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Razzia im Jagdschloss Waidmannsheil: „Reichsbürger“-Netzwerk im Fokus

Um kurz nach sechs Uhr sind Spezialeinsatzkräfte der Polizei am Mittwoch, 7. Dezember, vor dem Jagdschloss Waidmannsheil bei Bad Lobenstein vorgefahren. Schloss und Park wurden von der Polizei durchsucht.

Die Razzia ist Teil einer bundesweiten Aktion gegen mutmaßliche „Reichsbürger“ und eine mutmaßlich von ihnen gegründete terroristische Vereinigung. Eine Reihe von Personen steht im Verdacht einen bewaffneten Umsturz der Bundesregierung geplant zu haben.

Als mutmaßlichen Rädelsführer ließ die Bundesanwaltschaft den Gutsherr des Jagdschlosses festnehmen, einen 71-jährigen Prinzen aus dem ehemals regierenden Haus Reuß.

Verschwörertreffen im Schloss?

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Prinzen die Vorbereitung eines Staatsstreichs vor.

Nach Recherchen des MDR sollen sich Mitglieder der Verschwöerer-Gruppe mehrfach in dem Thüringer Jagdschloss getroffen haben. Die Bundesinnenministerin sprach im Zusammenhang mit den Ermittlungen von einem „Abgrund einer terroristischen Bedrohung aus dem Reichsbürger-Milieu.

Das Jagdschloss Waidmannsheil entstand in den Jahren 1834 bis 1837 für Fürst Heinrich den 72. von Reuß-Ebersdorf. Der Fürst war bis 1848 Herrscher des Mini-Territoriums Reuß-Lobenstein und Ebersdorf – mit 23.000 Einwohnern eines der kleinsten deutschen Bundesstaaten. Lobenstein (heute Bad Lobenstein) war die Hauptstadt.

Das Schloss mit dem weitläufigen Park war seine Zweitresidenz. Mit 20 x 15 Metern Grundfläche ist es eher klein. Regiert wurde normalerweise im Neuen Schloss in Lobenstein.

Als Fürst Reuß Lola Montez rauswarf

Im Jagdschloss empfing besagter 72. Fürst Reuß-Ebersdorf im Jahr 1843 auch die Tänzerin Lola Montez. Der Besuch dauerte möglicherweise nur ein paar Tage. Die Irin soll sich (in den Augen des Fürsten) derart unmöglich benommen haben, dass der Herrscher sie postwendend aus dem Mini-Staat ausweisen ließ.

Schloss Bauherr Heinrich der 72. / Bild: gemeinfrei

Der Bauherr des Schlosses dankte im Zuge der Revolution von 1848 ab und übergab die Amtsgeschäfte an Heinrich den 62. (aus einer jüngeren Linie der Familie Reuß, daher der Sprung zurück in der Zählung).

Die hohen Zahlen bei den reussischen Fürsten kommen daher, dass das Geschlecht rund 800 Jahre lang in der Region in Thüringen herrschte.

Alle Söhne der Familie heißen Heinrich. Das ist so im Hausgesetz von 1668 festgeschrieben. Bei der Gründung neuer Linien startete man wieder mit Römisch Eins.

Erst im November 1918 endete hier am Rand des Thüringer Waldes, wie bekanntlich in allen deutschen Staaten, die Zeit der regierenden Fürsten, also der vielen Heinriche.

Prinz verschwand in russischer Gefangenschaft

Das Jagdschloss blieb wie diverse andere Immobilien bis 1945 im Besitz der Familie Reuß. Der letzte Eigentümer zu Kriegszeiten, Prinz Heinrich der 65. aus der Linie Reuß-Schleiz wurde von der sowjetischen Besatzungsmacht inhaftiert.

Der Adelige kehrte aus der Gefangenschaft nicht zurück. Er wurde 1953 für tot erklärt.

Die Schlösser der Familie, also Schloss Ebersdorf, das Jagdschloss Waidmannsheil, Schloss Thallwitz und Schloss Osterstein wurden 1948 durch die Sowjets enteignet. Zu DDR Zeiten wurde Schloss Waidmannsheil als Urlaubs- und Schulungsheim genutzt.

