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Wo ist die Burg in Freiburg im Breisgau?

Freiburg im Breisgau ist reich an Sehenswürdigkeiten. Aber hat oder hatte Freiburg auch eine Burg? Wo ist die Burg in Frei“burg“?

Martins- und Schwabentor dominieren die Eingänge in die malerische, vom Freiburger Münster überragte Altstadt. Der Glas-Stahl-Neubau der Universitätsbibliothek strahlt neben dem Theater. Das Augustinermuseum und das historische Museum im Colombischlössle sind überregional bekannt, die Weine in der Alten Wache erfreuen nicht nur die Einheimischen, und dazwischen ergießen sich die Bächle.

Aber nichts burgartiges weit und breit. Nicht im Tal der Dreisam und nicht auf dem Schlossberg mit dem hoch aufragenden Schlossbergturm mit seiner Aussichtsplattform.

Suche auf dem Schlossberg

Schlossberg klingt aber schon mal verdächtig nach historischer Prachtimmobilie. Wer nachschauen will, kann sich gemütlich mit dem Schrägaufzug Schlossberg-Bahn in drei Minuten in etwa 80 Meter Höhe über das Freiburger Stadtzentrum kutschieren lassen.

Von da führt ein steiniger Trampelpfad zum Schlossbergturm (tolle Aussicht! Aber weder Burg noch Schloss. Dafür viel Wald). Mit ein bisschen Kondition kann man auch von der Altstadt aus den ansteigenden Weg zum Schlossberg-Plateau nehmen.
Dabei nach oben kommt man schon mal an einigen massiven Mauern vorbei, auf denen das Biergarten-Restaurant Greiffeneggschlössle steht.

Der Bau von 1805 war einst Altersruhesitzes des einstigen Habsburgischen Regierungspräsidenten. Von der Terrasse hat man eine tolle Aussicht über Freiburg mit Selfie-Möglichkeit, aber immer noch keine Burg.

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Plateau, dem sogenannten Kanonenplatz. Überragt wird er noch von ein paar Metern Berg mit Fahne.

Der „Gipfel“ des Freiburger Schlossbergs über dem Kanonenplatz / Fotos: Burgerbe.de

Ende Juli/Anfang August findet hier oben das jährliche Schlossberg-Festival statt mit reichlich Bands, Buden und Party.

So ein großzügiges Plateau hier oben wäre wie geschaffen für eine bestens zu verteidigende Burg. Die Freiburger Altstadt und ihr Vorland – wichtig für den Zugang zum Schwarzwald – wären in bequemer Kanonenschussreichweite.

Die Freiburger Burg

Die Gelegenheit ließ man sich im Mittelalter nicht entgehen. An dieser Stelle lockten auch ordentlich Steuereinnahmen. Im Jahr 1091 ließ der Zähringer Herzog Berthold II. auf dem Freiburger Schlossberg eine Befestigung errichten. Zur Versorgung der Burg entstand am Fuß des Berges eine Siedlung. Daraus entwickelte sich Freiburg (Stadtrecht 1120).

Prominente Besucher kommen auf die Burg. 1146 taucht sie in den Reisetagebüchern des später heilig gesprochenen Bernhard von Clairvaux. Der Kreuzzugs-Aktivist berichtet, dass er beim „castrum Frieburg“ einen blinden Jungen geheilt habe.

Eine Videoanimation, wie das Burghaldenschloss im Hochmittelalter ausgesehen haben könnte, kann man sich auf der Seite des Kuratorium Freiburger Schlossberg ansehen.

Im Volksmund bürgerte sich die Bezeichnung Burghaldenschloss ein. Hier residierten nach Aussterben der Zähringer ab 1208 zunächst die Grafen von Freiburg. Zwischen den selbstbewussten Freiburger Bürgern und den Grafen auf ihrer zum Greifen nahen Höhenburg gab es immer wieder Ärger.

