammsitz der Grafen von Schaumburg und beherrschte das Wesertal. Die Schaumburg vom Tal aus gesehen / Foto: Wikipedia / Axel Hindemith / gemeinfrei
Beschäftigt waren die Grafen vor allem mit der Organisation der Rodung der ausgedehnten Wälder der Umgebung und der Urbarmachung des Landes.
Die zunächst eher bescheidene Anlage wurde um 1390 unter Graf Otto I. durch den Bau der Ringmauer und die Errichtung des unteren Torturms ausgebaut. Der Burggraben musste zum Teil in den Fels des Nesselberges gehauen werden.
Ein Palas für die Grafen-Witwen
1529 entstand auf den Fundamenten des Burggebäudes ein bis heute erhaltenes Palas im Stil der Renaissance (hier natürlich der Weserrenaissance). Darunter liegen noch Keller aus der Zeit der alten Burg.
Die Struktur der mittelalterlichen Schaumburg ist nicht ganz geklärt. Noch ist zum Beispiel unklar, wo die Burgkapelle lag, von der bei Bauarbeiten lediglich Kapitelle gefunden wurden.
Drei der ursprünglich vier Türme der mittelalterlichen Burg sind erhalten. Darunter ist auch der Bergfried aus dem 14. Jahrhundert. Lediglich der „Wittschrieber“ genannte Rundturm wurde abgerissen.
Die etwas abgelegene Schaumburg war in dieser Zeit Witwensitz der Schaumburger Gräfinnen. Die regierenden Grafen residierten lieber im feinen Bückeburg oder wichen im Kreigsfall in die gut befestigte Wasserburg Gemen aus.
Schaumburger Kinderreichtum
Durch geschickte Politik hatten sich die Schaumburger Grafen bei Rinteln ein kleines zusammenhängendes Territorium geschaffen. Verwandtschaftliche Beziehungen halten. Graf Otto II. hatte zehn Kinder…
Im Lauf der Jahrhunderte stiegen zehn Grafensöhne, die geistliche Laufbahn wählten, zu Bischöfen in Hildesheim, Minden und Olmütz auf.
Tortumr und Torhaus der Schaumburg / Foto: Wikipedia / Henning Blatt / CC-BY-SA 3.0
Die von den Grafen beherrschte Region war stramm protestantisch, was im Dreißigjährigen Krieg Plünderungen durch kaiserliche Truppen und die zeitweise Gefangennahme von Graf Otto V. zur Folge hatte. Er kam durch eine Lösegeldzahlung wieder frei.
Die Schaumburger Linie starb 1640, am Ende des Krieges, mit dem Tod von Otto V. aus. In der Region standen gerade schwedische Truppen, zu deren Befehlshaber der calvinistische Graf beste Beziehungen pflegte.
Hexenwahn in Schaumburg
Die Jahre zwischen 1621 und 1675 waren in der Region die große Zeit der Hexenverfolgungen. Die Juristen der Universität Rinteln (zwölf Kilometer von Schaumburg entfernt) machten sich einen Namen als Berater der Obrigkeiten in Sachen Hexen. Das Museum Rinteln in der Eulenburg läßt einen Hexenprozess in Rinteln im Jahr 1654 durch Hörstationen wieder aufleben.
Vor der Schaumburg erinnert die 700 Jahre alte Blutlinde an diese Zeiten. Eine junge Frau soll sie vor ihrem Hexenprozess gepflanzt haben mit den Worten „So wahr dieses Lindenreis, das ich hier pflanze, grünen und blühen wird, bin ich unschuldig!“
Die Blutlinde vor der Schaumburg / Foto: Wikipedia / Tortuosa / CC-BY-SA 3.0
Landgrafen ließen Burg verfallen
Nach dem Aussterben der Grafen kam das Territorium zur Landgrafschaft Hessen-Kassel (das spätere Kurhessen). Die Schaumburg war für die Landgrafen uninteressant. Dort residierte ein Amtmann. Mit der Zeit verfiel die Immobilie.
1866 marschierten die Preußen ein. Hessen-Kassel wurde von Berlin annektiert und in den Militärstaat eingegliedert.
Die Schaumburg war nun preußischer Staatsbesitz. 1873 eröffnete sie als Gasthaus.
Kaiser Wilhelm II. verschenkt die Schaumburg
Kaiser Wilhelm II. schenkte die Burg 1907 kurzerhand dem Fürstenpaar von Schaumburg-Lippe zur Silberhochzeit.
Fürst Georg und Gattin Anna-Maria erwiesen dem kaiserlichen Geschenk alle Ehre. Sie ließen die Burg in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg aufwendig sanieren und den Bergfried wieder auf 30 Meter Höhe bringen.
Auch mal Besitzer der Burg: Kaiser Wilhelm II. (Foto von 1902, gemeinfrei)
1945 beschädigten einige Granaten der vorrückenden US-Armee die Gebäude. Die von Schaumburg-Lippe verpachteten die Gastronomie auf der Burg. 1963 ließen sie einen östlichen Anbau an das Palas errichten. Vom Bergfried aus konnte man den Blick übers Land schweifen lassen.
Nun darf man auf die weitere Entwicklung der Schaumburg gespannt sein.
PS: Die Schaumburg bei Rinteln hat nichts zu tun mit der Schaumburg bei Balduinstein nahe Limburg in Rheinland-Pfalz.
Weiterlesen:
Rinten-Aktuell berichtet über den Eigentümerwechsel der Schaumburg und zitiert aus einer Pressemitteilung des alten und der neuen Besitzer: „Rinteln: Vanessa Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Pieter Haitsma Mulier kaufen Schaumburg“ (Link zum Artikel)
Auf der Website der Stadt Rinteln kann man über die Geschichte der Schaumburg und den gleichnaqmigen Ortsteil lesen: „Burg Schaumburg: wunderschöner Ausblick in das Wesertal“ (Link zum Artikel)
Mehr zur Geschichte der Schamburger Grafen steht in einem Artikel der Historischen Arbeitsgemeinschaft für Schamburg: „Schaumburg im Mittelalter – Entwicklung grundlegender Strukturen“ (Link zum Artikel)
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