Im Jahr der Einheit, 1990, kaufte die Familie Reuß das Schloss zurück.

Mehr zu interessanten Schlössern und Burgen in Thüringen steht hier im Blog.

„Spiegel Online“ berichtet von der Durchsuchung des Schlosses und des Schlossparks unter dem Titel „GSG 9 stürmt Schloss Waidmannsheil“:

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Weiterlesen:

  • Der MDR Thüringen berichtet: „Verschwörer-Netzwerk. Großrazzia: Gruppe soll Staatsumsturz geplant haben – Reussen-Prinz festgenommen“ (Link zum Artikel)
  • In der Berliner Zeitung schreiben Von Axel Lier, Karl Keim, Matthias Becker und Dirk Böttger: „Bundesweite Razzia gegen Reichsbürger-Netzwerk“ (Link zum Artikel)
  • Die Berliner Morgenpost meldet: „Prinz Heinrich XIII. im Visier der Ermittler“ (Link zum Artikel)
  • Ein aktuelles Foto des Schlosses ist auf Castlewelt zu sehen.
  • Hier ein MDR-Bericht aus dem August 2022: „Fürstenhaus Reuss distanziert sich von Weigelt-Gast Prinz Heinrich XIII.“ (Link zum Artikel)


  • Prinz Reuss kauft Schloss Ebersdorf für 100.000 Euro



    Schloss Ebersdorf, Südseite / Foto (und Foto oben): Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0
    Schloss Ebersdorf, Südseite / Foto (und Foto oben): Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0
    Es gibt noch klangvolle Adelstitel in Deutschland: Heinrich XIX. Prinz Reuss hat das seit 17 Jahren leer stehende Schloss Ebersdorf in Thüringen gekauft.

    Der adelige Käufer ist bitte nicht zu verwechseln mit dem am 7. Dezember 2022 als mutmaßlichen Rädelsführer einer terroristischen Vereinigung verhafteten Heinrich Prinz Reuss dem 13.

    Verkäufer von Schloss Ebersdorf ist der Saale-Orla-Kreis. Der Kreistag hatte zuvor in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, den Kaufpreis für die einstige reuss’sche Residenz mit ihrem Park und 120 Zimmern auf einen eher symbolischen Preis von 100.000 Euro festzusetzen.

    Der Notarvertrag zwischen Prinz und Kreis wurde kurz vor Weihnachten 2017 unterzeichnet. Prinz Reuss kauft Schloss Ebersdorf für 100.000 Euro weiterlesen

    Landesburg Lechenich: Eine Ruine wächst zu




    Privatbesitz - kein Zutritt: Tor zur Landesburg Lechenich
    Privatbesitz – kein Zutritt: Tor zur Landesburg Lechenich in Erftstadt / Fotos: Burgerbe.de
    Der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg hatte seine eigenen Schäfchen in der Schlacht von Worringen 1288 von einer ziemlich unangenehmen Seite erlebt. Die Bürgermiliz der Domstadt kämpfte berserkerhaft auf Seiten der (auch noch siegreichen) Gegner des Bischofs.

    Die Lust von Westerburgs und seiner Nachfolger, in solch einer aufsässigen Stadt zu residieren, tendierte logischerweise gegen Null.

    In den Folgejahren wurden im Kölner Umland Burgen als gut zu verteidigenden Bischofs-Residenzen ausgebaut. Etwa die Godesburg und ab 1306 die Landesburg Lechenich im heutigen Erftstadt. Letztere ist heute eine imposante Ruine in einem zugewachsenen Park. Durchaus etwas für Freunde von „Lost Places“.

    Wer die Reste von Burg Lechenich sehen will, erlebt erstmal eine Enttäuschung. Gut 100 Meter vom Marktplatz sichert ein versperrtes Tor an der Lechenicher Schlossstraße den Zugang zur Vorburg: Privatbesitz. Und von den Burgtürmen ist auch nichts zu sehen.
    Landesburg Lechenich: Eine Ruine wächst zu weiterlesen