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Hochwasser: Elbe flutet Wasserpalais und Neues Palais von Schloss Pillnitz

KolossosDas Wasserpalais von Schloss Pillnitz direkt an der Elbe / Foto: Wikipedia/
Das Wasserpalais von Schloss Pillnitz direkt an der Elbe / Foto: Wikipedia/Kolossos / Multi-license with GFDL and Creative Commons CC-BY-SA-2.5 and older versions (2.0 and 1.0)

Der zähe Kampf der freiwilligen Helfer am Sandsack-Damm vor dem Wasserpalais von Schloss Pillnitz ist vorbei.“Die Lage ist normal katastrophal“, teilte die Staatliche Schlösserverwaltung sarkastisch dem MDR mit: Der Fluss fließe jetzt durch die Räume des Kunstgewerbemuseums im Palais, das direkt an der Elbe liegt.

Am Neuen Palais haben die Fluten die halbe Höhe des Erdgeschosses erreicht, melden die Dresdner Neuesten Nachrichten. Der Schaden dürfte in die Millionen gehen. Die Wassertreppe Augusts des Starken ist komplett im Fluss versunken.

Auf Facebook teilt die Schlossverwaltung mit, dass die gesamte Park- und Schlossanlage zunächst geschlossen bleibt bis voraussichtlch 16. Juni 2013 (Sonntag).

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Saale-Hochwasser flutet Campus Design der Kunsthochschule Burg Giebichenstein

Burg Giebichenstein an der Saale / Foto: Wikipedia/Mewes
Burg Giebichenstein an der Saale / Foto: Wikipedia/Mewes/CC BY-SA 3.0

Das verheerende Saale-Hochwasser von 2013 hatte auch Teile der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle in der Unterburg von Giebichenstein geflutet. Die betroffenen, vorerst unbenutzbaren Räume sind das so genannte Neuwerk, der untere Saalewürfel und die Tonwerkstatt. Zahlreiche Studienarbeiten gingen verloren. Das meldet das Weblog Slanted.de.

Studierende und Feuerwehrleute, insgesamt rund 400 Helfer, haben stundenlang Barrieren aus 10.000 Sandsäcken im Campus Design aufgeschichtet, Planen gespannt und Wasser geschöpft, in der Hoffnung, die Flut aus den Werkstätten heraushalten zu können.

Die Feuerwehr setzte Hochleistungspumpen ein, Studierende der Uni Halle kamen zur Unterstützung. Das meldet die Seite der Hochschule.

Bei mehreren Gebäuden war die Mühe vergeblich: „Die Hochschuldruckerei mit der Handsatzwerkstatt und ihren historischen Holz- und Bleilettern ist trotz des erbitterten Einsatzes aller geflutet“, schreibt Autorin Julia in dem Blog.

Auch eine neue Offsetmaschine stehe im Wasser. Weitere Räume werden noch durch Sandsackbarrieren geschützt, an denen sich das Wasser aber zu schaffen macht. Es drohen Schäden an empfindlichen technischen Geräten in Millionenhöhe. Ich kann nur viel Glück wünschen!

Gerade kommt über afp die Meldung, dass Bundespräsident Joachim Gauck heute in die Hochwasserregion Halle reist. Er wird um zehn Uhr einen Gottesdienst für Betroffene und Helfer in Halle besuchen und dann weiter nach Meißen fahren (via stern.de).


Burg Giebichenstein an der Saale an einem Winterabend ohne Hochwasser / Foto: Wikipedia/ContactNi
Burg Giebichenstein an der Saale an einem Winterabend ohne Hochwasser / Foto: Wikipedia/ContactNi/CC BY-SA 3.0

Die Burg Giebichenstein war die erste einer Vielzahl von Saaleburgen. Kaiser Otto I. stellte hier auf einer Befestigung (ihr Ort ist nicht genau bekannt) um das Jahr 962 herum Urkunden aus. Die alte Burg diente als Staatsgefängnis und war immer wieder Aufenthaltsort von Kaisern und Königen. So berief Kaiser Friedrich Barbarossa 1157 eine Fürstenversammlung auf die Burg ein.

