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Versunkene Burgen: Wo kann man sie finden?

Schlösser und Burgen stehen ja meist an irgendwie landschaftlich herausgehobenen und/oder strategisch wichtigen Punkten.

Aber am Grund von Gewässern?

Glaubt man einigen Märchen, dann finden sich in den dunklen Untiefen von Seen, Flüssen, Meeren und Sümpfen reihenweise versunkene Burgen, Schlösser, Klöster, Kirchen und sogar ganze Städte (es muss ja nicht gleich Atlantis sein).

Glocken aus der Tiefe

Sagen berichten von versunkenen Glocken, die Auserwählte zu bestimmten Zeiten aus der Tiefe hören sollen. Zum Beispiel im Main bei Aschaffenburg oder im Mecklenburger Teufelssee.

Gerhart Hauptmann hat dazu 1896 ein ziemlich düsteres Geisterstück geschrieben mit dem pompösen Titel „Die versunkene Glocke: Ein Deutsches Märchendrama“.

Versunkene Glocken kann man gelegentlich hören, heißt es / Bilder generiert mit KI. Rechte bei Burgerbe.de

Große Schätze sollen in den versunkenen Gemäuern auf Mutige warten. Sofern sie einen Weg hinunter finden und sich nicht von allgegenwärtigen Warnungen und ihrer inneren Stimme davon abhalten lassen in die gruselige Finsternis hinabzusteigen.

Viele sollen nicht zurückgekehrt sein…

Meistens geht es bei diesen Sagen auch irgendwie um Moral, Sünde, Unschuld, den Teufel und den ewigen Kampf zwischen Mut und Furcht.

In den Märchen kann alles drinstecken, was eine packende Geschichte braucht, inklusive einem Hauch Mystik und Geheimnis – und häufig der Hoffnung auf schnellen Reichtum.

Das Schloss im Laacher See

Der Laacher See mit der Abtei Maria Laach. Die Sage weiß von einer versunkenen Burg / Bild: Wikipedia / Karbohut / CC-BY-SA 4.0

Eine rheinische Sage weiß zum Beispiel von einer versunkenen Burg im Laacher See.

Im Mittelalter soll diese Burg Laach einem alternden, früheren Minnesänger gehört haben. In den Mauern habe dieser sein früheres, sündiges Leben schwer bereut und dabei gesungen. Und das immer noch ziemlich gut,

Singende Seegeister

Mit dem Gesang soll der Burgherr die ebenfalls singenden Laacher Seegeister jedenfalls so neidisch gemacht haben, dass sie ihn mitsamt Burg in den See hinabgezogen haben sollen.

Einem Wanderer sei der Burgherr viele Jahre später erschienen, habe ihm seine Geschichte erzählt und vorgesungen, heißt es in der Sammlung „Rheinlands schönste Sagen und Geschichten“ aus dem Jahr 1886 (hier der Volltext).

Klingt verdächtig nach dem Drehbuch eines Musicals.

So könnte es aussehen, wenn eine Burg in der Sage versinkt / Bild: KI-generiert

Was ist dran an den Sagen?

Dass in Volksmärchen viel von versunkenen Burgen, Schlössern etc. die Rede ist, ist zumindest auffällig. Und manche Sagen haben ja einen wahren Kern. Gibt es ein paar von den mysteriösen versunkenen Burgen vielleicht doch wirklich?

Was könnte der Hintergrund der oftmals jahrhundertealten Geschichten sein?

Also ein nicht zu unterschätzender Grund ist natürlich die Lust am emotionalen Geschichtenerzählen vor der Ära von TV, Streamingdiensten und Videoportalen.

Viele der Sagen sind nur nur packende Geschichten, sondern haben ja auch eine Moral und sind damit aus Elternsicht „erzieherisch wertvoll“. Ideal für Winterabende nach getaner Arbeit im Kreis von Familie und Freunden…

Der Sage nach können Burgen auch tief im Berg stecken.

Burgen unter Tage? Von einer versunkenen Burg im Berg, aus deren Schornstein Rauch aufsteigt, berichtet Heinrich Seidel in seinem Märchen „Das versunkene Schloss“. Mehr dazu am Ende des Artikels / Bild: Burgerbe.de (KI-generiert)

Inspirierende Burgruinen

In den Jahrhunderten, in denen die Märchen entstanden und sich entwickelten, hat es wahrscheinlich noch viel mehr sichtbare Burgruinen gegeben als heute. Verbunden mit sich immer weiter aufschaukelnden Geschichten, was wohl alles in den verfallenden Mauern passiert sei.

