Milliardärin Heidi Horten kauft Schloss Thürn

Schloss Thürn gehörte einst Erzbischof von Kuenburg: Dem Hexenjäger von Salzburg / Foto: gemeinfrei / Foto oben: Wikipedia / Johann Jaritz / CC-BY-SA 3.0
Schloss Thürn in Kärnten hat eine neue Besitzerin. Die Witwe und Erbin des Kaufhauskönigs Helmut Horten, Heidi Goëss-Horten (79), hat das gut erhaltene Schloss im Lavanttal (Kärnten) gekauft. Das meldet das ORF.

Wieviele Millionen Euro die nach Angaben von Forbes mit 3,6 Milliarden Euro Vermögen wohl reichste Frau Österreichs dafür überwiesen hat, bleibt vertraulich.

Vorbesitzer war der Industrielle Hellmut Longin. Das Objekt oberhalb von Weinbergen mit phänomenalem Blick auf die Seetaler Alpen war schon mehrere Jahre auf dem Markt. 2017 hätte es drei Millionen Euro kosten sollen.

Welche Pläne die Society-Lady mit der Luxusimmobilie am Osthang der Saualpe hat, bleibt unklar. Laut ORF wird an einem umfassenden Konzept gearbeitet. Ob und wie das verpachtete Weingut ins Konzept eingebunden werde, werde gerade verhandelt.

Schloss nur für Wohnzwecke

Erlaubt ist auf Schloss Thürn nur eine private Wohnnutzung, kein Gewerbe. Ob die Milliardärin aus ihrer Villa am Wörthersee aufs Schloss übersiedeln wird, ließ sie offen.

Schloss Thürn im Winter. Foto (und Foto oben: Wikipedia / Johann Jaritz / CC-BY-SA 3.0
Das Schloss entstand aus einem Vorturm der etwa zwei Kilometer enfernten Burg Reisberg. Dieser hat sich als Rundturm in der heutigen Bebauung erhalten. In einer Urkunde taucht die Anlage erstmals im Jahr 1243 auf.

In dieser Zeit kauften die Erzbischöfe von Salzburg die Gegend. Die um den Turm entstandene kleine gotische Burg Thürn (nur über eine Zugbrücke erreichbar) blieb jahrhundertelang im Besitz von Adelsfamilien. Im 14. Jahrhundert kam der heute das Schloss überragende quadratische Turm hinzu.

Schlossherr Amelreich von Eibiswald, der sich seit 1569 Freiherr nennen durfte, ließ die Burg zwischen 1578 und 1590 umfassend erweitern. In seinem Auftrag wurde sie zu einem deutlich wohnlicheren Schloss mit Arkaden-Innenhof und diversen Renaissance-Elementen umgebaut.

Mächtige Stützpfeiler sorgen dafür, dass die Fassade über dem steilen, terrassenförmig angelegten Weinberg ausreichend Halt findet.

Schloss Thürn mit Weingut / Foto: Wikipedia / Johann Jaritz / CC-BY-SA 3.0

1675: Hexenjäger kauft Schloss Thürn

1675 verkaufte Schlossherr Wilhelm Otto Graf von Schrattenbacher das Anwesen an den Salzburger Fürsterzbischof Max Gandolf von Kuenburg (als eine von vielen Besitzungen des mächtigen Salzburger Landesherren).

Es war das Jahr, in dem der Erzbischof damit begann, sich einen Namen als Verfolger bettelnder Kinder zu machen, die seine Tribunale der Hexerei verdächtigte. Es kam zu Hexenprozessen.

Unter der Folter bezichtigen die Angeklagten immer weitere „Hexer“ und „Hexen“, bis die Gefängnisse nicht mehr ausreichten, um alle Verhafteten unterzubringen.

153 Menschen – überwiegend Kinder – ließ der Fürsterzbischof im Zuge der Salzburger Zauberbubenprozesse hinrichten. Er brachte es später zum Kardinal.

Vielleicht zeigt die Milliardärin ja ein Herz und erinnert im Schloss an den Massenmord im Namen der Kirche.

Von Kuenburg wusste nicht Rechtes mit dem kleinen Schloss weit entfernt von der heimischen Festung Hohensalzburg anzufangen. Er gab es 1679 an das für die Gegend zuständige Bistum Lavant weiter.

Das Schloss blieb in kirchlichem Besitz und dämmerte vor sich hin. 1835 ließ der Bischof von Lavant, Ignaz Franz Zimmermann, das einsturzgefährdete Schloss restaurieren. 1859 bis 1916 zogen die Jesuiten ein.

1922 trennte sich die Kirche von der Immobilie und Bürgerliche übernahmen wieder das Ruder. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog zwischen 1947 und 1959 eine staatliche landwirtschaftliche Fachschule ins Schloss. Ab 1972 war das Schloss dann wieder Familiensitz.

Auch Eigentümer Hellmut Longin wohnte die Vorjahre mit seiner Familie auf dem Schloss. Er suchte aus Altersgründen einen Käufer. Heidi Goëss-Horten habe sich nun mit dem Kauf von Schlosses Thürn „einen lang gehegten Wunsch erfüllt“, schreibt die „Kleine Zeitung“.

Ob die Mäzenatin Goëss-Horten von ihrer aktuellen Adresse Schloss Sekirn (ehemals Schloss Fürst Windischgraetz) am Ufer des Wörthersee auf Schloss Thürn übersiedeln wird, ließ sie gegenüber dem ORF offen.

Meine Villa, mein Schloss, meine Yacht…

Die Horten-Erbin verfügt mit ihrem dritten Ehemann daneben über Wohnsitze in Wien, auf den Bahamas und für die Strecke dazwischen die Carinthia VII., eine der längsten Luxusyachten der Welt.

Die Yacht der frischgebackenen Schlossbesitzerin / Foto: Wikipedia / Didier Descouens / CC-BY-SA 4.0

Glückwunsch zum Schlosskauf in Kärnten! Da sollte es ja an Mitteln zum Erhalt von Schloss Thürn nicht fehlen.

Schloss Thürn bei Google Maps:

In Wolfsberg existiert neben Schloss Thürn noch ein weiterer imposanter einstiger Adelssitz. Nämlich Schloss Wolfsberg, auch bekannt als Schloss Henckel-Donnersmarck (nach dem Industriellen Hugo Henckel von Donnersmarck, der das Anwesen 1846 erworben hatte und es im Tudorstil umbauen ließ).

Weiterlesen:

Das Österreichische Fernsehen ORF berichtet auf seiner Website: „Heidi Goess-Horten kauft Schloss Thürn
Michael Swersina schreibt in den Unterkärntner Nachrichten: „Die Milliardärin Heidi Goess-Horten ist die neue Besitzerin des idyllischen Schlosses Thürn“ (Link zum Artikel)
Details zu Schloss Thürn stehen in einem Artikel bei Burgen-Austria



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