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Das Schloss vor Husum: Fürstliche Repräsentation an der Nordsee

Das Schloss vor Husum strahlt wieder herzoglichen Glanz aus. Seit einer umfassenden Restaurierung in den 1980er Jahren trägt der Turm wieder eine charakteristische, weithin sichtbare Renaissancehaube mit offener Laterne. Das Schloss ist heute Wahrzeichen, Museum, Sitz der örtlichen Musikschule und Veranstaltungsort.

Sollte man es sich ansehen? Wer sich für die Geschichte dieser Ecke von Schleswig-Holstein und des einstigen Herzogtums Schleswig-Holstein-Gottorf interessiert, sollte es sich nicht entgehen lassen.

Bauherr des Schlosses war in den Jahren 1577 bis 1582 Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf, der erste Landesherr des neu gegründeten Herzogtums. Als solcher brauchte er repräsentative und wohnliche Bauten.

Das familieneigene Schloss Gottorf hatte auch damals noch mehr von einer zugigen mittelalterlichen Wasserburg. Als Bauplatz suchte sich der Herzog das Gelände eines aufgehobenen Klosters vor den Toren der aufstrebenden Stadt Husum aus. Dass dort noch ein Armenhaus stand, interessierte niemanden.

Ließ das Schloss vor Husum erbauen: Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf / Foto: gemeinfrei / Foto oben: Burgerbe.de

Architektonisch begann mit dem Schloss vor Husum und dem verwandten Schloss Reinbek nahe Hamburg (entstanden 1572-76) die Zeit der Renaissanceschlösser in diesem Teil Norddeutschlands Einzug zu halten. Offene Dreiflügelanlagen, damals das Modernste, was der fürstliche Schlossbau zu bieten hatte.

Vermutlich zeichneten niederländische Architekten die Pläne, ihre Namen sind leider nicht überliefert.

Schloss Reinbek habe ich in einem eigenen Beitrag vorgestellt.

Prächtige Nebenresidenzen

Herzog Adolf dienten die roten Backstein-Schlösser bei Husum und in Reinbek als Nebenresidenzen, wenn er in seinem Flickenteppich-Staat unterwegs war. Ausdauernden höfischen Prunk konnte Adolf auf seinem Husumer Schloss nicht mehr entfalten: Er starb bereits vier Jahre nach der Fertigstellung auf Schloss Gottorf.

Auch seine Nachfahren interessierten sich nicht mehr sonderlich für den Bau des ersten Landesherrn. Da das Schloss nun mal da war, wurde es eben zum Witwensitz, von wo aus ehemalige Herrschergattinnen die aktuellen Regierungsgeschäfte nicht mehr stören sollten.

Glücklicherweise überstand das Schloss den Dreißigjährigen Krieg und den Großen Nordischen Krieg unbeschadet. In den folgenden Jahrzehnten wurde es allerdings immer baufälliger.

Als die siegreichen Dänen 1721 die Herrschaft in der Gegend übernahmen, standen sie vor einem leer stehenden Schloss. In Kopenhagen hatte man auch schon entschieden, „nutzlose“ Schlösser der neuen Herrschaften abreißen zu lassen, wie das Schloss in Tönning. Das Schicksal blieb dem Schloss vor Husum erspart.

Dänen lassen den Barock einziehen

Das Schloss vor Husum, eines der weniger Schlösser nahe der Nordsee in Schleswig-Holstein Foto: Wikipedia / PodracerHH / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben: Wikipedia / Bunte Nordlichter / CC-BY-SA 2.0

Fast 200 Jahre nach seiner Erbauung ließen die Dänen das Schloss in den Jahren 1750 bis 1752 mit Elementen des gerade schwer modernen Barockstils umbauen. Ins Schloss zog nun ein dänischer Amtmann ein.