Irgendeinen Grund musste es ja haben, dass die einst so stolze Burg nun in Trümmern lag.

Und in Seen und Flüssen konnte man bei Niedrigwasser auch immer wieder eigenartige Felsformationen entdecken, die die Fantasie inspirierten…

Die KI kann sich so eine verwunschene Burg unter Wasser gut vorstellen… Bild: Burgerbe.de (KI-generiert)

Gab es die Burg Laach wirklich?

Also alles erfunden? Nicht ganz. Das Körnchen Wahrheit ist hier und da zu finden.

Bleiben wir am Laacher See mit der Sage vom singenden Burgherren. Tatsächlich hat es auf einem Felssporn gegenüber des bekannten Klosters Maria Laach im hohen Mittelalter eine Turmhügelburg gegeben.

Die Befestigung hatte eine Länge von beachtlichen 170 Metern und war älter als das bis heute bestehende Kloster.

Hier saß unter anderem Pfalzgraf Heinrich von Laach, der 1093 das Kloster stiftete. Einige Jahre nach dem Tod des Pfalzgrafen ließ sein Stiefsohn die Burg abreißen. Offenbar fühlten sich die Mönche sonst nicht sicher.

Jahrhundertelang waren noch Trümmer der Burg sichtbar. Es kann also sehr gut sein, dass die Reste dieser Burg Laach die Sage von der versunkenen Burg im Laacher See inspiriert haben.

Aber alte Burgen in Flüssen oder Seen gibt es nicht, oder?

Naja, die Lage von Gewässern ändert sich ja. In den Zeiten weitgehend unregulierter Flüsse war noch stärker als heute.

Die damalige Burg Kemnade im heutigen Ruhrgebiet hat 1486 bei einem Hochwasser sogar das Ruhrufer gewechselt (ohne ihren Standort zu verändern).

Spiegelung von Haus Kemnade / Foto: Burgerbe.de

In neueren Zeiten hat eher das Fluten von Talsperren zum Untergang diverser Dörfer geführt. Also Ruinen unter Wasser findet man schon.

Ein spektakuläres Beispiel, zwar nicht für eine Burg, aber für einen aus einem See herausragenden Kirchturm, findet sich im Reschensee in Südtirol. Jan Henne schreibt darüber in der Zeitschrift „Geo“.

Der Kirchturm im Reschensee: Ein Touristenmagnet. Foto: Wikipedia / Sergio / CC-BY-SA 2.0

Die Burg Reina in der Elbe

Aber kommen wir zu Burgen. Das jüngste Jahrhunderthochwasser der Elbe ist erst wenige Jahre her.

Burgen und Schlösser am Elbufer sind immer wieder von Überflutungen bedroht. Das war früher nicht anders.

Die Burg Reina bei Dessau soll ein gemauertes Rechteck am Ufer der Elbe gewesen sein. Sie entstand zwischen 1050 und 1100. Die Lage am Fluss war günstig. Anhaltinische Fürsten feierten hier gern.

Im Jahr 1213 wird das Ministerialgeschlecht derer von Reine erwähnt, in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts war die Burg sogar häufig Hoflager anhaltinischer Fürsten.

Der Legende nach wurde die Burg verflucht und versank in der Elbe.
Letzteres stimmt.

An dieser Stelle stand Burg Reina. Heute fließt dort die Elbe. Foto: Wikipedia / M_H.DE / CC-Lizenz

Zwischen 1315 und 1325 beschädigte ein Hochwasser der Elbe die Burg so schwer, dass sie aufgegeben wurde. Ihre Reste liegen heute im Fluss. Bei Niedrigwasser sind noch einige Mauerreste sichtbar, schreibt Oliver Wege in der Mitteldeutschen Zeitung.

Versunkene Burg im Steinhuder Meer?

Alte Erzählungen in Niedersachen berichteten von der um 1600 aufgegebenen Kranenburg. Es gibt auch eine Urkunde von 1320, die ihre Existenz bezeugt. Aber da, wo sie sein sollte, irgendwo im Umkreis des Steinhuder Meeres, waren keine Reste mehr zu finden.

