Schlagwort-Archive: Burgen in Hessen

Burg Gleiberg: Geburtsort einer heiligen Kaiserin?



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Blick auf den 30 Meter hohen Bergfried von Burg Gleiberg (Foto: Meins)
Wer imposante Burgruinen sucht, wird rund um Gießen schnell fündig. Das weite, fruchtbare Lahntal ist mit allerlei Basaltkegeln gesprenkelt, wie geschaffen für den Burgenbau. Schon seit dem Jahr 930 ist der Gleiberg befestigt (treffender wäre die Bezeichnung Gleihügel, aber das hören die Einheimischen nicht so gern).

Dort oben saßen die Grafen von Gleiberg. Die Herren des beschaulichen Gleiberger Landes wurden durch eine Liebesheirat urplötzlich zu bedeutenden Leuten: Salier-Kaiser Heinrich II. dachte zur Jahrtausendwende nicht an den potentiell nahenden Weltuntergang, sondern ehelichte die Schwester des Dynastiegründers Friedrich I., Kunigunde. Wahrscheinlich war die spätere Kaiserin Kundigunde von Luxemburg um das Jahr 980 auch auf Burg Gleiberg geboren worden.
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Der Glockenklang von Burg Greifenstein



Kennzeichen von Burg Greifenstein ist der Doppelturm / Fotos: Burgerbe.de
Kennzeichen von Burg Greifenstein ist der Doppelturm / Fotos: Burgerbe.de
Wer es liebt, sich wie ein lebendiger Bassreflexkörper zu fühlen, der stellt sich am besten vor eine möglichst mannshohe Lautsprecherbox der nächsten gut ausgestatteten Vorort-Disco und wartet auf Metallica, Iron Maiden, etc.

Oder er fährt nach Burg Greifenstein (Lahn-Dill-Kreis in Hessen). In den mächtigen, unterirdischen Gewölben des dortigen Geschützturms Rossmühle findet sich eine Glockensammlung. 900 Jahre Glockengeschichte sollen hier dargestellt werden – und man darf fleißig selber den Klöppel schwingen, was speziell bei Kindergruppen beängstigend gut ankommt.

Für das Museum mit seinen  50, größtenteils funktionsfähigen Klangkörpern ist kaum ein anderer Standort denkbar, denn drinnen herrscht in der Regel infernalischer Lärm. Aber die Mauern aus dem 17. Jahrhundert bieten die perfekte Schallisolation. (Mein Besuch fand 2009 statt. 2010 wurde ein Großteil der Glocken entfernt, siehe den Nachtrag.)
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US-Geisterjäger auf Burg Frankenstein




Geisterjägerin Shannon Sylvia beim Fürchten in der Kapelle von Burg Frankenstein (Screenshot YouTube) / Bild oben: Burg Frankenstein (eigenes Bild)

Ich muss es ja zugeben: Ich sehe schrecklich gern US-Geisterjäger-Dokus. Die bestehen in der Regel aus ein paar zotteligen Nerds mit Koffern voller Hightech-Spielzeug. Und, ganz wichtig: einer hypersensiblen, extrem schreckhaften, wasserstoffblonden Moderatorin im stylishen Pimkie-Fummel. Irgendwer muss die Geister schließlich spüren und hysterisch rumschreien.

Dann wird zu irgendwelchen Gebäuden mit vermeintlich gruseliger Vorgeschichte gefahren und das blonde Medium mitsamt Nerd-Technik in der Nacht in einem stockdüsteren Raum ausgesetzt.

Unterlegt mit düsterer Musik und einer Grabesstimme, die die gar schröckliche Geschichte des Ortes vorträgt. Was passiert dann wohl…? Es dauert keine zehn Minuten, und das eingemummelte Blondchen gerät in der Dunkelheit in Panik, weil sie „etwas gehört/gesehen/gespürt hat“.

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Schloss Auerbach: Wo eine 300-jährige Kiefer im Mauerwerk wurzelt


Schloss Auerbach mitsamt Kiefer
Schloss Auerbach mitsamt Kiefer
Seit 300 Jahren hat die Ruine des Auerbacher Schlosses einen knorrigen Mitbewohner. Schon kurz nach der Zerstörung durch die Franzosen 1674 muss sich ein Kiefern-Samen in der brüchigen Mauer eingenistet haben.

Das junge Pflänzchen schlug Wurzeln und konnte jahrzehntelang unbehelligt wachsen. Licht und Wasser gab’s hier oben genug.

Immer tiefer krallten sich die Wurzeln in den porösen Sandstein, immer dicker wurde der Stamm und immer weiter breitete sich die Krone aus. Mit der Zeit wurde die alte Kiefer ein Markenzeichen der malerischen Ruine.

Heute ist sie sieben Meter hoch. Eher klein für eine so alte Kiefer, für ein einstiges Mauerbäumchen aber gigantisch.
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Veste Otzberg: Die „Weiße Rübe“ thront auf einem Vulkanschlot




Die Veste Otzberg thront auf einem früheren Vulkankegel / Fotos: Burgerbe.de
Der Bergfried der Veste Otzberg brachte der Burg den Namen „Weiße Rübe“ ein / Fotos: Burgerbe.de

Was haben Burgen mit Vulkanen zu tun? Naja, auf einem aktiven Vulkan wird man schwerlich eine dauerhafte Befestigung finden, aber auf dem extrem harten Gestein eines ehemaligen Lavaschlots lässt sich gut und massiv bauen. Ein Beispiel dafür ist die Veste Otzberg beim Ort Hering im hessischen Odenwald.

Wo heute satte grüne Wiesen, Äcker und Weinberge das Bild dominieren, war vor 22 Millionen Jahren buchstäblich die Hölle los. Eine mehr als 1100 Grad heiße Basaltschmelze bahnte sich ihren Weg bis an die Erdoberfläche: Der Otzberg-Vulkan brach aus. Der Ur-Odenwald versank in Glut und Asche.

Der feinkörnige Nephelinbasalt, der schließlich im Schlot erkaltete, ist besonders hart. 22 Millionen Jahre hessischer Nieselregen wuschen alle anderen Gesteine aus. Aber große Teile des erkalteten Schlots blieben stehen – als typische sechseckige Säulen.

Und diese Säulen bilden noch heute das Fundament der Veste Otzberg (Ähnliches findet man übrigens bei Burg Stolpen in Sachsen, wo die unglückliche Gräfin Cosel jahrzehntelang gefangengesetzt war).
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