Berliner Schloss: Spitze Holzpfähle werden versteigert


Die Titelseite des PDF zur Berliner Schloss-Holz-Auktion / Bild: Screenshot
Die Titelseite des PDF zur Berliner Schloss-Holz-Auktion / Bild: Screenshot
Um im sandigen Untergrund der Hauptstadt irgendetwas Standfestes zu bauen, ist ein tiefes Fundament nötig. Das war auch den Preußen-Königen klar. Für ihr Berliner Stadtschloss ließen die Vorgänger Friedrichs des Großen daher 2000 angespitzte Kiefern- und Eichenstämme in den märkischen Sand rammen. Länge: 2,5 bis zehn Meter.

Vor der Grundsteinlegung des Stadtschloss-Neubaus im Juni 2013 waren diese Pfähle im Weg. Alles musste raus, hieß die Devise im Schloss-Untergrund.

Bei der für die Entsorgung der historischen Stämme zuständigen Berliner Firma RWG 1 Baustoffrecycling kam man daraufhin flugs auf die Idee, das Totholz zu Geld zu machen. Motto: „Erwerben sie ein Stück Geschichte“.

Vom 21. bis 23. April 2013 wurden die Pfähle jeweils ab 11 Uhr im Abba-Hotel, Lietzenburger Straße 89, in Berlin-Wilmersdorf versteigert. Bereits ab dem 15. März konnte man sich in dem Hotel Pfähle und Bohlen in einer „Holzausstellung“ ansehen.

Keller des Berliner Schlosses - für die Standsicherheit sorgten Holzpfähle
Keller des Berliner Schlosses – für die Standsicherheit sorgten Holzpfähle. Foto: Burgerbe.de
Für jeweils zehn bei der Bergung beschädigte Pfähle lag das Mindestgebot bei 179 Euro. 40 vier Meter lange Eichen-Bohlen (35 cm dick, 10 cm hoch) starteten bei 714 Euro pro Stück. Das geht aus dem Exposé zur Auktion hervor.

Der Transport kostete innerhalb Berlins 150 Euro. Ab 2000 Euro kamen die Pfähle kostenlos ins Haus. Das gesamte Holz könnte einen Preis von rund einer Million Euro erzielen. Die Firma hat bereits angekündigt, etwas vom Erlös für den Schloss-Wiederaufbau zu spenden.

Das „Antik-Holz“ eignet sich zum Schreinern exklusiver Möbel oder – bei den kleineren Stücken – immer noch für die Herstellung nachhaltiger Hohenzollernschloss-Souvenirs, die sich sicher lukrativ an Touristen verscherbeln lassen.

Wenn man sich daran erinnert, wie sich kantigen, bunt beklecksten Bruchstücke der Berliner Mauer seit 1989 wie von Geisterhand stetig vermehren und auf der ganzen Welt verteilen, ohne dass der Nachschub je versiegt, ist dem „Holz vom Berliner Schloss“ vielleicht auch noch eine große Zukunft in Kaminen und Vorgärten der Republik beschieden. Außerdem sollen solche Pfähle ja auch gegen Vampire helfen…



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