In diese Zeit fällt der Bau der heutigen Burg, deren älteste Mauern aus den Jahren um 1154 stammen. Der Burgfelsen war zuvor unbebaut, die alte Burg muss auf einer anderen Anhöhe in der Nähe gestanden haben. 1215 soll die „neue“ Burg Giebichenstein 1215 durch den späteren Kaiser Friedrich II. belagert worden sein, der sich gerade mit dem Welfen Otto IV. darum stritt, wer denn nun in Deutschland König sein sollte.

Nach 1382 war die weiter ausgebaute Burg Hauptresidenz der kriegerischen Erzbischöfe von Magdeburg. Erst 1514 zogen sie in die Moritzburg um. Im Dreißigjährigen Krieg stürmten die Schweden die Burg und setzten sie in Brand. Die Oberburg ist seitdem eine Ruine.

Seit 1921 ist die Stadt Halle Eigentümerin der Burg. Sie richtete in der Unterburg eine Kunstgewerbeschule ein, die eng mit dem Bauhaus verbunden war. Seit 2010 heißt die Schule Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.

Mehr zum Hochwasser auf Burg Giebichenstein im Blogeintrag bei Slanted.de und bei den aktuellen Nachrichten auf der Seite der Kunsthochschule.

Ein Rundflug über Halle zeigt den Stand der Flut – auch Burg Giebichenstein ist zu sehen:

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Hochwasser in Dessau Wörlitz: Gartenreich und Schloss Luisium mit Sandsäcken gesichert / Durcheinander nach Facebook-Aufruf

Das Schloss Luisium im Wörlitzer Gartenreich / Foto: Wikipedia/Doris Antony
Das Schloss Luisium im Dessau-Wörlitzer Gartenreich / Foto: Wikipedia/Doris Antony/CC BY-SA 3.0

Heute (Sonntag) morgen eine gute Meldung: Der Pegel von Elbe und Mulde bei Dessau fällt seit der Nacht. Ein Dammbruch bei Groß Rosenburg hat keine Auswirkungen auf Dessau-Roßlau. Das meldet der Katastrophenstab heute (Sonntag) um 8.45 Uhr. Zitat: „Insoweit bleibt die Lage weiterhin beherrschbar und die sinkenden Flusspegel sorgen für zusätzliche Entspannung“. Die Elbe ist in zehn Stunden um zehn Zentimeter zurück gegangen. In Dessau-Roßlau gilt weiter Katastrophenalarm.

Der Rekord-Pegel der Elbe bedroht jedoch weiter das Unesco-Weltkulturerbe Dessau-Wörlitzer-Gartenreich und das Schloss Luisium. Gartenreich und Schloss sind für Besucher gesperrt und wurden mit Sandsäcken gesichert. Vor dem Schloss stehen zusätzlich Spundwände. Sicherheitshalber wurden die Gemälde aus dem Erdgeschossbereich des Schlosses entfernt. Das meldet der MDR.

Das Schloss wurde am Sonntag angesichts der prekären Lage des Ringdeichs mit drei Sickerstellen zwangsgeräumt. Zuvor hatte ein gut gemeinter Facebook-Aufruf des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle hunderte Helfer zum Luisium mobilisiert.

Doch der Katastrophenstab wusste davon nichts, und die Helfer störten eher als das sie Nützliches tun konnten – und brachten die brenzlige Situation am empfindlichen Deich weiter durcheinander.

Teilweise diskutierten die Helfer mit den Deichschützern vor Ort und kritisierten deren Maßnahmen. Arg! Die Mitteldeutsche Zeitung bringt dazu einen ausführlichen Artikel: „Chaos nach Facebook-Aufruf„.

