Die Leuchtenburg bei Kahla bekommt einen Skywalk / Bild: Gemeinfrei

Ein Skywalk für die Leuchtenburg


Leuchtenburg: Der Skywalk wird montiert / Foto: Stiftung Leuchtenburg
Leuchtenburg: Der Skywalk („Steg der Wünsche“) wird montiert / Foto: Stiftung Leuchtenburg / Foto oben: gemeinfrei

Welche Touristenattraktion haben der Grand Canyon und das Saaletal gemeinsam? Antwort: Ab Oktober einen Skywalk.

An der Burgmauer der Leuchtenburg bei Kahla ist jetzt ein solcher, tonnenschwerer Stahl-Glas-Steg montiert worden. Er ragt 20 Meter weit ins Tal hinaus und bietet jede Menge Aussicht bis hinüber nach Jena. Die Wiese am schroffen Berghang liegt 35 Meter darunter.



Initiiert und bezahlt wird der Skywalk von der Stiftung Leuchtenburg. Der Bau ist Teil der gerade entstehenden Porzellanwelten Leuchtenburg. Die Ausstellung soll die Geschichte des Weißen Goldes „vom höfischen Luxusgut bis zur industriellen Fließbandware“ zeigen – also sozusagen von Ming bis Meißen – und hoffentlich viele Besucher auf die Höhenburg locken. Die weithin sichtbare Anlage trägt den stolzen Beinamen „Königin des Saaletals“.


Vorbild Grand Canyon: Der Skywalk zieht tausende Besucher an / Foto: Wikipedia Purple
Vorbild Grand Canyon: Der Skywalk zieht tausende Besucher an / Foto: Wikipedia Purple / CC BY 3.0

Die Idee dahinter hat mit Aberglauben zu tun: Besucher der Porzellanausstellung sollen Nippes kaufen, mit Namen und Wünschen beschreiben und vom Skywalk ins Tal werfen – auf dass die Wünsche sich erfüllen (im Moment weiden unten allerdings noch Ziegen). Der persönliche Wunsch soll außerdem im „Archiv der Wünsche“ aufbewahrt werden.

Der Entwurf des Thüringer Stegs stammt übrigens vom Hermsdorfer Ingenieurbüro BCH GmbH und der Architektin Silke Loose.

Mit dem Skywalk stellen wir uns einer besonderen architektonischen Herausforderung und wagen eine unkonventionelle Auseinandersetzung mit dem Erlebnis einer Höhenburg“, sagt Sven-Erik Hitzer, Vorstand der Stiftung Leuchtenburg und Ideengeber der Porzellanwelten.

Die Stiftung hatte die Leuchtenburg vor einer drohenden Versteigerung gerettet. Für einen eher symbolischen, sechsstelligen Betrag hatte sie die historische Anlage vor einigen Jahren von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen erworben. Das Land konnte die notwendigen Mittel zur Sanierung der historischen Gemäuer nicht aufbringen.

Schon lange war gemunkelt worden, dass die Stiftung das Denkmal zur „Erlebnisburg“ ausbauen wolle.

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Blick von der Leuchtenburg / Foto: Burgerbe.de
Leuchtenburg: Ihr Burgturm diente lange als Gefängnis / Foto: Burgerbe.de
Leuchtenburg: Ihr Burgturm diente lange als Gefängnis / Foto: Burgerbe.de

Ab 1612 wurde der Turm der 1221 erstmals erwähnten Burg als Gefängnis benutzt. Um die damals stetig anwachsende Zahl von Obdachlosen, Bettlern und Vagabunden einzudämmen, wurde die gesamte Burg etwa hundert Jahre später zu einem Zuchthaus umgebaut, was sie bis 1871 blieb.

Danach folgte die Nutzung des ehemaligen Knasts als Hotel und Museum. 1921 kam eine Jugendherberge hinzu. 1963 wurde das Museum erneut eröffnet. Es zeigt z.B. einen der tiefsten Brunnen Thüringens (80 Meter). 1854 stürzte schon mal ein Häftling hinein.

Zuletzt war die Leuchtenburg sogar Drehort für Szenen des Tatorts „Der scheidende Schupo“, der Anfang Februar 2017 ausgestrahlt wurde. Der Steg der Wünsche spielte dabei eine wichtige Rolle.

Links:
Das MDR-Thüringen-Journal berichtet mit einem kurzen Filmbeitrag über den Steg der Wünsche: „Skywalk an der Leuchtenburg montiert
Gerlinde Sommer schreibt in der Ostthüringer Zeitung: „Skywalk in Kahla: Leuchtenburg erhält „Steg der Wünsche“



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