Seltsamerweise trug eine Untiefe im Steinhuder Meer im 18. Jahrhundert den Namen Burg. Und immer wieder tauchten dort Keramikscherben auf.

2009 konnte ein Forschungsprojekt den Standort schließlich nachweisen. Im Steinhuder Meer machten die Wissenschaftler die Umrisse eines Teils der Burg mit Hilfe von Georadar-Messungen sichtbar.

Man geht heute von einer 120 x 90 Meter großen bebauten Fläche aus.

Hier mein Blogartikel zur Entdeckung der „versunkenen Burg im Steinhuder Meer„.

Mitten im Steinhuder Meer liegt übrigens auch eine erhaltene Burg. Auf der einzigen Insel. Ich habe sie mir mal angeschaut.

Faszinierender Blick per Georadar auf die Reste der Kranenburg / Screenshot Niedersächisches Landesamt für Denkmalpflege

Die Suche nach Rohstoffen und die immer weiter verbesserte Scan- und Analysemethoden werden sicher noch zu weiteren Funden führen. Jüngstes Beispiel ist die 11.000 Jahre alte, gigantischen Steinmauer in 27 Meter Tiefe am Grund der Ostsee. Wahrscheinlich erbaut von steinzeitlichen Jägern (Link zu National Geographic).

Fazit: Auf Märchen hören

Wenn man sich mit dem Teufel einlässt… So sieht das Ende einiger Burgen in der Sage aus / B Bild: Burgerbe.de (KI-generiert)

Burgen entstanden häufig auf Höhen. Aber wenn etwa in der norddeutschen Tiefebene keine ausreichend breiten Felsklippen zur Hand waren, baute man eben auch mal ins Flachland.

Gewässer konnten ja auch eine Schutzfunktion haben, wenn sie nicht gerade zugefroren oder nur knietief waren.

Die Lage an Flüssen und Seen bot sich in vielen Fällen zudem dank der dort häufig verlaufenden Handelswege und oft auch wegen Grenzlinien an.

Klar dass einige Burgen im Lauf der Zeit durch Hochwasser und Änderung von Flußläufen und der Höhe von Wasserständen betroffen waren (und sind, siehe die Anrainer von Elbe & Co.).

Und jede „verschwundende“ Burg bot den Nachbarn natürlich für Generationen Gesprächsstoff, der wahrscheinlich immer weiter ausgeschmückt wurde.

Erhalten hat sich einiges davon in lokalen Volksmärchen, die Dank Brüder Grimm und Kolleg*innen bis heute überliefert wurden und vielfach weiter erzählt werden.

Wer eine verschwundene Burg sucht, sollte also vorher ruhig mal in alten Sagenbüchern herumstöbern.

Versunkene Märchenburgen werden bewacht / Bild: Burgerbe.de (KI-generiert)

Manche Märchen sind auch noch gar nicht so alt:

Das versunkene Schloss – ist zum Beispiel ein Märchen von Heinrich Seidel (1842-1906) über eine unter einem Waldhügel versunkene Burg, von der nur noch die Spitze des Schornsteins sichtbar war.

Hier die Textversion. Dieses Märchen gibt es auch als Hörbuch aus der empfehlenswerten Reihe „Lie liest vor“:

Versunkene Paläste im Mittelmeer

Der Artikel wäre nicht komplett ohne einen Hinweis auf die versunkenen Tempel und Paläste im Hafen von Alexandria und von Thonis-Herakleion (in der Aboukir-Bucht).

Ich habe vor einigen Jahren natürlich auch die Ausstellung „Ägyptens versunkene Welten“ über die Entdeckungen des Tauchers Frank Goddio gesehen. Siehe dazu des Artikel aus der Süddeutschen Zeitung „Schätze im Verborgenen

Mehr Sagen über versunkene Burgen

    Alle sieben Jahre soll man auf dem Grund des Mains bei Wertheim die versunkene Wettenburg sehen, weiß eine Sage.

Litatur

Zum Thema versunkene Burgen gibt es reichlich Literatur. Vor allem wird darin jeweils die Geschichte einzelner Regionen beleuchtet.

Zum Beispiel im Buch „Versunkene Burgen“ über frühmittelalterliche Unterwasserfunde im südlichen Ostholstein von Kersten Jungk (Eigenverlag).

