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Vom Freiburger Foltermuseum zur Vlotburg



Medienberichte über den Kampf der Kirche gegen das Foltermuseum. Fotos: Burgerbe.de
Medienberichte über den Kampf der Kirche gegen das Freiburger Foltermuseum. Fotos: Burgerbe.de

Sieben Jahre lang hatte das beschauliche Freiburg im Breisgau eine etwas makabere Attraktion: Im Schatten des Münsters, fast in Reichweite der Wasserspeier, fand sich das überaus beliebte Foltermuseum.

Nunja, beliebt bei vielen Touristen, die nach dem Erklettern des Münster-Turms vorbeischauten. Kirchlichen Würdenträgern war die etwas reißerische Erinnerung an die Zeit der Inquisition denn doch ein Dorn im Auge.

Zwischen 1550 und 1628 wurden in Freiburg 302 Menschen als Hexen und Zauberer verurteilt, davon 131 hingerichtet. Eine Plakette am Martinstor erinnert heute an die Opfer.

Als „unseriös“ kritisierte das Domkapitel die Schau des Museums. Die Initiatoren machten sich im Gegenzug einen Spaß daraus, die betreffenden Zeitungsartikel (mit Überschriften wie „Kann denn Folter Sünde sein?“) an die Tür zu heften.

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Die Totenmaske der Staufer-Stammmutter

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Die „Totenmaske“ der Hildegard von Egisheim
Im ersten Stock des Bad Wimpfener Steinhausmuseums findet sich hinter Glas ein unscheinbarer, lebensgroßer Gipskopf. Das entspannte Antlitz einer Frau mit geschlossenen Augen, den Kopf leicht zur Seite geneigt.

Doch es ist keine von einem mittelalterlichen Künstler geformte Plastik, sondern die auf natürliche Weise entstandene Totenmaske der Urgroßmutter von Kaiser Barbarossa, Hildegard von Egisheim (gestorben 1094/95).
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Der Gefangene im „Raubgrafenkasten“

Der Quedlinburger "Raubgrafenkasten"
Der Quedlinburger „Raubgrafenkasten“ / Foto oben: Quedlinburg um 1900
Im Schlossmuseum zu Quedlinburg steht ein seltsames Holzungetüm mit einer noch eigenartigeren Geschichte: Der Raubgrafenkasten. 2,75 x 2,35 Meter misst die zwei Meter hohe, eisenbeschlagene Konstruktion aus acht Zentimeter dicken Fichtenholzbohlen, in die lediglich eine 45 x 60 Zentimeter breite Tür führt. Außerdem gibt es ein winziges Fenster.

Der Legende nach war dieser Kasten von 1336 bis 1338 das transportable Gefängnis von Graf Albrecht II. von Regenstein. Dieser lag in Fehde mit dem Bischof von Halberstadt und der Stadt Quedlinburg, deren Neustadt er besetzt hielt. Nach verlorener Schlacht soll der Regensteiner in einem Sumpf nahe seiner Gerstdorfer Burg gefangen genommen worden sein. Soweit die Fakten.

Im triumphalen Zug sollen ihn die Quedlinburger vor ihr Rathaus gebracht und eigens für ihn das hölzerne Gefängnis angefertigt haben. Vermutlich entstand es aus einem Container, der ursprünglich für den Transport von Tieren gedacht war. Im anschließenden Prozess wurde Albrecht II. zum Tode verurteilt.

Eine historische Postkarte zeigt den Raubgrafenkasten
Eine historische Postkarte zeigt den Raubgrafenkasten
Das Verfahren sollte jedoch in erster Linie als politisches Druckmittel dienen, um den Grafen zum Einlenken zu zwingen. Die Grafen waren ein Machtfaktor in Quedlinburg, seit ihnen die Äbtissin des Quedlinburger Damenstifts im Jahr 1300 aus akutem Geldmangel die komplette Neustadt als Lehen übertragen hatte.

