Burg Kerpen in der Eifel: Streitobjekt und Malermotiv

Burg Kerpen hatte mächtige Tore / Foto: Burgerbe.de

Drei Söhne. Theoderich III., um das Jahr 1300 Herr auf Burg Kerpen in der nördlichen Eifel, war mit männlichem Nachwuchs gesegnet. Zu Töchtern schweigen die Quellen. Um keinen seiner Söhne zu benachteiligen, teilte er die zu diesem Zeitpunkt etwa 150 Jahre alte Burg kurzerhand in drei Erbteile.

Die Nachfahren der drei Brüder waren die nächsten hundert Jahre wohl damit beschäftigt, die jeweils anderen misstrauisch zu beäugen, ob deren Anteil nicht doch wertvoller war – wie in so vielen anderen sogenannten Ganerbenburgen.

Heute liegt Burg Kerpen weiter auf ihren drei Terrassen hoch über dem Eifelstädtchen. Überragt wird sie vom 23 Meter hohen Bergfried. 2018 hat eine Bonner Unternehmerfamilie die Burg gekauft.

Luftbild der Burg Kerpen / Foto: Wikipedia / Wolkenkratzer / CC-BY.SA 3.0

Zurzeit (Frühjahr 2020) läuft eine umfassende Sanierung. Ein Großteil der Burg ist Baustelle. Eine Besichtigung ist daher aktuell nicht möglich.

Aber zurück ins späte Mittelalter und die Frühe Neuzeit. Da gab es nun diese drei Familienzweige: Kerpen-Linster, Kerpen-Mörsdorf und Kerpen-Illingen. Erst 1448, mehr als hundert Jahre nach der Teilung, kam die Burg wieder an einen alleinigen Besitzer: Wilhelm II. von Sombreff.

Die Todes- und Erbfälle führten in den Folgejahren immer wieder zu Streitigkeiten. 1593 ließ Philipp von der Mark Burg Kerpen kurzerhand besetzen, weil er sich für den rechtmäßigen Erben hielt.

Burg Kerpen – das vorgesetzte Wohngebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert / Foto: Burgerbe.de

Der Graf von Manderscheid-Gerolstein wollte die Burg Winter 1607/08 mit 300 Mann zurückholen. Die Aktion misslang. Der folgende Rechtsstreit dauerte 18 Jahre und endete mit einem Vergleich.

Danach hatten die nun rechtmäßigen Besitzer aus dem Hause von der Mark aber nur noch wenige Jahre Freunde an ihrem Besitz. Während der Spätphase des Dreißigjährigen Krieges besetzten französische Truppen die Burg und sprengten Teile der Anlage.

Dicke Mauern sicherten Burg Kerpen / Foto: Burgerbe.de

1653, kurz nach dem Westfälischen Frieden beanspruchte der Graf von Löwenstein-Wertheim die demolierte Burg und ließ sie besetzen. 21 Jahre später bescheinigte das Reichskammergericht die Unrechtmäßigkeit der Aktion und sprach die Burg der Familie von Arenberg zu.

In der Bevölkerung ging in dieser Zeit die Angst vor Hexen um. In den kleinen Herrschaften der Eifel wurden sie besonders intensiv gejagt. Burg Kerpen mit seinem Verlies im Bergfried wäre sicher ein hervorragender Ort gewesen, um Angeklagte kurzzeitig unterzubringen.

Die Arenberger Burgbesitzer mussten jedendalls mit ansehen, wie 1682 erneut französische Truppen durch die Eifel zogen und alles sprengten, was nach Verteidigungsanlage aussah. General Bouffleurs Truppen verschonten auch Burg Kerpen nicht.

Teile des Bergfrieds blieben stehen, und die Struktur der drei Terrassen blieb erhalten.

Burg Kerpen ist momentan Baustelle / Foto: Burgerbe.de
An die Stelle der Ruine hätten die Arenberger gern ein repräsentatives Schloss gesetzt. Doch zu diesem finanziellen Kraftakt kam es nicht mehr. 1794 wurde die Familie durch die französische Besatzungsmacht enteignet. Die Ruine wurde Staatsbesitz und zu Abbruch verkauft.

Jetzt hätte die Geschichte der Burg zu Ende sein können. Glücklicherweise fand sich 1893 mit Johann Heinrich Dün jemand, der bereit war, die Ruine instand zu setzen und zu nutzen.

