„Projekt Riese“: Hitlers Schloss in Schlesien



Schloss Fürstenstein, das größte Schloss Schlesiens, sollte in der Endphase des Zweiten Weltkriegs eine ganz besondere Rolle spielen.

Albert Speer plante in und um die zuvor als schlesische Reichsbahn-Zentrale genutzte Anlage ein Führerhauptquartier („FHQ“) – als Ersatz für Hitlers „Wolfsschanze“ in Ostpreußen, die immer näher an der sich aufs Reich zubewegenden Ostfront lag.

Das FHQ Schloss Fürstenstein wurde inklusive eines großangelegten Stollensystems geplant. Tarnname: „Projekt Riese“. Dieser Geschichte widmet sich eine Doku der ARD.


Nach Beginn des Rußlandfeldzugs hatte zunächst die SS großes Interesse an dem repräsentativen Bau und seinen Kellern angemeldet, um hier Räume für Führungsstäbe unterzubringen.

Auch eine Luftwaffenschule war in einigen der 500 Räume der „Perle Schlesiens“ geplant. Die Schlossbesitzer, die Familie von Hochberg, wurde 1943/44 enteignet. Die bauwütige Organisation Todt (OT) übernahm dann die Anlage.

Zwangsarbeiter gruben Tunnel

Die Arbeiter der OT, hinzu kamen 3000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, gruben zwei Kilometer Tunnel und Schächte unter dem Schloss und in die umliegenden Berge des Eulengebirges.



Der Barocksaal von Schloss Fürstenstein / Foto: Wikipedia/Reytan / CC-BY-SA-3.0-migrated
Der Barocksaal von Schloss Fürstenstein / Foto: Wikipedia/Reytan / CC-BY-SA-3.0-migrated

Geplant war, im Rahmen des Projekt Riese Raum zur Unterbringung des Oberkommandos der Wehrmacht, des Oberkommandos der Luftwaffe, der SS-Reichsführung, des NS-Außenministeriums sowie für Hitler selbst zu schaffen – und noch reichlich Platz für 30.000 Arbeiter in unterirdischen Fabriken frei zu halten.

Das „Großdeutsche Reich“ stellte 130 Millionen Reichsmark für das Projekt Riese bereit. Das Tunnelsystem unter Schloss Fürstenstein (es heißt inzwischen Schloss Książ) ist heute im Rahmen von Führungen (Link zur Schloss-Seite) zum Teil öffentlich zugänglich.

Die ARD zeigt zurzeit immer wieder die Doku „Hitlers Schloss in Schlesien – Die letzte ,Führerresidenz'“, einen Film von Hans Dieter Rutsch (zuletzt am Dienstag, 24. September 2013, von 20.15 bis 21 Uhr im Rundfunk Berlin-Brandenburg, RBB).

Selten gezeigtes Archivmaterial

„Erstmalig werden im deutschen Fernsehen die Ergebnisse der historischen Forschung über die Geschichte des Fürstenberger Schlosses gezeigt. Exklusive Fotos und Dokumente ergänzen bisher selten gezeigtes Archivmaterial. Sie erzählen die kaum bekannte Geschichte eines wirklich geheimnisvollen Ortes“, so die Eigenwerbung des Senders.

Auf dieser Seite der ARD gibt es weitere Infos zum Film sowie Wiederholungstermine. Ich finde, der Kulturkanal Arte sollte sich mal der Sache annehmen und den „Hitlers Schloss“-Film nochmal bringen.

Und er sollte vor allem in ARD oder Arte-Mediothek eingestellt werden, damit man ihn auch außerhalb der spärlich gesähten Wiederholungen sehen kann.

Das Cover des Buchs zum FHQ Riese von Christel Focken (Foto: Amazon)
Einen Bericht über einen Besuch im Schloss Fürstenstein findet man übrigens auf der Seite von „Team Bunkersachsen„. Dort heißt es unter anderem: „Ganz im Gegensatz zu den bekannten Prunk- und Trutzbauten Albert Speers ist der erhabene Charakter der gesamten Schlossfassade erhalten geblieben“.

Es gibt auch ein Buch zum „Führerhauptquartier“ Schloss Riese:
Christel Focken vom Verein Berliner Unterwelten gibt darin einen Einblick in die noch heute vorhandenen Anlagen. Sie weist auch auf Theorien zur Entstehungsgeschichte und dem heutigen Umgang mit den Objekten hin (Link zu Amazon, 29,70 Euro). Die Autorin führt den Leser auch in „vergessene“ Anlagen, die zur Rüstungsproduktion des Dritten Reichs beitrugen.



Gelegentlich gibt es Gerüchte über märchenhafte im „Tunnelsystem Riese“ versteckte Nazi-Goldschätze (und natürlich auch das Bernsteinzimmer). Zuletzt wurde hier ein mit Kostbarkeiten vollgeladener kompletter Nazi-Panzerzug vermutet. Bislang warten die Boulevardmedien vergeblich auf den Fund.

Für Hitler wurde übrigens noch eine weitere „Führerresidenz“ im heutigen Polen eingerichtet, die sich sogar weitgend erhalten hat: Schloss Posen (heute Poznan)

Hier einige wacklige private Videobilder vom Schloss:

Und hier der Blick von oben auf „Hitlers Schloss in Schlesien“:

Weiterlesen:

Das Projekt Riese bleibt weiter in den Medien. Für „Eines Tages“ auf Spiegel-Online berichtet Solveig Grothe im November 2018 aus Walbrzych.

Titel ihrer umfangreichen Geschichte: „Codename „Riese“: Das heikle Geschäft mit Hitlers Hinterlassenschaften“ (Link zum Artikel)



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