Kanonen gegen Freiburgs Burg

So soll das Burghaldenschloss ausgesehen haben / Bild: Merian/gemeinfrei

1299 schleuderten die Freiburger noch ganz klassisch mit Wurfmaschinen klobige Steine gegen die gräflichen Mauern. 1366 war man in der Bürgerschaft schon einen militärtechnischen Quantensprung weiter und feuerte mit Kanonen. Die Burgmauern sollen nicht standgehalten haben.

Die entnervten Grafen verkauften die Burg 1368 an die Bürger. 15.000 Mark Silber brachten die Bürger dafür auf. Die Stadt brauchte nun einen starken Schutzherren.

Dafür wählten die Freiburger die österreichischen Herzöge aus dem aufstrebenden Haus Habsburg. Eine gute Wahl.

Die zerschossene Zwingburg wurde nur notdürftig repariert und von der Stadt verwaltet. Das hatte zwar den Vorteil, dass vom Burghaldenschloss keine Bedrohung mehr ausging, es half allerdings auch nichts in Krisenzeiten. Und der Österreicher war weit und mit den eigenen Territorien beschäftigt.

Im Bauernkrieg wurden Burg und Stadt im Mai 1525 von rund 18.000 Bauern einfach überrannt. Im Dreißigjährigen Krieg wechselten Burg und Stadt mehrfach den Besitzer. 1677 eroberten dann französische Truppen zeitweilig die Gegend.

Um Freiburg besser vor den expansionistischen Franzosen zu sichern, ließ der Habsburger-Kaiser Leopold I. das Burghaldenschloss 1668 festungsartig ausbauen. Die Bergfestung hieß nun Leopoldburg. 1677 nahmen Truppen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. sie ein.

Vauban baut eine Festung

Der Sonnenkönig wollte Freiburg nicht wieder herausgeben. Um vor Rückeroberungsversuchen des Kaisers sicher zu sein, ließ er seinen Festungsbaumeister Vauban die Leopoldsburg nach den damals modernster Maßstäben befestigen.

Sie war mit ihren Bastionen und der Zitadelle Teil eines Geflechts von Befestigungen, das sich auch rund um die Altstadt windete.

1681 inspizierte König Ludwig persönlich die Arbeiten. Mehr zur Vauban’schen Befestigung von Freiburg bei den Allemannischen Seiten.

Es folgte ein mehrfacher Besitzerwechsel durch Friedensschlüsse und Eroberungen. Es ging hin und her zwischen Habsburgern und Franzosen. König Ludwig XV. hätte bei einer Belagerung von Freiburg im Herbst 1744 beinahe eine Kanonenkugel die absolutistische Existenz gekostet.

Als die Franzosen im Frühjahr 1745 Festung und die befestigte Stadt wieder einmal räumten, hatten sie genug davon, beim nächsten Vorstoß nach Baden immer wieder die eigenen Freiburger Befestigungen erobern zu müssen.

Also zerstörten sie die Vauban’schen Festungswerke und das Burghaldenschloss gründlich.
Auf dem Schlossberg blieben nur ein Schuttberg und der alte, zum Teil zugeschüttete Halsgraben zurück.

Die Freiburger machten das Beste daraus und bauten auf der Südseite des nun festungsfreien Bergs Riesling an.

Heute erinnern außer ein paar Infotafeln nur noch einige Mauern und Senken an die einstige Festung. Dafür hat Freiburg mit dem Kanonenplatz einen tollen Festplatz mit genialer Aussicht.

Burgen in der Region Freiburg

Rund um Freiburg gibt es einige Burgruinen zu entdecken:

Etwa fünf Kilometer von der Stadt entfernt, bereits im benachbarten Gundelfingen, liegt die Ruine der Burg Zähringen. Sie ist eng verknüpft mit der Geschichte der Stadt Freiburg, der sie auch gehört. Heute findet man dort eine Aussichtsplattform und ein Waldrestaurant mit Biergarten.

Etwa 15 Kilometer entfernt, oberhalb von Waldkirch, findet sich die Ruine der Kastelburg. Der 28 Meter hohe Bergfried ist als Aussichtsturm ausgebaut. Hier einige Bilder der Aktion „Kastelburg in Not“.