Er baute das bis heute erhaltene Wohnhaus und ließ den Bergfried wieder aufbauen und mit einem romantisierenden Zinnenkranz versehen. Das „deutsche Mittelalter“ war im Kaiserreich gerade schwer in Mode.

Burg Kerpen – gemalt vom Burgherrn Fritz von Wille / gemeinfrei
Eifelmaler Fritz von Wille kauft die Burg

Dass man mit diesem Hang zur Romantik durchaus gutes Geld verdienen konnte, zeigte der Landschaftsmaler Fritz von Wille, der die Burg 1911 kaufte. Eventuell hat ihm beim Zusammenbringen des Kaufpreises auch die Ehe mit einer Tabaksfabrikanten-Tochter geholfen.

Fritz von Wille auf einem Gemälde – zwei Jahre bevor er 1911 die Burg kaufte / gemeinfrei

Der „Künstlerfürst“ der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg malte viele der Eifelburgen, Kapellen und Maare und machte die abgelegene Gegend am Rande der preußischen Rheinprovinz lange vor dem Masseneinsatz des Farbfilms populär. Klar, dass seine Burg Kerpen häufig als Motiv herhalten musste.

Auf der Burg ließ der Eifelmaler eine Familiengruft anlegen, wo er nach seinem Tod 1941 seine letzte Ruhe fand. Ein „Fritz-von-Wille-Museum“ ist heute Teil des Kulturzentrums Haus Beda in Bitburg.

Fritz von Wille: Burg Kerpen im Winter / gemeinfrei

Die Wille-Erben verkauften die Burg nach seinem Tod umgehend an die Firma Demag, die im Burggebäude ein Schulungsheim einrichtete.

1969 bis 2007 ließ der Kreis Grevenbroich, bzw. der Kreis Neuss hier Schüler in seinem kreiseigenen Landschulheim Burgromantik schnuppern und von Kerpen aus die Eifel erkunden.

Burg Kerpen über Kerpen / Foto: Burgerbe.de
2010 übernahm eine niederländische Familie das Ruder. 2016 bis 2018 folgte eine Episode als Flüchtlingsheim. Die neuen Eigentümer wollen ihren Besitz nach der denkmalgerechten Sanierung wohl als rein privates Wohnquartier nutzen.

Die Burg ist aus so ziemlich jedem Winkel des Kerpener Zentrums aus zu sehen. Sie liegt übrigens auch in Sichtweite des beliebten Eifelsteig-Wanderwegs. Hinter der Burg führt ein Wanderweg den Hügel hinauf, mit einem Aussichtspunkt mit Blick auf Ort und Burg-Rückseite.

Fritz von Wille: Burg Kerpen mit blühenden Apfelbäumen / gemeinfrei
Weiterlesen:

Eine schöne Übersicht zur Geschichte der Burg steht auf der Seite der aktuellen Eigentümer: Burg-Kerpen.com
Auf Eifelführer.de gibt es einen kurzen Eintrag zur Burg Kerpen
Rhein-Eifel-TV zeigt einen Grundriss
Als Lektüre zum Thema Hexenverfolgung in der Eifel empfehle ich einen Artikel bei Eifelschreiber: „Ein Dorf im Hexenkrieg
Ein Übersichtsartikel zu Burgen der Eifel steht hier im Blog.

Drei Mal Burg Kerpen

Die Burg Kerpen gab es drei Mal Deutschland. Eine alte Burg Kerpen existierte bis zur Sprengung durch französischen Truppen im Jahr 1689 im östlichen Teil der heutigen Stadt Kerpen. 1793 wurde die Ruine abgeräumt
Eine weitere teilweise erhaltene Anlage dieses Namens liegt in Illingen im Saarland.

2014 gab es ein Mittelalterspektakel auf der Eifelburg Kerpen:



Ein Gedanke zu „Burg Kerpen in der Eifel: Streitobjekt und Malermotiv“

  1. Toller Artikel über die Burg Kerpen. Ich wusste gar nicht, dass die Burg als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde. Nun soll sie also wieder als Wohnobjekt genutzt werden im Privatgebrauch. Ein mächtiges Anwesen wird das dann sein.
    Liebe Grüße

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