Archiv der Kategorie: Europa

Burg Carcassonne: Man rechnete immer mit Verrat



Die restaurierte Burg von Carcassonne. Rechts neben dem Tor steht der so genannte Obergaden-Turm
Die restaurierte Burg von Carcassonne. Rechts neben dem Tor steht der so genannte Obergaden-Turm

Vor der Völkerwanderung hatte man nicht mal im beschaulichen Südwestfrankreich seine Ruhe. Davon zeugen heute noch hektisch errichtete römische Mauern und Türme in Carcassonne (wundervoll restauriertes Weltkulturerbe und Must-See für Freunde historischer Burgen, die auch gern gut essen).

30 bis 40 Jahre vor der Zeitenwende gründeten die Römer die Handelsstadt auf einer Anhöhe am Flüsschen Aude als Colonia Julia Carcaso. Zunächst blieb sie gänzlich ohne Mauern, die Macht des Imperium Romanum wirkte abschreckend genug.

Als im dritten Jahrhundert nach Christus Vorboten der Völkerwanderung in Form von Barbarenhorden auch durchs Vorland der Pyrenäen zogen, musste schnell eine Stadtbefestigung her. In Carcassonne wurden sie um das Jahr 200 hochgezogen.

Die Römer bauten trotz der Eile so dauerhaft, dass ihre Türme, Tore und die Ringmauer die Grundlage der mittelalterlichen Befestigungen bildeten und zum Teil heute noch zu sehen sind.
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Die „Spanische Folterkammer“ im London Tower



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Die Scavenger’s Daughter (Tochter des Straßenfegers) in der Spanish Armory. Ein Foltergerät zum Fixieren von Hals, Händen und Füßen, was Krämpfe zur Folge hat.
„Mit diesen Hellebarden sollten wir Engländer aufgespiesst werden. Mit diesen Werkzeugen wollten die Spanier Häretiker foltern“. Solche Erklärungen bekamen junge Briten zu hören, die vor 300 Jahren einen Sonntagsausflug in den Tower machten (ja, das gab’s damals schon).

Sie lernten dort den Hass auf die katholischen Spanier, mit deren Herrscher ihre protestantische Regierung gerade mal wieder im Clinch lag.

Seit etwa 1676 wurde Englands wichtigste Festung nicht nur als Bollwerk, sondern auch zur psychologischen Kriegsführung genutzt.

Der Tower beherbergte ein frühes Museum, das auch die „Spanish Armory“ enthielt: Eine Sammlung angeblich bei der Vernichtung der Armada 1588 erbeuteter spanischer Waffen und Folterwerkzeuge, die nun der staunend-gaffenden Öffentlichkeit präsentiert wurden. Die Schau muss ein Riesenerfolg gewesen sein.
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Katharer-Burgen in den Pyrenäen: Die steinernen „Söhne von Carcassonne“




Queribus bot den letzten Katharern Schutz / Foto: Burgerbe
Queribus bot den letzten Katharern Schutz / Foto: Burgerbe

Auf Burg Peyrepertuse
Auf Burg Peyrepertuse

Burgen, die wie Vogelnester an steilen Felswänden kleben – Festungen, in die sich verfolgte Katharer flüchteten, während die gepanzerten Belagerer am Hang mit Kennermiene das Holz für die Scheiterhaufen zusammensuchten – die Überreste dieser Gemäuer wollte ich mir mal aus der Nähe ansehen. Glücklicherweise bietet der Billigflieger Ryanair fast täglich Flüge nach Carcassonne an. Allerdings starten diese erst ab dem Flughafen Charleroi („Brüssel-Sud“) in Belgien.

Also erstmal ca. 215 Kilometer hingefahren, Auto ins Parkhaus gestellt (15 Eur/Tag) und rein in den Flieger, wo jeder Service extra kostet. Naja. Pension und Mietwagen hatte ich von Deutschland aus reserviert.

Netterweise wartete am Flughafen in Carcassonne bereits der Zubringerbus in die nahe Innenstadt (5 Eur, ca. 15 Minuten). Das klappte also schonmal gut.
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Der Gravensteen und die grausamen Grafen von Flandern



Trutzig und massiv recken sich die Türme des Gravensteen in den flandrischen Himmel. Als ob sie der Stadt Gent drohen wollten, die auf Straßenbreite an die dunklen Burgmauern herangerückt ist. Hier haben sie also gehaust, die grausamen Grafen von Flandern. Grausam müssen sie schon gewesen sein, zumindest wenn man dem heutigen Museum glaubt.

Denn um den happigen Eintrittspreis von 8 Euro(!) zu rechtfertigen, haben die schlauen Belgier in der Burg ein Waffen-, Gerichts- und Foltermuseum eingerichtet. Sowas zieht ja immer. Und an diversen Stellen gibt es nun Hinweise, was die Grafen und ihre burgundischen und habsburgischen Nachfolger so alles zwischen Folterkammer, Gerichtssaal und Kerker mit den armen Delinquenten angestellt haben.
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Schloss Ammersoyen: Vom Pfarrer beim Würfeln gewonnen



Das Kasteel Ammersoyen
Das Kasteel Ammersoyen
Burgen waren nicht nur Verteidigungsbollwerke, sondern im Kriegs- und Krisenfall auch sicherer Fluchtpunkt der umliegenden Bevölkerung. Burg Ammersoyen (niederländische Provinz Gelderland) war dies im Mittelalter ebenso wie noch in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts.

Bei einer katastrophalen Sturmflut öffnete der Besitzer, der Baron de Woëlmont, die Tore für seine Nachbarn. Hunderte drängten sich in den Sälen. Die Großzügigkeit des Barons war für die Adeligen seiner Zeit durchaus nicht typisch. König Wilhelm III., Urgroßvater von Königin Beatrix, kam anschließend jedenfalls persönlich auf die Burg, um sich zu bedanken.

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