Es geht bergauf im Wald zwischen Schnepfental und Friedrichsroda. Einstige Klosterteiche und der unvermeidliche Stand mit vorzüglichen Thüringer Rostbratwürsten säumen die Landstraße L1026.
Nach einer 90-Grad-Kurve hat man dann den besten Blick aufs Schloss. Hier oben, ein bisschen im Nirgendwo, aber doch nur ein paar hundert Meter von den Nachbarhäusern der Kleinstadt Friedrichroda, liegt das schlagzeilenträchtige Schloss Reinhardsbrunn.
Immer noch ein ausgedehnter Komplex, natürlich an einem Teich. Das gibt freie Sicht. Vom Fischrestaurant mit eigener Zucht gegenüber kann man herüberschauen (der Besuch lohnt, aber am Wochenende besser vorher reservieren).
Schloss Reinhardsbrunn galt jahrelang das „Horrorschloss der Thüringer Denkmalpfleger“. Die damaligen Eigentümer aus dubiosen Investoren und Briefkastenfirmen ließen die Anlage in einem Waldstück bei Gotha verkommen. Das Land musste immer wieder mit Notsicherungen das Schlimmste verhindern (und selbst das Geld dafür vorstrecken).
2018 enteignete das Land Thüringen die bisherigen, offenbar russischen Eigentümer. 2021 wurde die Enteignung rechtskräftig. Das Schloss nahe Gotha ist seitdem im Landesbesitz.
Anfang 2023 machen Bauzäune und diverse Schilder „Baustelle Betreten verboten!“ klar, dass das hier kein Lost Place mehr ist. Gut, die Fenster sehen noch etwas dunkel aus.
Ein anderes, großformatiges Plakat weist auf die Sanierung ab 2021 hin und zeigt Fotos.

Schloss verkam seit Jahren

Der Sanierungsaufwand für den nachhaltigen Erhalt des Schlosses und des Parks wird auf bis zu 40 Millionen Euro geschätzt.
Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) meldete sich 2018 in einer Pressemitteilung zu Wort: „Für Reinhardsbrunn ist die Zeit des Verfalls sowie der Notsicherungsmaßnahmen durch die Denkmalbehörden nun vorbei.“
Reinhardsbrunn dürfe mit Fug und Recht als Keimzelle Thüringens genannt werden, so Ramelow. „Die Geschichte dieses kulturhistorisch einzigartigen Ortes kann nun endlich neu und zukunftssicher geschrieben werden.“

Die Landesregierung hatte zuvor den Kauf des Schlosses für einen Euro zunächst abgelehnt. Das klingt zwar nach einem Schnäppchen, dann hätte Thüringen aber auch von den Vorbesitzern aufgehäuft ca. zehn Millionen Euro Altschulden mit übernehmen müssen. Es wäre ein schlechter Deal für den Steuerzahler geworden.

Die Geschichte von Schloss Reinhardsbrunn
Schloss Reinhardsbrunn steht an der Stelle eines bedeutenden mittelalterlichen Benediktinerklosters. Dieses hatte der Thüringer Grafen Ludwig der Springer 1085 in der Nähe seiner Schauenburg gegründet. 1092 gewährte der Papst seinen Schutz.
Das Kloster wurde bald das Hauskloster und jahrhundertelang die Grabstätte vieler Landgrafen von Thüringen. 1525 zerstörten aufständische Bauern die Anlage. Der Wiederaufbau konnte in Sachen Bedeutung nicht mehr an alte Zeiten anknüpfen.
1827 ließ Herzog Ernst I. das heutige Schloss Reinhardsbrunn errichten. Es sollte zu einem Jagdschloss der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha werden – verbunden mit der Möglichkeit, kräftig im illustren Kreise zu feiern.
Um das Schloss herum entstand ein klassischer Landschaftspark, wo sich die spätere englische Königin Victoria und ihr künftiger deutscher Gemahl Albert von Sachsen-Coburg-Gotha mehrfach über den Weg liefen.
1945 enteignete die sowjetische Besatzungsmacht die adeligen Besitzer, die dafür auch keine Entschädigung einfordern können.
Zu DDR-Zeiten war das Schloss ein gehobenes Hotel und wurde so zumindest einigermaßen vor weiterem Verfall bewahrt.
Die Idee mit dem Luxushotel
Nach der Wende kauften zwei Hotelgruppen das Schloss von der Treuhand, um es in ein Luxushotel zu verwandeln. Die Idee scheiterte. Ein Hotel im Kavaliershaus im Schlosspark schloss im Oktober 2001 seine Pforten.
Dann wechselten sich englische, ukrainische und russische Käufer in munterer Folge ab. Die sahen das Schloss in erster Linie als Spekulationsobjekt..
2006 erwarb eine thüringische Firma die Anlage für den eher symbolischen Preis von 25.000 Euro – und übernahm gleichzeitig Schulden in Höhe von 200.000 Euro. Eine eigenartige Transaktion.
2011 ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Geldwäsche in Millionenhöhe bei den diversen Verkäufen. Sie stellte das Verfahren allerdings ein, auch weil Russland auf Rechtshilfeersuchen nicht reagierte.
Hoffentlich ist der Tag nicht mehr fern, an dem man nach dem Zwischenstopp beim Fischlokal auch das wiederhergestellte Schloss besichtigen kann…
Update von Januar 2025
DieSanierung von Schloss Reinhardsbrunn durch den Freistaat Thüringen läuft weiter. Die Sanierung der Kapelle ist fast abgeschlossen. Bislang flossen laut MDR gut 13 Millionen Euro in die Arbeiten.

