Burg Idstein: Im Schatten des Hexenturms

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Der Idsteiner Hexenturm (Foto: Meins)

Im idyllischen Taunusstädtchen Idstein haben sich vor gut 330 Jahren schreckliche Szenen abgespielt. Der Ort im Schutz der Burg Idstein war berüchtigt für seine Hexenprozesse und die folgenden Hinrichtungen unschuldiger Frauen. Man war allerdings so „human“ das Schwert zu verwenden, nicht den Scheiterhaufen.

Die Prozesswelle wird durch ein Kind ausgelöst, das angegeben hatte, dass seine Patin es „das Mäuse und Eidechsen machen“ lehren würde. Der protestantische Graf Johannes zu Nassau (1603-1677) vermutete, dass auch der Tod seiner zweiten Frau, seiner Kinder und ein Viehsterben durch Hexen ausgelöst wurde und befahl ab 1675 Verfahren.

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Burg Breuberg, Zankapfel der Konfessionen


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Burg Breuberg

Die Reformation und der Dreißigjährige Krieg spalteten den deutschen Adel. Manchmal ging der konfessionelle Riss auch mitten durch Burgen. Burg Breuberg ist ein Beispiel dafür.

Auf dem 306 Meter hohen Breuberg in Südhessen thront sie als eine der besterhaltenen Burgen der Republik. Durch kontinuierlichen Ausbau ist die Anlage eine beeindruckende Festung geworden. Und eine Sage gibt es auch. Heute sind dort eine Jugendherberge und ein Museum untergebracht.
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Lesefutter für den Herbst: Bücher über Burgen

Was ich noch hier so liegen habe:lesefutter.jpg

  • Manfred Akermann, Die Staufer, mit vielen Infos/Fotos auch über Burgen

  • Thomas Bilker, Burgen und Schlösser im Odenwald

  • Der schwarze Führer: Deutschland (Übersicht über Spuk- & Sagengeschichten)

Ein paar Rezensionen dazu folgen in Kürze. Muss erst noch Philip Roth, Verschwörung gegen Amerika auslesen. Die nächsten Foto-Artikel beschäftigen sich dann mit Burg Breuberg, der Frage nach dem Wiederaufbau des Heidelberger Schlosses und dem Komplex Quedlinburger Dom.

Ja, genau, da wo der Raubgrafenkasten steht…


Sumpf-Burg Storkow ist saniert


Westseite von Burg Storkow nach der Sanierung / Foto: Wikipedia / Batke2 / gemeinfrei
Westseite von Burg Storkow nach der Sanierung / Foto: Wikipedia / Batke2 / gemeinfrei

Eine Burg mitten im Sumpf hat natürlich den Vorteil, dass Angreifer ziemlich schnell ziemlich tief im Masch stecken. Und langfristige Belagerungen machen da erst recht keinen Spaß.

Nachteil: Sind die Fundamente nicht bestmöglich abgesichert, versinken die Grundmauern mit der Zeit immer tiefer im bodenlosen Morast, Mauern stürzen ein – und irgenwann ist das stolze Gemäuer eine verschlammte Ruine.

So ein Fall ist Burg Storkow in der Mark Brandenburg, immerhin die älteste Burganlage zwischen Oder, Dahme und Spree. Seit acht Jahren läuft die Millionen Euro teure Sanierung. 2007 gab der Burg-Beirat bekannt, dass die Sanierung zur 800-Jahr-Feier des Ortes im Jahr 2009 abgeschlossen werden soll. Das berichtete die Märkische Allgemeine.

Grabungen lassen die Vermutung zu, dass die Anlage bereits nach 1136 durch die Wettiner als Grenzfestung gegen die Slawen errichtet wurde. Die Ziegelmauern wurden damals ohne nennenswertes Fundament einfach in den Sumpf gesetzt und von einem Wassergraben umgeben. Nur ein Knüppeldamm führte zum Tor.

Fast 200 Jahre lang wurde von hier aus ein großer Teil der damaligen Niederlausitz regiert. Nach 1384 war die Burg Sitz der Herren von Biberstein, der Bischöfe von Lebus, des Markgrafen von Küstrin sowie von deren Amtmännern.

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Folter-Tod im Turm

1538 wurde ein gewisser Stephan Meiße im Turm der Burg zu Tode gefoltert. Er war ein Gefolgsmann des legendären Hans Kohlhase, der einen Privatkrieg gegen Sachen und später auch Brandenburg führte. Kohlhase war das Vorbild für Kleists literarische Figur Michael Kohlhaas.

1897 verkaufte die Stadtverwaltung die Burganlage. 1910 ließ sie ein Berliner Architekt umbauen und einen Turm errichten. Der ursprüngliche Burgturm war 1840 eingestürzt. Bis 1978 war hier der Sitz des Stadtrats. Ein Brand zerstörte 1978 das Hauptgebäude. Die DDR ließ auch den Rest verfallen.

20 Jahre später begann die Stadt mit dem Wiederaufbau, unterstützt vom Land und einem Förderverein. 14 Meter lange Stahlstützen mussten in den Untergrund gerammt werden, um die Mauern zu sichern – im Zusammenspiel mit hunderten Tonnen Stützbeton.

