Die Marienburg in Polen: Der größte Backsteinbau der Welt / Fotos: SanFte für Burgerbe.de

Die Marienburg: Stolz des Deutschen Ordens in Westpreußen


Erste Kriegsschäden auf der Marienburg im Frühjahr 1945 / Screenshot Youtbube (aus Deutsche Wochenschau 17. März 1945)
Erste Kriegsschäden auf der Marienburg im Frühjahr 1945 / Screenshot Youtbube (aus Dt. Wochenschau 17. März 1945)

Ein bunter Haufen aus 2500 deutschen Soldaten hatte sich im Frühjahr 1945 zwei Monate lang hinter den Backsteinmauern der alten Deutschordens-Festung Marienburg verschanzt und feuerte verzweifelt auf die immer wieder vordringenden Russen. Für die NS-Ideologie war der Platz ungemein wichtig.

Ein TV-Team des Propagandaministeriums kam vorbei, filmte Soldaten, russische Panzerwracks und Schäden am westpreußischen Gemäuer für einen Filmbeitrag der NS-„Wochenschau“ vom 17. März 1945.


Die Sowjets beeindruckte das wenig. Sie zerhämmerten die Widerstandsnester in der Burg mit schwerem Artilleriefeuer. Am Ende waren 60 Prozent der Ordensfeste zerstört und die Räume von den abziehenden Deutschen geplündert. Von der Burg blieb eine staubige Ruinenlandschaft – freigegeben zur Plünderung für die neuen Besatzer.

Marienburg: Blick auf das Hochschloss / Foto: SanftE
Marienburg: Wiederaufbau nach 1945 / Foto: SanFtE

Was man heute besichtigen kann, ist ein vorbildlicher Wiederaufbau. 1997 hat die Unesco die Marienburg (polnisch: Zamek Malbork) zur Welterbestätte erklärt.

Dass an einem Nebenfluss der Weichsel, 60 Kilometer südöstlich von Danzig, überhaupt eine so große Burganlage steht, ist einem Nahostkonflikt zu verdanken. Zumindest indirekt:
Denn, als die Deutschordensritter im Heiligen Land kein Bein mehr auf die Erde bekamen (1291 fiel die letzte Kreuzfahrer-Feste Akko), brauchten die Mönchskrieger mit den flatterigen Kreuz-Umhängen ein neues Betätigungsfeld.

Womit hätte man sonst die ausgedehnten Besitzungen rechtfertigen sollen: die vielen Kommenden, die den Ordensrittern reichlich Steuereinnahmen bescherten?

Die mächtige Marienburg war zur Kaiserzeit Vorbild vieler öffentlicher Gebäude
Die mächtige Marienburg war zur Kaiserzeit Vorbild vieler öffentlicher Gebäude / Foto: SanFtE
Statuen der Deutschordens-Hochmeister auf der Marienburg
Statuen der Deutschordens-Hochmeister auf der Marienburg / Foto: SanFtE

Glücklicherweise lag entlang der Ostseeküste genug heidnisches Land, das sich erobern und ausplündern ließ. Und der spätere polnische König brauchte dringend bewaffneten Beistand (er sollte diese Einladung an die Deutschen später bitter bereuen).

Um 1270 begannen daher die Bauarbeiten am Stützpunkt Marienburg. 1280 war der Nordflügel des Hochschlosses mit Kapelle und Kapitelsaal (mit Fußbodenheizung!) fertiggestellt.

1309 war die Zeit einer beschaulichen Provinzburg vorbei: Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen verlegte den Sitz des Ordens aus dem venezianische Exil auf die Marienburg (der Papst hat ihn dafür übrigens exkommuniziert).

Marienburg: Hölzerner Wehrgang
Marienburg: Hölzerner Wehrgang / Foto: SanFtE

Kurz zuvor hatten die Ordensritter die Kontrolle über Danzig übernommen, um sich für ihre Missionsarbeit angemessen zu entlohnen.

Auf der Marienburg wurden nun repräsentative Bauten nötig: Es entstand der berühmte Hochmeisterpalast mit Sälen, die zu den eindrucksvollsten Räumen des Mittelalters zählen.

1410, nach der Niederlage bei Tannenberg, zogen sich die geschlagenen Reste des Ordens-Heers auf die Marienburg zurück und überstanden die folgende Belagerung.

Marienburg und Nogat
Marienburg und Nogat

Angesichts des Dauer-Clinchs mit dem polnischen König und dem preußischen Städtebund war Mitte des 15. Jahrhunderts eine Verstärkung der Verteidigungsanlagen nötig, das sogenannte Plauen-Bollwerk: ein kompliziertes Mauer-Graben-Zwinger-System mit teilweise vierfachem Mauerring. Alles aus Bastein, Holz und (für die dicken Pfeiler) Granit.

1455 passierte auf der Burg Ungeheures: Rebellierende Söldner des Ordens verkauften die Anlage kurzerhand an den polnischen König. Der beleidigte Hochmeister zog nach Königsberg ab.

Die Darstellungen an der Fassade sind ... deutlich... Hier eine Dämonen-Figur mit Teufelshörnern
Die Darstellungen an der Fassade sind … deutlich… Hier eine Dämonen-Figur mit Teufelshörnern
Detailreicher Backsteinschmuck
Detailreicher Backsteinschmuck / Foto: SanFtE

Die Burg blieb nun erstmal polnisch. Abgesehen von sieben Jahren schwedischer Besatzung im Dreißigjährigen und im Schwedisch-Polnischen Krieg.

Zum Königreich Preußen kam die Marienburg erst 1772 durch die erste polnische Teilung. Die Preußen nutzten sie als Kaserne. Die Militärs wollten das Hochschloss gleich abreissen und durch niedrigere, besser geschützte Gebäude ersetzen.

1804 verbot König Friedrich Wilhelm III. auf öffentlichen Druck hin weitere Abrissarbeiten. Nach den Befreiungskriegen ordnete der Monarch Restaurierungsarbeiten an.

Wilhelm II. war von der gotischen Deutschordens-Symbolik fasziniert und ließ die Burg von 1896 bis 1918 sanieren. Als Gegenstück entstand an der westlichen Grenze des Reichs die Haut-Koenigsburg, des Kaisers steingewordener Traum vom „deutschen Mittelalter“.

Die Marienburg war Vorbild vieler öffentlicher Bauten dieser Zeit, zum Beispiel für die burgartige Marineschule in Flensburg-Mürwick.

Die Marienburg heute
Die Marienburg heute / Foto: SanFtE

Die Nazis wollten die Burg zur NS-Ordensburg machen und hier ihren Führer-Nachwuchs erziehen. Sie begannen mit dem Bau eines Amphiteaters nahe der Anlage, das aber nicht fertig wurde.

Statt dessen fanden Bauarbeiter bei einer Ausschachtung nahe der Burg 2008 ein Massengrab mit 2116 größtenteils zivilen deutschen Opfern aus den letzten Kriegstagen.

Der Wiederaufbau geht übrigens weiter: Im April 2014 mit dem Neuen Tor (Brama Nowa) ein alter Eingang neu eröffnet. Es war ab dem 15. Jahrhundert Hauptzugang der Burg und wurde im Krieg weitgehend zerstört.

Der Wiederaufbau des Tors ab 2011 kostete rund 5,5 Millionen Euro.

Eine Folge von „Schätze der Welt“ zur Burg Malbork:

Die Marienburg aus der Sicht von Google Maps:

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