Das Märchen von der Zauberflöte: Drehort Schloss Stolzenfels



Die Schauspieler von „Das Märchen von der Zauberflöte“ / Bild: ARD/WDR/Nicole Briese / Foto oben (Schloss Stolzenfels): Wikipedia / Holger Weinandt / CC-BY-SA 3.0
Beim ARD-Weihnachtsmärchen „Das Märchen von der Zauberflöte“ sind prächtige Schlösser zu sehen.

Die Drehorte liegen vor allem in Rheinland-Pfalz: Die Schlösser Stolzenfels und Bürresheim. Man kann sie besichtigen.

Und das WDR-Funkhausorchester, das die Begleitmusik liefert, kann man ohnehin immer wieder live sehen.
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Sababurg: „Dornröschenschloss-Hotel“ soll Ende 2018 schließen



Eingang zur Sababurg / Foto gemeinfrei / Foto oben: Wikipedia / Presse03 / CC-BY-SA 3.0
Eingang zur Sababurg / Foto gemeinfrei / Foto oben: Wikipedia / Presse03 / CC-BY-SA 3.0

Das Land Hessen hat den Pachtvertrag für das übergional bekannte „Dornröschenschloss-Hotel“ Sababurg im Sommer 2015 überraschend zum Jahresende gekündigt.

Doch die überraschte Pächterfamilie, die das Hotel seit 1960 führt, wehrte sich juristisch. Nun gibt es einen Kompromiss: Der Hotelbetrieb darf zunächst weiterlaufen, im Sommer beginnen derweil Sanierungsarbeiten durch das Land. Spätestens zum 30. April 2018 soll der Pachtvertrag dann enden und der Hotelbetrieb eingestellt werden.

Vieles deutet darauf hin, dass das Land Hessen die Denkmalimmobilie an den Landkreis Kassel abgibt (die Landkreis-CDU lehnt das allerdings ab).
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„Die drei Federn“: Drehort Schloss Mitwitz



Woran merkt man, dass der Sommer bald zu Ende geht? Ein untrügliches Zeichen ist, dass auf irgendeiner Burg TV-Teams für die Öffentlich-Rechtlichen herumhuschen, um das letzte Sommerlicht fürs nächste TV-Weihnachtsmärchen zu nutzen.

2014 passierte das auf Wasserschloss Mitwitz in Oberfranken (laut Eigenwerbung „eines der bedeutendsten Wasserschlösser Bayerns“). Auf dem privaten Anwesen wurde für das ARD-Märchen „Die drei Federn“ gedreht.

Die Hauptrollen spielen Sky DuMont und Michael Schönborn. Die Regie hat Su Turhan. Das meldet der Bayerische Rundfunk, der den Film auch produziert. Mehr zu Burgen und Schlössern in Bayern gibt’s übrigens hier im Blog. „Die drei Federn“: Drehort Schloss Mitwitz weiterlesen

Märchen-Drehort Spandauer Zitadelle


Die Spandauer Zitadelle mit dem Juliusturm
Die Spandauer Zitadelle mit dem Juliusturm / Eigenes Foto

Mit einer Neuverfilmung des Andersen-Märchens „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ will die ARD das Durchschnittsalter ihrer vergreisten Zuschauerschaft an einem der Weihnachtstage 2013 etwas drücken.

Die Askania Media Filmproduktion dreht den Klassiker auf der Spandauer Zitadelle und auf Schloss Marquardt bei Potsdam.

Die Hauptrolle spielt Lea Müller („12 heißt: Ich liebe dich“) an der Seite von Nina Kunzendorf ( „Blaubeerblau“), Jörg Hartmann („Weissensee“), Oliver Korittke („Musterknaben“) und Maximilian Ehrenreich („Der Minister“).

Regie führt Uwe Janson nach einem Drehbuch von David Ungureit. Gedreht wird voraussichtlich bis zum 18. März 2013. Das meldete der RBB, der bei der Produktion die Federführung hat.

Wer so einen Märchen-Drehort sein eigen nennen möchte, hat gute Karten, sofern er gerade genug liquide Mittel zur Verfügung hat: Schloss Marquardt stand im Jahr der Dreharbeiten für 9,3 Millionen Euro zum Verkauf. Das hier in diesem Zusammenhang verlinkte Exposée ist nicht mehr online.

Denkbar wäre dort ein Fünf-Sterne-Hotel à la Kempinski, das es vor dem Krieg schon einmal im Schloss gegeben hat.