Nach zwei Jahren Haft erfüllte der Graf diverse Forderungen des Bischofs und der Quedlinburger. Die Regensteiner verzichteten auf ihr Quedlinburger Lehen und erkannten die Schutzherrschaft des Halberstädter Bischofs über die Stadt an. Angeblich mußte der Graf auch sieben neue Türme in der Stadtmauer auf eigene Kosten errichten lassen.

Unter Historikern ist die Geschichte des Kasten-Gefängnisses umstritten. Einen mächtigen Adeligen, der noch dazu Schutzherr der Neustadt war, unter so schmählichen Umständen gefangen zu halten, wäre im 14. Jahrhundert äußerst unschicklich gewesen, auch für die Stadt Quedlinburg. Heute würde man so etwas als Folter berzeichnen.

Der Graf ist nach einigen Angaben bereits kurz nach seiner Freilassung gestorben. Der Wikipedia-Eintrag über Albrecht II. spricht dagegen von Mord durch den Bischof im Jahr 1349. Den Namen „Raubgraf“ hat der Schriftsteller Julius Wolff in einem 1884 erschienenen, gleichnamigen Roman erstmals verwendet (der Link führt auf den Roman als Volltext-Version).

Der Kasten, der zunächst im Rathaus stand, ist nun schon seit vielen Jahren eine der Attraktionen der Stadt. Auch die Burg Regenstein existiert noch – wenn auch nur als Ruine.

Quellen: Eintrag bei Harzwelten.online und st.museum-digital.de

Fotos: Eigenes & alte Postkarte


Die Marksburg: Immer Vater Rhein im Blick



Zu einer alten Burg gehört ein langer Schlüssel. Den hat die nette Burgführerin in der Gesäßtasche, und der Fünfjährige, der ununterbrochen von der Ritterwoche im Kindergarten brabbelt, darf auch mal aufschließen. Wenigstens dabei ist er ruhig.

Der Rundgang durch die 1231 erstmals erwähnte Anlage geht durch das Schartentor (erbaut um 1300), dessen Besonderheit auf den ersten Blick auffällt: Es wurde im Lauf der Zeit deutlich verkleinert.

Das ursprüngliche, recht große Tor geht auf die Angewohnheit der adeligen Bewohner zurück, hoch zu Ross bis in den inneren Hof zu reiten. Aus dem Feld wurde dazu extra eine Pferde-Treppe geschlagen.

Marksburg Tor
Das Tor zur Marksburg

Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen erwiesen sich die Riesentore allerdings als, nunja,  Einfallstore für die Kanonenkugeln der Feinde. Sie wurden daher schleunigst verkleinert.

Damit verbundener Nachteil: Die hochwohlgeborenen Herschaften mussten nun beim Einreiten auf ihre Köpfe achten.

Das besagte Schartentor ziert auch noch eine Pechnase. Diese sieht zwar aus wie eine mittelalterliche Toilette, war aber eher zum Herunterschütten weit unangenehmerer Substanzen auf ungebetenen Besuch gedacht.

Die Burg ist nur im Rahmen einer solchen Tour zu besichtigen, was sich aber durchaus lohnt.

Die Marksburg ist übrigens die einzige nie zerstörte Höhenburg am Rhein. Allerdings hat der Zahn der Zeit gründlich an ihr genagt. Besonders interessant ist der Blick auf die Kleine und Große Galerie mit ihren Kanonen.

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Burg Falkenstein und der Sachsenspiegel



Hoch über der Selke, inmitten eines waldreichen Naturschutzgebiets, erhebt sich auf einem Bergsporn Burg Falkenstein. Die dreiflügelige, unregelmäßig dreieckige Anlage mit sieben Toren, Zwingern und drei Halsgräben zählt zu den schönsten und wehrhaftesten Burgen des Harzes.

Ein bemerkenswertes Beispiel für eine organisch gewachsene und in ihrer ursprünglichen Anlage unzerstört gebliebene Burg. Wenn man nach einem Spaziergang durch den dichten Wald unvermittelt vor den mächtigen Mauern steht, so ist das schon ein tolles Erlebnis.
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