Der Höchststand der Elbe in Dessau-Roßlau (Leopoldshafen) wurde am Samstag mit ca. 7,42 Meter erreicht, die Mulde steht laut Landesbetrieb für Hochwasserschutz am Sonntag Abend bei Dessau-Brücke bei 5,34 Meter (Pegel in Sachsen-Anhalt). Die automatischen Pegel in Dessau-Muldbrücke und Dessau-Leopoldshafen sind ausgefallen. Es wird jetzt manuell gemessen. Das meldet die Seite der Stadt Dessau. Der Pegel der Elbe bei Dessau hat die Rekordwerte von 2002 noch deutlich überschritten.

Ein Deich an der Mulde wurde provisorisch durch überdimensionale Sandsack-Kissen verlängert, die sich nur mit schwerem Gerät transportieren lassen. 33.000 Sandsäcke liegen noch in Reserve. Einige Ortschaften wurden evakuiert. Schloss Großkühnau wurde von Freiwilligen mit Sandsäcken gesichert, sie legten dazu einen 180 Meter langen Sandsack-Deich an. Der neue Hochwasserschutz in Großkühnau ist glücklicherweise vor einigen Tagen fertig geworden.

Die Lage am Schloss Luisium war tagelang unübersichlich. Berichte, wonach der das Schloss schützende Ringdeich zu brechen drohte, werden vom Katastrophenstab nicht bestätigt.

Am Ende hielt der Notdeich – Schloss Luisium wurde aber durch das von den Fluten hochgedrückte Grundwasser beschädigt. Die Höhe des Schadens steht noch nicht fest.

Das in freundlich hellen Farben gestrichene Schloss Luisium ist ein kleines Landhaus im englischen Stil aus dem Jahr 1774. Fürst Leopold III. von Anhalt-Dessau hatte es seiner Gattin Luise geschenkt, daher rührt der Name.

Beim großen Hochwasser 2002 ergossen sich die Fluten bis ins Schloss – es war von allen Gebäuden des Gartenreichs am stärksten betroffen. Mit Bundes- und Landesmitteln wurden die Schäden beseitigt.

Schloss Großkühnau wird durch eine Sandsackbarriere geschützt / Foto: Wikipedia/
Schloss Großkühnau wird durch eine Sandsackbarriere geschützt / Foto: Wikipedia/M_H.DE/CC BY-SA 3.0

Schloss Großkühnau wurde 1780 für Prinz Albert Friedrich von Anhalt-Dessau (1750–1811), errichtet und war für die damalige Zeit einfach und solide eingerichtet. Lediglich der Festsaal im ersten Obergeschoss war mit Malereien dekoriert. Der zum Schloss gehörende Kühnauer Park wurde am Südufer des Kühnauer Sees und auf künstlichen Inseln im See angelegt. Er bildet den westlichen Abschluss des Dessau Wörlitzer Gartenreiches.

Mit dem Timing der Flut hat man in Dessau Glück: Die moderne Hochwasserschutzanlage in Dessau-Großkühnau ist erst von zwei Wochen in Betrieb genommen worden Bei Dessau gibt es häufig Hochwasserprobleme, da hier die Mulde in die Elbe mündet.

Mehr zu den Maßnahmen der Verwaltung des Gartenreichs gegen die Fluten steht in einem ausführlichen Artikel der Mitteldeuschen Zeitung: „Die Elbaue ist ein Spiegel„. Aktuelle Nachrichten bringt die Mitteldeutsche Zeitung: „Helfer schützen das Schloss Großkühnau„.

Unklar ist die Lage rund um Schloss Mühlberg im Landkreis Elbe/Elster in Brandenburg. Die Kleinstadt rund um das 1545 wieder aufgebaute Schloss wird nach Angaben des Tagesspiegel seit Freitag Nachmittag zwangsgeräumt, da die Deiche nicht mehr sicher seien. Die Anwohner waren seit Mittwoch zunächst aufgefordert worden, ihre Häuser freiwillig zu verlassen. Die Elbe stand zwölf Zentimeter unterhalb der Deichkrone. Es gibt mehrere Sickerstellen. Taucher sind im Einsatz.

