Schloss Tannenfeld / Foto: Wikipedia/Lucas Friese/CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0

Schloss Tannenfeld wird verkauft und Demenzzentrum

Die leer stehende Villa Planegg gehört mit zum Paket / Foto: Wikipedia / Wikswat / CC BY-SA 3.0 unported
Die leer stehende Villa Planegg gehört mit zum Paket / Foto: Wikipedia / Wikswat / CC BY-SA 3.0 / Foto oben: Schloss Tannenfeld / Wikipedia/Lucas Friese/CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0unported

Das verfallende Schloss Tannenfeld des Landkreises Altenburg soll am Dienstag (29. August) für 280.000 Euro an eine Investorengruppe verkauft werden. Diese plant, die einstige psychiatrische Fachklinik für zwölf Millionen Euro zu einem Demenzzentrum zu machen. Das meldet die Leipziger Volkszeitung (LVZ).

Damit geht eine jahrelange Hängepartie zu Ende. Das Schloss war zuletzt nur noch Ziel von Lost-Places-Freunden und verfiel zusehends. Die Investoren wollen zurzeit noch ungenannt bleiben. Die Bauarbeiten sollen im Mai 2018 beginnen und 2022 abgeschlossen sein.

Zu Schloss Tannenfeld nahe der Autobahnabfahrt Ronneburg gehören drei benachbarte Villen, eine zentrale Kläranlage und ein 14,8 Hektar großer Park.

Die Investoren wollen alle Gebäude sanieren und um einen dreigeschossigen Neubau mit 1300 Quadratmeter Fläche ergänzen, schreibt die LVZ.


Die einstige Liegehalle ist verfallen / Foto: Wikipedia / Wikswat / CC
Die einstige Liegehalle ist verfallen / Foto: Wikipedia / Wikswat / CC BY-SA 3.0 unported

Im Schloss soll eine Kantine/ein Café entstehen. In den Gebäuden sollen auch Pfleger/Schwestern und bei Bedarf Angehörige der Demenz-Patienten untergebracht werden.

Seit fast 15 Jahren suchte der Landkreis Altenburg nach einem Investor für die denkmalgeschütze Schlossanlage und Park in Sichtweite der bekannteren Burg Posterstein.

Die Verhandlungen mit dem aktuellen Investor zogen sich jahrelang hin. Seit Ende 2014 verfügt die Investorengruppe bereits über eine Kaufoption.

Die spätbarocke Schlossanlage Tannenfeld mit ihrem englischen Landschaftspark in Löbichau entstand um das Jahr 1800 für Dorothea von Biron.

Die Herzogin von Kurland war eine Prominente, kannte natürlich Napoleon und den Zaren, und lud allerlei andere Promis auf ihre thüringischen Domizile ein.

Dorothea von Biron mit ihren Kindern. Sie ließ Schloss Tannenfeld bauen. Foto: gemeinfrei
Dorothea von Biron, Herzogin von Kurland, mit ihren Kindern. Sie ließ Schloss Tannenfeld bauen. Foto: gemeinfrei

Frau von Biron besaß ließ auch das klassizistische Schloss Löbichau in der Nähe von Tannenfeld errichten (2009 abgerissen), um dort zu feiern – oder die Herzogin lud nach Berlin, wo sie im kurländischen Palais Unter den Linden Hof hielt (heute die russische Botschaft).

Der Schriftsteller Jean Paul schrieb 1818 über den Biron’schen Besitz Tannenfeld: „Ein lieblicheres, mehr italienisches, heiteres Landgut kann ich mir nicht vorstellen„.

1899 erwarb Dr. Arthur Tecklenburg die Anlage und ließ dort eine private Heil- und Pflegestätte für Psychiatrie und Neurologie errichten, in der auch Schriftsteller Hans Fallada („Bauern, Bonzen und Bomben“) in jungen behandelt wurde.

1945 enteigneten die Sowjets das Schloss. Dr. Tecklenburg verkaufte den Rest an das Land Thüringen.

Zu DDR-Zeiten beherbergte das Schloss eine Fachklinik für Neurologie und Psychiatrie nebst einem Rehazentrum für Rheuma- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zuletzt ein Altersheim. Seit 2002 stehen die Immobilien leer.

Die Gesamtanlage aus Schloss, Garten und den Villen Haus Waldegg, Haus Tannegg und Haus Planegg steht als Thüringer Kulturdenkmal unter Schutz.

Weiterlesen:
Jens Rosenkranz schreibt in der Leipziger Volkszeitung: „Diskreter Termin: Verkauf von Schloss Tannenfeld soll am Dienstag besiegelt werden

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