Das Landesamt für Denkmalpflege fand den Antrag gar nicht witzig und klärte die Lokalpolitiker über die Bedeutung des verfallenden Schlosses auf, dessen Kern aus dem 17. Jahrhundert stammt. Der Abriss wurde untersagt.
Die rund drei Millionen Euro, die eine Schloss-Sanierung kosten würde, kann der 1910-Einwohner-Ort freilich nicht schultern. Der Plan, Landesmittel für die Sanierung zu beantragen, wurde nicht weiter verfolgt.
Also entschloss sich der Rat, nach Käufern zu suchen. Man schaltete eine Anzeige in Immobilienportalen. Überschrift: „Schloss Ottenhofen – daheim im eigenen Schloss ganz nah bei München!“. Einen Preis schrieben die Politiker nicht dazu („auf Anfrage“ und „provisionsfrei“).
Die Süddeutsche Zeitung fragte nach und erfuhr, dass sich mehrere Interessenten für die 780 Quadratmeter Wohnfläche (15 Zimmer) und das 900 Quadratmeter große Grundstück gemeldet hätten. Die Verkaufsanzeige bei Imoscout24 ist inzwischen wieder offline.
Vielleicht ist der Weg zum denkmalfreien Dorfzentrum mit Arztpraxen, Sitzungssaal und schönen neuen Parkplätzen ja doch nicht so weit.
Vom einst u-förmigen Hofmarkschloss Ottenhofen steht heute nur noch der Südflügel.
Das Schloss ließ die adelige Familie Perusa nach 1709 errichten. Karl Felix Perusa, bayerischer Hofvizepräsident, ließ es ausbauen und setzte 1760 einen bis heute erhaltenen Rokoko-Teepavillon daneben.
Dieser befindet sich in Privatbesitz, gilt als „Schmuckstück von Ottenhofen“ und ist nicht von einem möglichen Verkauf betroffen.
Die Gemeinde hat das Schlossensemble 1956 erworben. Baufällige Teile wurden inzwischen abgerissen und durch Wohnungen ersetzt. Der Südflügel mit einem markanten Türmchen als Dachreiter blieb stehen. Seit 2005 wird seine östliche Giebelseite durch ein Gerüst gestützt und so vor dem Einsturz bewahrt.
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Gerhard Wilhelm berichtet in der Süddeutschen Zeitung aus Ottenhofen: „Schloss zu verkaufen“