Danach war aber nicht mehr genug Geld für den nachhaltigen Erhalt der kompletten Anlage vorhanden. Der hoch aufragende Turm verlor seine Renaissancehaube und wurde 1792 kurzerhand bis auf die unteren drei Etagen abgetragen. Dieses historische Foto zeigt den jahrhundertelangen Zustand. Da fehlt doch was…

Trotzdem geriet das Schloss nicht völlig in Vergessenheit. Der jeweilige dänische König schaute in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mal wieder vorbei.

1864 fiel Husum nach dem deutsch-dänischen Krieg an die preußischen Sieger. Die nutzten das Schloss als Verwaltungs- und Gerichtsgebäude. Der Schriftsteller Theodor Storm, ein gebürtiger Husumer, sprach hier ab 1873 als Amtsrichter Recht und ließ sich hier wohl auch ein bisschen vom Schloss in seiner grauen Stadt am Meer inspirieren. Im Schlosspark steht heute eine Storm-Büste.

1919: Der Kreis kauft das Schloss

Nachdem Kaiser Wilhelm Reißaus genommen hatte, kaufte der Kreis Husum das Schloss 1919 vom preußischen Staat und ließ hier eigene Beamte arbeiten. Seitdem ist es in kommunalem Besitz.

Die Weltkriege hat das Schloss ohne große Schäden überstanden. Als die Kreisbeamten Anfang der 1970er Jahre in einen neuen Betonbau umzogen, stand das Schloss zunächst wieder leer. Glücklicherweise wurde es zwischen 1973 und 1980 behutsam restauriert und für die Nutzung als Museum fit gemacht.

Auffälligste Maßnahme war die Wiedererrichtung des charakteristischen Turms und seiner Haube mit der offenen Laterne.

Der Turm ist schon von weitem sichtbar / Foto: Burgerbe.de

Der Prunkkamin und Theodor Storm

Die Räume des Schlosses können besichtigt werden. Ein Prachtstück ist der Prunkkamin aus der Zeit um 1615 mit einem Relief aus Alabaster mit dem Titel „Der Kampf des Lebens gegen den Tod“. Theodor Storm war jedenfalls tief beeindruckt (Link zur Seite der Storm-Gesellschaft).

Der heutige Kamin im Rittersaal ist übrigens eine Kopie von 1986. Den echten haben die Preußen bei ihrem Abzug mitgenommen. Er steht seit 1919 im Berliner Bode-Museum.

Der Museumsverband Nordfriesland hat für das Schloss vor Husum auch einen Imagefilm erstellen lassen:

Puppen-Ausstellung mit ernstem Hintergrund

In den Räumen des Schlosses bietet der Pole Poppenspäler Förderkreis e.V. übrigens auch eine einmalige Ausstellung wechselnder Exponate aus der Welt des Figurentheaters, das Pole Poppenspäler Museum. Der Name Pole Poppenspäler stammt natürlich auch aus einem Theodor-Storm-Roman.

Als ich das Schloss im Sommer 2024 besucht habe, zeigte der Verein in Zusammenarbeit mit dem Museumsverband Nordfriedland eine Sonderausstellung unter dem Thema „Darf man über Hitler lachen?„. Letztlich immer noch aktuell.
Gezeigt wurden die Original-Pullen aus dem Puppenspiel „Die letzten Tage im Bunker des Führers – eine Tragikomödie (1999)“. Geschrieben hat dies der Kieler Pastor Reinholt Becker (1932-2012) als „persönliche Abrechnung“ mit dem Nationalsozialismus.

Plkat der Ausstellung „Darf man über Hitler lachen“ im Schloss vor Husum 2024 / Foto: Burgerbe.de

1999 wurde das Stück in Husum erstmals aufgeführt. Auf dem Flyer zur damaligen Ausstellung kann man einige der Puppen sehen. Die Fotos sind leider nicht besonders gut. Die Puppen von Hitler, Himmler, Goebbles und Göring und ihre braun bis bunten Mini-Uniformen sind sehr detailreich. Ich hoffe, die Sonderausstellung wird künftig noch häufiger gezeigt.

Links:

Hier geht’s zur Website des Schloss vor Husum

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