Bisher fertiggestellt sind Nord- und Ostmauer und das zu Tourismuszentrum und Stadtbibliothek ausgebaute Fachwerkhaus. Im Burgpalas entsteht bis 2009 ein Saal für Konferenzen, Ausstellungen, Kino, Konzerte und Feste. Der laufende dritte Bauabschnitt kostet allein 4,8 Millionen Euro. Bei den Arbeiten stieß man übrigens auch auf die Reste eines mittelalterlichen Kerkers.

Mittlerweile ist im Burghof sogar eine Freilichtbühne entstanden. Die Ostrocker der Puhdys wollten hier am 7. Mai 2009 ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum feiern und eine Ausstellung über „40 Jahre Puhdys“ eröffnen.

Zuletzt berichtete die Freie Presse im März 2008 vom Fortgang der Arbeiten.

Nachtrag I: Die Wiedereinweihung der Burg erfolgte Pfingsten 2009 im Zuge der 800-Jahr-Feier der Stadt Storkow.

Quellen: Storkow.de, Mitteilung des Brandenburger Infrastrukturministeriums und der Artikel aus der Märkischen Allgemeinen. Viele interessante Infos zur Geschichte stecken in einem sehr detaillierten Artikel von Andreas Heising in der Märkischen Oderzeitung.

Nachtrag II. Inzwischen gibt es sogar Konzerte auf der Burg. Hier mal ein Video vom Auftritt der AC/DC-Coverband „High Voltage“ im Hof von Burg Storkow:

Lage: Burg Storkow, Schlossstraße 6
15859 Storkow

Foto: Wikipedia / Wappen von Storkow



Der Gefangene im „Raubgrafenkasten“

Der "Raubgrafenkasten"
Der „Raubgrafenkasten“

Im Schlossmuseum zu Quedlinburg steht ein seltsames Holzungetüm mit einer noch eigenartigeren Geschichte: Der Raubgrafenkasten. 2,75 x 2,35 Meter misst die zwei Meter hohe, eisenbeschlagene Konstruktion aus acht Zentimeter dicken Fichtenholzbohlen, in die lediglich eine 45 x 60 Zentimeter breite Tür führt. Außerdem gibt es ein winziges Fenster.

Der Legende nach war dieser Kasten von 1336 bis 1338 das transportable Gefängnis von Graf Albrecht II. von Regenstein. Dieser lag in Fehde mit dem Bischof von Halberstadt und der Stadt Quedlinburg, deren Neustadt er besetzt hatte. Nach verlorener Schlacht soll der Regensteiner in einem Sumpf nahe seiner Gerstdorfer Burg gefangen genommen worden sein. Soweit die Fakten.

Im triumphalen Zug sollen ihn die Quedlinburger vor ihr Rathaus gebracht und eigens für ihn das hölzerne Gefängnis angefertigt haben. Vermutlich entstand es aus einem Container, der ursprünglich für den Transport von Tieren gedacht war. Im anschließenden Prozess wurde Albrecht II. zum Tode verurteilt.

Das Verfahren sollte jedoch in erster Linie als politisches Druckmittel dienen, um den Grafen zum Einlenken zu zwingen. Die Grafen waren ein Machtfaktor in Quedlinburg, seit ihnen die Äbtissin des Quedlinburger Damenstifts im Jahr 1300 aus akutem Geldmangel die komplette Neustadt als Lehen übertragen hatte.

Nach zwei Jahren Haft erfüllte der Graf diverse Forderungen des Bischofs und der Quedlinburger. Die Regensteiner verzichteten auf ihr Quedlinburger Lehen und erkannten die Schutzherrschaft des Halberstädter Bischofs über die Stadt an. Angeblich mußte der Graf auch sieben neue Türme in der Stadtmauer auf eigene Kosten errichten lassen.

Unter Historikern ist die Geschichte des Kasten-Gefängnisses umstritten. Einen mächtigen Adeligen, der noch dazu Schutzherr der Neustadt war, unter so schmählichen Umständen gefangen zu halten, wäre im 14. Jahrhundert äußerst unschicklich gewesen, auch für die Stadt Quedlinburg. Heute würde man so etwas als Folter berzeichnen.

Der Graf ist nach einigen Angaben bereits kurz nach seiner Freilassung gestorben. Der Wikipedia-Eintrag über Albrecht II. spricht dagegen von Mord durch den Bischof im Jahr 1349. Den Namen „Raubgraf“ hat der Schriftsteller Julius Wolff in einem 1884 erschienenen, gleichnamigen Roman erstmals verwendet (der Link führt auf den Roman als Volltext-Version).

Der Kasten, der zunächst im Rathaus stand, ist nun schon seit vielen Jahren eine der Attraktionen der Stadt. Auch die Burg Regenstein existiert noch – wenn auch nur als Ruine.

Quellen: Eintrag bei Harzlandhexe und Quedlinburg.de

Fotos: Eigenes & alte Postkarte

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