Landkreis kauft Altes Schloss Gereuth für 1 Euro / Neues Schloss ist nicht betroffen

Ein „Schloss“ für einen Euro. Bei solchen Schnapper-Preisen ist in der Regel ein Haken an der Sache.

Für das verfallende Alte Schloss Gereuth im Landkreis Hassberge (Unterfranken) könnte der Verkauf für den symbolischen Euro die Rettung bedeuten. Der Käufer, der Landkreis Hassberge geht angesichts der ungewissen Sanierungskosten ein erhebliches finanzielles Risiko ein.

Mit dem bewohnten, Neuen Schloss Gereuth gegenüber hat der Kauf nichts zu tun (ich bitte hier um Entschuldigung, wenn mein Text zunächst diesen Eindruck erweckt haben sollte).

Am Montag hat der Kreistag beschlossen, den Kauf des ältesten Teils der Anlage zu wagen. Das berichtet die Neue Presse Coburg.
(Foto: Wikipedia/Darg Avenger/CC-BY-SA 3.0)

Die Entscheidung war für das Gremium nicht einfach. Teuer wäre es aber auf jeden Fall geworden. Da kein Eigentümer mehr greifbar ist, steht der Landkreis ohnehin in der Verkehrssicherungspflicht.

An dem „Altes Schloss“ genannten Teil des Ensembles führt dummerweise eine Einfahrt zu einer benachbarten Firma vorbei. Steine und ganze Fassadenteile könnten herunterstürzen.

Allein dafür zu sorgen, dass das nicht mehr passieren kann, kostet laut der Zeitung bereits 300.000 bis 400.000 Euro.

Die nötige Sicherung des Dachstuhls des Alten Schlosses würde etwa eine Million Euro kosten. Für den größten Teil davon könnten Denkmalschutz-Fördergelder angezapft werden. 2008 hatte der Landkreis bereits das Fundament vorläufig gesichert.

Zur Geschichte von Schloss Gereuth (Alter und Neuer Teil)

Auslöser des Schlossbaus war vermutlich die Angst eines barocken Kirchenfürsten vor der Inflation. Es geht um Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths, ab 1699 Fürstbischof von Würzburg und Herzog von Franken.

Johann Philipp Greiffenclau Vollraths: Fürstbischof und Erbauer von Schloss Gereuth / Foto: gemeinfrei

Greiffenclau hatte die zwischen 1670 und 1690 grassierebde Münzverschlechterung, die zweite Klipper- und Wipperzeit, erlebt und suchte nun nach einer Anlagemöglichkeit für seine Reichtümer, bevor eine neue Inflation seine schönen fränkischen Gulden entwerten würde.

Damals wie heute waren Immobilien eine inflationssichere Angelegenheit. Also setzte der Fürstbischof die seinen Untertanen abgepressten Münzen für barocke Bauten ein.

Zum einen in Würzburg auf der Festung Marienberg, aber auch in einem entfernten Winkel seines Reiches.

Von Greiffenclau hatte 1705 für 44.000 Gulden das Rittergut Gereuth mit einem stattlichen Gutshaus in Untermerzbach, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Würzburg, gekauft. Die Erbauer waren adelige Protestanten gewesen, das wird dem Bischof gar nicht gefallen haben.

Also ziemlich weit weg. Aber immer noch in seinem Territorium. Und das Gut lag nah an der Grenze zu einem Rivalen, dem Fürstbistum Bamberg. Dort saß mit Lothar Franz von Schönborn ein entfernter Vetter auf dem Thron. Eventuell wollte Greiffenclau dem Bamberger seine Macht demonstrieren.

Das Alte Schloss Gereuth (der 400 Jahre alte Teil der Schlossanlage) grenzt an eine Straße / Foto: Wikipedia / Dark Avenger / CC-BY-SA 3.0

Jedenfalls ließ er sich einen durchaus standesgemäßen Landsitz hier hinsetzen, umgeben von einem Wassergraben. DGegenüber dem bestehenden Gebäude (dem heutigen Alte nSchloss) entstand ein dreiflügeliger, dreistöckiger Neubau, das Neue Schloss.

Auch bei der Inneneinrichtung sparte der Fürstbischof nicht. Die repräsentativen Räume, inklusive des Festsaals, erhielten Parkettböden und Stuckdecken, zum Teil wurden Wände mit edlen Stofftapeten bespannt.

Die Gebäude gruppierten sich um einen Ehrenhof. 1713/14 folgte dann eine Kirche mitsamt Pfarrhaus.

Das Schloss blieb nach Aufhebung des geistlichen Fürstentums Würzburg 1802/03 zunächst bei der Familie zu Greiffenclau-Vollrath. 1815 verkaufte man angesichts drückender Schulden an den Bankier Jakob von Hirsch.

Vom Schloss zum Bauernhof

Das Schloss wechselte in den Folgejahren mehrfach den Besitzer und verlor seinen repräsentativen Charakter. 1936 kaufte es ein örtlicher Landwirt und nutze es für seinen Betrieb. 1948 bis 1950 wurde es zur Unterkunft für Kriegsflüchtlinge.

1990 verkauften die Erben des Landwirts an den Unternehmer Roland Rösler, der noch Sanierungen vornehmen ließ.

Im Jahr 2000 erwarben Birgit Richter und Rupert Fechner das Neue Schloss und begannen mit weiteren Sanierungen und vielen Ideen.

2001 gründete sich ein Förderverein, um die Besitzer bei der Sanierung zu unterstützen. Von Fechners Engagement für das Neue Scholoss berichtet die Seite Franken-ist-schön.

Wächend sich Fechner um das Neue Schloss kümmerte, gehörte das Alte Schloss einem Adelsverband GmbH, der laut Main-Post mit Titeln handelte und offenbar keinerlei Interesse am Erhalt der Immobilie hatte.

Letzter im Grundbuch eingetragener Besitzer des Alten Schlosses war eine britische Gesellschaft, die inzwischen aufgelöst ist.

Insofern ist zu hoffen, dass die Geschichte des Altens Schlosses Gereuth unter dem Landkreis Hassberge nun eine neue, positive Wendung nimmt. Und dass es mit dem Neuen Schloss unter der Regie von Rupert Fechner erfolgreich weitergeht.

Weiterlesen:

Christian Schuster berichtet in der Neuen Presse Coburg über den Verkauf des Alten Schlosses Gereuth (Link zum Artikel)
Homepage des Förderverein Schloss Gereuth



Ein Gedanke zu „Landkreis kauft Altes Schloss Gereuth für 1 Euro / Neues Schloss ist nicht betroffen“

  1. Hallo lieber Jan,
    ich hab mir mal das Ganze im Google Earth von oben angeschaut. Das ist ja ein mächtiger alter Bau. Interessant ist auch die Geschichte. Ja, da kann man sein Geld loswerden (sofern man hat), um dieses Alte Schloss wieder herzurichten. Find ich aber gut.
    Liebe Grüße
    Traudi

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