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Honburg: Computermodell lässt Tuttlingens Wahrzeichen neu erstehen




Das Dumme an Burgruinen ist, dass man sich das einst prächtige Gesamtbild der Anlagen kaum vorstellen kann.

Ein paar efeuumrankte, bröckelnde Mauern, gähnend leere Fensteröffnungen und ein einsames Kaminsims aus Sandstein. Das ist dann häufig alles, was nach Jahrhunderten von der einstigen Schönheit geblieben ist.

Zum Glück gibt es Computersimulationen. Und die werden immer besser…

Mit der geballten Rechenkraft von bis zu 50 PCs der Stuttgarter Hochschule der Medien haben die damaligen Studentinnen Petra Riesemann und Cornelia Egger für ihre Diplomarbeit die Burg Honberg, Wahrzeichen der schwäbischen Stadt Tuttlingen, wieder auferstehen lassen. Honburg: Computermodell lässt Tuttlingens Wahrzeichen neu erstehen weiterlesen

Soll das Heidelberger Schloss wieder aufgebaut werden?



 Ottheinrichbau (1556, erstes Renaissance-Bauwerk auf deutschem Boden) Foto: Meins / Foto oben: Digitale Rekonstruktion des Schlosses im Bauzustand von 1683 durch Julian Hanschke / Foto: KIT
Ottheinrichbau (1556, erstes Renaissance-Bauwerk auf deutschem Boden) Foto: Meins / Foto oben: Digitale Rekonstruktion des Schlosses im Bauzustand von 1683 durch Julian Hanschke / Foto: KIT
Die Frage stammt aus dem späten 19. Jahrhundert, als sich Prinzen und Magnaten die gute alte Ritterzeit durch historisiernde Rekonstruktionen herbeizubauen trachteten. Warum nicht auch in Heidelberg?

Wie das in Deutschland nun mal so ist: Es wird lange geredet und am Ende entscheidet ein Arbeitskreis.

Nach 22-jähriger Diskussion stimmte ein Gremium aus Fachleuten 1890 gegen den Wiederaufbau und für den Erhalt der Ruine in ihrem damaligen Zustand. Nur der weitgehend erhaltene Friedrichbau wurde wieder aufgebaut.
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Mary Shelley, Frankenstein und der „explodierte“ Burgturm



Burg Frankenstein im Odenwald / Foto: Burgerbe.de
Burg Frankenstein im Odenwald / Foto: Burgerbe.de

Apropos Grusel. Hat Frankenstein-Autorin Mary Shelley Burg Frankenstein besucht und sich von den örtlichen Erzählungen inspirieren lassen? Die Frage ist umstritten. Fakt ist, dass die Burg Namensgeberin des 1818 erschienen Romans der Engländerin ist.

Als Erbauer der Burg, erste Erwähnung 1252, wird Ronrad Reiz von Breuberg genannt. Er hat den Besitz erheiratet. Im 16. Jahrhundert wurde die alte Wehrburg um eine Bastion ergänzt. 1662 fiel die Anlage an Hessen-Darmstadt.

Wie viele andere Burgen (z.B. Leuchtenburg oder Marksburg) wurde sie danach rund 100 Jahre lang als Gefängnis und Invalidenhaus genutzt und verfiel anschließend.
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Burg Breuberg, Zankapfel der Konfessionen



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Burg Breuberg
Die Reformation und später Dreißigjährige Krieg spalteten den deutschen Adel. Manchmal ging der konfessionelle Riss auch mitten durch Familien und Burgen. Burg Breuberg ist ein Beispiel dafür.

Auf dem 306 Meter hohen Breuberg in Südhessen thront sie als eine der besterhaltenen Burgen der Republik. Durch kontinuierlichen Ausbau ist die Anlage eine beeindruckende Festung geworden. Und eine Sage gibt es auch. Heute sind dort eine Jugendherberge und ein Museum untergebracht.
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Der Gefangene im „Raubgrafenkasten“

Der Quedlinburger "Raubgrafenkasten"
Der Quedlinburger „Raubgrafenkasten“ / Foto oben: Quedlinburg um 1900
Im Schlossmuseum zu Quedlinburg steht ein seltsames Holzungetüm mit einer noch eigenartigeren Geschichte: Der Raubgrafenkasten. 2,75 x 2,35 Meter misst die zwei Meter hohe, eisenbeschlagene Konstruktion aus acht Zentimeter dicken Fichtenholzbohlen, in die lediglich eine 45 x 60 Zentimeter breite Tür führt. Außerdem gibt es ein winziges Fenster.

Der Legende nach war dieser Kasten von 1336 bis 1338 das transportable Gefängnis von Graf Albrecht II. von Regenstein. Dieser lag in Fehde mit dem Bischof von Halberstadt und der Stadt Quedlinburg, deren Neustadt er besetzt hielt. Nach verlorener Schlacht soll der Regensteiner in einem Sumpf nahe seiner Gerstdorfer Burg gefangen genommen worden sein. Soweit die Fakten.

Im triumphalen Zug sollen ihn die Quedlinburger vor ihr Rathaus gebracht und eigens für ihn das hölzerne Gefängnis angefertigt haben. Vermutlich entstand es aus einem Container, der ursprünglich für den Transport von Tieren gedacht war. Im anschließenden Prozess wurde Albrecht II. zum Tode verurteilt.

Eine historische Postkarte zeigt den Raubgrafenkasten
Eine historische Postkarte zeigt den Raubgrafenkasten
Das Verfahren sollte jedoch in erster Linie als politisches Druckmittel dienen, um den Grafen zum Einlenken zu zwingen. Die Grafen waren ein Machtfaktor in Quedlinburg, seit ihnen die Äbtissin des Quedlinburger Damenstifts im Jahr 1300 aus akutem Geldmangel die komplette Neustadt als Lehen übertragen hatte.

Nach zwei Jahren Haft erfüllte der Graf diverse Forderungen des Bischofs und der Quedlinburger. Die Regensteiner verzichteten auf ihr Quedlinburger Lehen und erkannten die Schutzherrschaft des Halberstädter Bischofs über die Stadt an. Angeblich mußte der Graf auch sieben neue Türme in der Stadtmauer auf eigene Kosten errichten lassen.

Unter Historikern ist die Geschichte des Kasten-Gefängnisses umstritten. Einen mächtigen Adeligen, der noch dazu Schutzherr der Neustadt war, unter so schmählichen Umständen gefangen zu halten, wäre im 14. Jahrhundert äußerst unschicklich gewesen, auch für die Stadt Quedlinburg. Heute würde man so etwas als Folter berzeichnen.

Der Graf ist nach einigen Angaben bereits kurz nach seiner Freilassung gestorben. Der Wikipedia-Eintrag über Albrecht II. spricht dagegen von Mord durch den Bischof im Jahr 1349. Den Namen „Raubgraf“ hat der Schriftsteller Julius Wolff in einem 1884 erschienenen, gleichnamigen Roman erstmals verwendet (der Link führt auf den Roman als Volltext-Version).

Der Kasten, der zunächst im Rathaus stand, ist nun schon seit vielen Jahren eine der Attraktionen der Stadt. Auch die Burg Regenstein existiert noch – wenn auch nur als Ruine.

Quellen: Eintrag bei Harzwelten.online und st.museum-digital.de

Fotos: Eigenes & alte Postkarte