Wie die Mitteldeutsche Zeitung meldet, gibt es einen Unfalltoten unter den Hochwasserhelfern. Ein 74-Jähriger starb nach einem Verkehrsunfall in Wittenberg/Elster. Er ist damit der dritte Tote des Hochwassers 2013.

Das Video zeigt die Sicherung des Gartenreichs und von Schloss Luisium mit Behelfsdeichen aus Sandsäcken.

Hochwasser in Dessau Wörlitz: Gartenreich und Schloss Luisium mit Sandsäcken gesichert / Durcheinander nach Facebook-Aufruf weiterlesen

Schloss Grimma: „Sachsens Geburtshaus“ stand unter Wasser

Das Schloss in Grimma während der Sanierung / Foto: Wikipedia/z Thomas
Das Schloss in Grimma während der Sanierung / Foto: Wikipedia/z Thomas/CC BY-SA 3.0

Es ist ein Trauerspiel: Die über die Ufer getretene Mulde beschädigt weiter historische Bausubstanz in Sachsen. Das erst 2012 nach Hochwasserschäden für 14,5 Millionen Euro fertig sanierte Schloss in Grimma, das „Geburtshaus Sachsens“, steht erneut 80 Zentimeter hoch unter Wasser und ist auch außen komplett umspült. Der Schaden dürfte immens sein. Das meldet die Deutsche Presse-Agentur.

Das dortige Amtgericht in der Klosterstraße 9 ist zurzeit „wegen Überflutung“ geschlossen. Verhandlungen finden nach Auskunft des Justizministeriums in einem anderen Gebäude an der Leipziger Straße 91 statt.

Das Schloss wurde im Jahr 1200 zuerst erwähnt. Die Wettiner bauten es im 15. Jahrhundert zu einer ihrer Residenzen aus. Als „Geburtshaus Sachsens“ wird das Schloss bezeichnet, weil der spätere Herzog von Sachsen und Begründer der albertinischen Linie des Königshauses Wettin, Albrecht der Beherzte, im Jahr 1443 im Schloss Grimma geboren worden war.

Im Schloss werden heute 2.500 Quadratmeter durch das Amtsgericht Grimma und die Staatsanwaltschaft Leipzig, Außenstelle Grimma, genutzt. Das Schloss war bereits durch das Hochwasser 2002 stark beschädigt worden und musste deswegen für besagte 14,5 Millionen Euro saniert werden.

Um die alten Mauern gegen Hochwasser widerstandsfähig zu machen, ist die Schlossfassade mit Schlämmen abgedichtet worden. Nun wird man sehen, ob das geholfen hat. Außerdem wurde eine unterirdische „Dichtwand“ eingezogen, die das Eindringen von hochgepresstem Grundwasser verhindert sollte.

Hier geht es zur kurzen Meldung der dpa (via Freie Presse): „Amtsgericht im historischen Schloss Grimma vollgelaufen

Nachtrag 6.6.2013: Die Flut in Grimma ist abgelaufen, die Schäden werden gerade sichtbar. Nach Angaben der Stadt haben sich etwa 15.000 Kubikmeter Müll angesammelt.

Jetzt wird im Ort diskutiert, ob es gerechtfertigt war, dass Bürgerproteste den 40 Millionen Euro teuren Bau von Spundwänden an der Mulden-Seite der Altstadt jahrelang aufgehalten haben. Die Wände werden erst in vier Jahren völlig fertig sein. Sie sollen Grimma dann vor Hochwassern, die statistisch alle 100 Jahre zu erwarten sind, schützen.

Mehr dazu in einem Artikel von Heike Baldauf bei Spiegel Online: „Die Flut kommt vier Jahre zu früh

Hier ein Video, das die Gewalt des nach Grimma einströmenden Wassers zeigt. Auch das Schloss ist zu sehen.

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