Statt einen zuverlässigen Ausguck in den 42 Meter hohen Bergfried zu setzen (einen der höchsten Burgtürme Deutschlands), gab der Graf von Anhalt den Job an einen Herrn namens Dyl aus Kneitlingen.
Der war in erster Linie für sein loses Mundwerk und seine Schlagfertigkeit bekannt. Vielleicht war der Graf einfach froh, den Störenfried in der Türmerstube in sicherer Entfernung vom Schloss zu wissen.
Als alles vom Tisch aufsprang, um die Burg zu verteidigen, soll der Wächter sich über das Mahl des Grafen hergemacht haben. Heute ist der Schelm besser bekannt unter dem Namen Till Eulenspiegel.
Und so klingt das im Eulenspiegelbuch von Hermann Bote (Ausgabe 1515): „Die XXII history sagt wie Vlenspiegel sich zů dem grafen von Anhalt verdingt für ein thurnbleser / vnd wan feind dar kamen / so bließ er sy nit an / vnd wan kein feint da was / so bließ er sie an.“
Der Turm als Eulenspiegel-Denkmal
Eulenspiegels „Wirken“ auf Schloss Bernburg an der Saale ist umstritten. Sie war aber 120 Jahre nach Erscheinen des Buchs im Ort ungemein populär. Bereits 1640 trägt der Bergfried aus dem 12. Jahrhundert den Namen Eulenspiegelturm. Er ist ein Wahrzeichen des Bernburger Landes – und nach Ansicht der Bernburger PR-Strategen „das größte Eulenspiegeldenkmal Deutschlands“.
Heute kann der Turm mit seinen 3,60 Meter dicken Mauern besichtigt werden.
Oben in der Türmerstube sitzt seit 2004 eine lebensgroße, bewegliche Till-Eulenspiegel-Puppe, die auf Knopfdruck Geschichten erzählt.
Lage: Schloss Bernburg, Schlossstraße 24, 06406 Bernburg
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Fotos: Burgerbe.de
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