Schloss Kalkhorst / Foto: Wikipedia / Holger.Ellgaard / CC BY-SA 3.0

Milchunternehmer Jack Koopman kauft Schloss Kalkhorst

Ein mecklenburgisches Backstein-Kleinod hat den Besitzer gewechselt: Manfred Rohde hat Schloss Kalkhorst mitsamt dem großen Park an den Jack Koopman verkauft. Koopmann ist Betreiber der Ceres Agrar GmbH, die über Milchviehbetriebe in Mallentin und Kalkhorst verfügt.

Das meldet die Ostsee-Zeitung. Der neue Besitzer will (wie schon der alte) im Schloss sein Büro einrichten.


Mit „Ihr Märchenschloß am Meer!“ war lange Zeit die Verkaufsanzeige bei ImoScout überschrieben: Schloss Kalkhorst zwischen Lübeck und Wismar sollte 1,5 Millionen Euro kosten. Wie viel Koopmann tatsächlich bezahlt hat, ist nicht bekannt.

Tor zu Schloss Kalkhorst /
Tor zu Schloss Kalkhorst / Foto (wie auch das Foto oben): Wikipedia / Holger.Ellgaard / CC BY-SA 3.0

Bevor es zum Notar ging, übernahm aber erstmal das Fernsehen das Kommando. Szenen einer Folge der Serie „SoKo Wismar“ wurden im Schloss gedreht.

Für die Film-Handlung wurde der große Saal des Schlosses zum „Salon der Familie von Gravenitz“. Noch-Schlossherr Rohde schaute begeistert zu. Laut OZ will er dem Schloss, wo er auch aufwuchs, die Treue halten und sich künftig als Chronist betätigen.

Jack Koopman (eigentlich Jacobus Nicolaas Koopman) bekommt nun ein Backsteinschloss aus den 1850er/1860er Jahren mit 50 Zimmern (fünf davon vermietbare Hotelzimmer) und einem 12,9 Hektar großen Grundstück mit Schlosspark.

Bauherr war Baron Thomson von Biel, der 1853 den Grundstein legte. Er orientierte sich stilistisch an der Neogotik, die ein idealisiertes Mittelalterbild widerspiegelte. Sein letzter Nachfahre Röttger von Biel kam 1930 bei einem mysteriösen Jagdunfall ums Leben (da sollte mal die SoKo Wismar ermitteln…). Der Jurist hinterließ ein hochverschuldetes Anwesen, das ein Jahr später versteigert wurde.


Prägnanter Backstein-Giebel / Foto: Holger.Ellgaard / CC BY-SA 3.0
Prägnanter Backstein-Giebel / Foto: Holger.Ellgaard / CC BY-SA 3.0

Während des Zeiten Weltkrieges fanden hier diverse Lehrgänge, Tagungen und Schulungen des NS-“Volksbund für das Deutschtum im Ausland” statt. Zum Kriegsende hin füllte sich das Schloss mit Flüchtlingen.

Im Mai 1945 kamen flüchtende SS-Leute in den Backsteinmauern unter. Auch Heinrich Himmler machte in jenen Tagen des Zusammenbruchs hier Zwischenstation. Er war auf dem Weg zur neuen Regierung Dönitz nach Plön (die nichts mit dem ungefragt auftauchenden Herrn des “Schwarzen Ordens” anfangen konnte).

Die neuen Machthaber enteigneten das Schloss noch 1945 und richteten eine TBC-Heilstätte ein. 1946/47 wurde die Schriftstellerin Christa Wolf hier einen Monat lang behandelt.

1966 zog eine psychiatrische Station ein. Das Schloss gehört seit 1999 Manfred Rhode, der viel Geld und Energie in die Sanierung steckte. Einige Räume im Schloss werden heute für Konzerte, Vorträge, Trauungen und Ausstellungen genutzt.

Rhode suchte schweren Herzens einen Käufer, “der sich auch der Verantwortung für das Gebäude bewusst ist und die bislang geleisteten Arbeiten des Wiederaufbaus fortsetzt“.

Für den NDR ist Kalkhorst eines der zehn schönsten Schlösser Norddeutschlands.

Hier geht’s zum Bericht von Malte Behnk in der Ostsee-Zeitung: „Manfred Rohde hat sein Märchenschloss verkauft



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