Der Gefangene im „Raubgrafenkasten“

Der "Raubgrafenkasten"
Der „Raubgrafenkasten“

Im Schlossmuseum zu Quedlinburg steht ein seltsames Holzungetüm mit einer noch eigenartigeren Geschichte: Der Raubgrafenkasten. 2,75 x 2,35 Meter misst die zwei Meter hohe, eisenbeschlagene Konstruktion aus acht Zentimeter dicken Fichtenholzbohlen, in die lediglich eine 45 x 60 Zentimeter breite Tür führt. Außerdem gibt es ein winziges Fenster.

Der Legende nach war dieser Kasten von 1336 bis 1338 das transportable Gefängnis von Graf Albrecht II. von Regenstein. Dieser lag in Fehde mit dem Bischof von Halberstadt und der Stadt Quedlinburg, deren Neustadt er besetzt hatte. Nach verlorener Schlacht soll der Regensteiner in einem Sumpf nahe seiner Gerstdorfer Burg gefangen genommen worden sein. Soweit die Fakten.

Im triumphalen Zug sollen ihn die Quedlinburger vor ihr Rathaus gebracht und eigens für ihn das hölzerne Gefängnis angefertigt haben. Vermutlich entstand es aus einem Container, der ursprünglich für den Transport von Tieren gedacht war. Im anschließenden Prozess wurde Albrecht II. zum Tode verurteilt.

Das Verfahren sollte jedoch in erster Linie als politisches Druckmittel dienen, um den Grafen zum Einlenken zu zwingen. Die Grafen waren ein Machtfaktor in Quedlinburg, seit ihnen die Äbtissin des Quedlinburger Damenstifts im Jahr 1300 aus akutem Geldmangel die komplette Neustadt als Lehen übertragen hatte.

Nach zwei Jahren Haft erfüllte der Graf diverse Forderungen des Bischofs und der Quedlinburger. Die Regensteiner verzichteten auf ihr Quedlinburger Lehen und erkannten die Schutzherrschaft des Halberstädter Bischofs über die Stadt an. Angeblich mußte der Graf auch sieben neue Türme in der Stadtmauer auf eigene Kosten errichten lassen.

Unter Historikern ist die Geschichte des Kasten-Gefängnisses umstritten. Einen mächtigen Adeligen, der noch dazu Schutzherr der Neustadt war, unter so schmählichen Umständen gefangen zu halten, wäre im 14. Jahrhundert äußerst unschicklich gewesen, auch für die Stadt Quedlinburg. Heute würde man so etwas als Folter berzeichnen.

Der Graf ist nach einigen Angaben bereits kurz nach seiner Freilassung gestorben. Der Wikipedia-Eintrag über Albrecht II. spricht dagegen von Mord durch den Bischof im Jahr 1349. Den Namen „Raubgraf“ hat der Schriftsteller Julius Wolff in einem 1884 erschienenen, gleichnamigen Roman erstmals verwendet (der Link führt auf den Roman als Volltext-Version).

Der Kasten, der zunächst im Rathaus stand, ist nun schon seit vielen Jahren eine der Attraktionen der Stadt. Auch die Burg Regenstein existiert noch – wenn auch nur als Ruine.

Quellen: Eintrag bei Harzlandhexe und Quedlinburg.de

Fotos: Eigenes & alte Postkarte

Die Sparrenburg: Bielefelds Wahrzeichen in Sepia

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Die Bielefelder Sparrenburg im Photoshop-Filter

Mit dem Burgen-Fotografieren ist das so eine Sache. Auf den schönsten Bildern steht meistens ein Mülleimer, ein geparkter Lieferwagen und/oder eine Eisreklame in der Sichtachse. Gerne schickt auch eine Touri-Gruppe just in dem Moment ihren ersten neugierigen Kundschafter ins Bild.

Welch Glück, dass es Photoshop, Schnitt- und Pinselwerkzeuge & den passenden Filter gibt. So wird doch gleich ganz schnell mystische Stimmung fühlbar. Sollte zumindest.

Ich habe das mal auf Bielefelds Wahrzeichen, der Sparrenburg, versucht. Diese ist auch deshalb zu empfehlen, weil man wirklich etwas für seine Gesundheit tut, wenn man der Burgberg raufkraxelt (ja, notfalls ist da oben auch ein Parkplatz).
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Burg Steinsberg: Besiegte Bauern mussten büßen


Der Bauernkrieg bedeutete für die adeligen Landesherren einen tiefen Schrecken. Plötzlich mischte der gemeine Pöbel in der Politik mit, stellte Forderungen. Der Schock fuhr den Herren umso tiefer in die Glieder, als die Haufen der Bauern trutzige Burgen stürmten und niederbrannten.

Burg Steinsberg bei Sinsheim in Baden ist ein Beispiel für eine solche Anlage – und für die spätere Vergeltung der Obrigkeit.
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Leuchtenburg: „Königin des Saaletals“ wird Erlebnisburg


Die Leuchtenburg von oben. Foto: Wikipedia - Dr. Thomas Köhler/Jena
Die Leuchtenburg von oben. Foto: Wikipedia – Dr. Thomas Köhler/Jena/Public Domain

In Thüringens Burgenwelt tut sich was: Eine neu gegründete gemeinnützige Stiftung hat die Leuchtenburg vor der drohenden Versteigerung gerettet. Für einen eher symbolischen, sechsstelligen Betrag erwarb die Stiftung die Anlage von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen.

Das Land konnte die notwendigen Mittel zur Sanierung der historischen Gemäuer nicht aufbringen. Das will nun die Stiftung schaffen.

Geplant ist, die „Königin des Saaletals“ touristisch noch attraktiver zu machen. Wie das genau geschehen soll, ist noch nicht klar, 3000 Quadratmeter stehen aktuell leer. Gemunkelt wird von einer Hotel-Nutzung, von einer geplanten Erlebnisburg will Die Welt wissen. (Update Mai 2014: Die Leuchtenburg bekommt ein Porzellanmuseum und einen „Skywalk“)
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Vor 700 Jahren: Verhaftung der Templer


templarsign.pngEs war ebenso ein Freitag, der 13. Oktober, wie heute, als französische Beamte landesweit versiegelte Umschläge aus der Kanzlei Philipps IV. öffneten. Sie enthielten die Haftbefehle gegen die Mitglieder des Templer-Ordens.

Die Aktion, die sich heute zum 700. Mal jährt, erfolgte zeitgleich, eine für damalige Verhältnisse unerhörte Leistung, das erste polizeiliche Kommandounternehmen der Geschichte. Es kam für die Templer völlig überraschend. Allein in Paris wurden 138 Personen festgenommen. Besitztümer und bewegliche Habe der Templer wurden beschlagnahmt.

Das Ende ist bekannt: Andere Monarchen folgten Philipps Vorbild. Der Orden wurde vom Papst aufgelöst, Großmeister Jacques de Molay kam 1314 auf den Scheiterhaufen. Was bleibt sind diverse Legenden und eindrucksvolle Burgen.

Der Sage nach sollen sich die letzten zwölf Templer auf Burg Lahneck bei Koblenz tapfer gegen königliche Truppen verteidigt haben.

Mittlerweile sind in den Archiven des Vatikan übrigens Dokumente aufgetaucht, die die Templer entlasten.


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