Burg Tannenberg: Schutz für Händler – Ärger für den Landgrafen

Burg Tannenberg in Nentershausen Foto: © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Gehrmann
Der Erker von Burg Tannenberg in Nentershausen Foto: © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Gehrmann / Foto oben: Wikipedia / 2micha / GPL

Burg Tannenberg war ein sicherer Anlaufpunkt in unsicheren Zeiten, was auf die Kassenlage der benachbarten Rittergeschlechter zurückging.

Hintergrund: Adelige standen im Hochmittelalter regelmäßig vor dem Problem, dass sie mehr Geld brauchten als sich aus der benachbarten Landbevölkerung herauspressen ließ.

Die Möglichkeiten der Kriegerkaste, ihre Einnahmen zu optimieren, waren ja eher beschränkt: Schulden anhäufen, die Burg verpfänden, Plündern oder eine Mitgift einstreichen.

Oder – und das war oft das Effektivste – man raubte mal eben ein paar reisende Händler aus und verschanzte sich mit Beute (und Geiseln) hinter den Burgmauern.

Für die Grafen, Herzöge, geistlichen Fürsten und Räte der Handelsstädte war diese Landplage ein Ärgernis. Sie reagierten mit Feldzügen und dem Bau von Burgen zum Schutz der Handelsrouren. Eine dieser Anlagen ist Burg Tannenberg bei Nentershausen im nördlichen Hessen.

Burg Tannenberg in Nentershausen Foto: © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Schroeder
Burg Tannenberg in Nentershausen Foto: © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Schroeder

Zwischen 2007 und 2017 hatte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) für Restaurierungsmaßnahmen an der Burg insgesamt 140.000 Euro zur Verfügung. Daran erinnert nun eine Bronzetafel.

Für die Restaurierung sorgt der Verein der Freunde des Tannenberg – und das, wie die Stiftung Denkmalschutz betont „mit großem Engagement und erheblichen Eigenleistungen in hoher denkmalpflegerischer Qualität“.

Zur Geschichte der Burg Tannenberg (Tannenburg)

Die Burg wurde im Auftrag des Abtes von Hersfeld um 1300 im Hinterland von Kassel auf einer Bergnase südlich des Dorfs Nentershausen errichtet. Die langgezogene, rechteckige Anlage mit schmalem Innenhof lag auf hessischem Gebiet nahe der thüringischen Grenze.

Ein strategisch wichtiger Ort, denn zwischen den Landgrafen von Hessen und Thüringen gab es ständig Ärger.

Der 1329 zum Ritter geschlagene Ludwig I. von Baumbach, Stammvater der heute noch existierenden Familie derer von Baumbach, erhielt die Burg vom Abt zum Lehen. Er wurde gleich in die Streitereien hineingezogen.

Ein Halsgraben, eine Ringmauer und ein Flankenturm sicherten den Zugang. An der Südostseite des Hofes erhebt sich seit dem 14. Jahrhundert ein noch heute viergeschossiger Wohnturm. An der Ostseite ist ein Kapellenerker erhalten (Bild oben rechts).

Ludwig ärgerte sich mit dem Landgrafen von Hessen herum und schloss mit diesem 1348 einen schriftlichen Kompromiss – in der Urkunde wird die Burg das erste Mal erwähnt.

Ludwigs Söhne und Enkel erhielten die Burg dann von den hessischen Landgrafen als Lehen. Ihre wichtigste Einnahmequelle waren jedoch Gelder aus Erfurt.

Das Wappen derer von Baumbach (gemeinfrei)
Das Wappen derer von Baumbach (gemeinfrei)

1371 schloss die Stadt Erfurt einen Schutzvertrag mit den Baumbachs. Die Adeligen sollten Erfurter Händler auf der nahen Straße „Durch die Kurzen Hessen“ schützten, die durch den Seulingswald führte.

Sie war Teil der Via Regia, die Mainz mit Frankfurt, Fulda, Erfurt und Leipzig verband.

Ein Weg wich von der Straße zur Burg hin ab. Dort fanden die Kaufleute Schutz und Unterkunft und warteten ab, bis sich Handelszüge in die gewünschte Richtung bildeten. Die Baumbachs erhielten dafür einen jährlichen Sold und Baugeld aus Erfurt, um die Burg erhalten zu können.

Sie stellten den Händlern auch Geleitschutz – ein einträgliches Geschäft.

Die Baumbachs taten sich mit Erfurt gegen das Kloster Fulda zusammen und holten sich mit Gewalt ein paar Dörfer zurück, die ihnen das Kloster nicht mehr als Lehen überlassen wollte.

Der Landgraf von Hessen stellte sich daraufhin 1374 gegen die Baumbachs. Truppen aus Hessen und Fulda belagerten die Burg – erfolglos. Die Lagerplätze der Angreifer heißen heute Hesslers oder Hessenschanze.

Burg Tannenberg: Westansicht / Foto: Wikipedia / 2micha / GPL
Burg Tannenberg: Westansicht / Foto: Wikipedia / 2micha / GPL
An der Burg entstanden keine größeren Schäden, doch viele Baumbachsche Dörfer wurden zerstört und blieben wüst. Der Streit endete 1375 durch eine Sühnezahlung der Baumbachs.

Der Konflikt zwischen den Baumbachs auf der einen und dem Landgrafen plus Fulda auf der anderen Seite schwelte allerdings weiter. 1392 versuchte der Landgraf erneut eine Belagerung – wieder erfolglos.

Die Burg überstand auch weitere Fehden im 15. und 16. Jahrhundert und selbst den Dreißigjährigen Krieg unbeschadet.

Dabei kam der Burg wohl zugute, dass sie nicht direkt an der oben erwähnten Handelsstraße, sondern etwas versteckt lag.

Unter der Ruine eines Gebäudes mit einem Portal aus dem Jahr 1543 befindet sich ein Keller mit Gratgewölben. Neben der Ruine ist ein Bau von 1690 mit einer Fachwerkfront erhalten. Um 1700 ging die Burg in den Besitz der Landgrafen von Hessen über.

Diese brachten für die nächsten 200 Jahre Bergarbeiter der Kupfer- und Kobaltwerke und Landarbeiter im Wohnturm unter, während der Rest der Burg verfiel.

1903 kaufte ein Familienverband aus den eizelnen Zweigen derer von Baumbach ihr Stammburg zurück, um sie vor dem Verfall zu retten. Im Dritten Reich war die Burg Herberge des Bundes Deutscher Mädel (BDM). Nach dem Krieg wurde die Burg zur Jugendherberge.

Der Versuch der von Baumbachs, die Burg in den 1980er Jahren zum Hotel umzubauen erwies sich als zu teuer.

Daraufhin übergab die Familie die Anlage 1984 dem Verein der Freunde des Tannenberg in Erbpacht zur Nutzung und zum Erhalt. Auf der Burg-Homepage heißt es zu dem versuchten Umbau:
In dieser Zeit hat es einige „Bausünden“ gegeben, den großzügigen Einsatz von Beton und den Abriß alten Interieurs. Der Landesdenkmalpfleger sprach in diesem Zusammenhang mal von „der Burg, bei der alles schief ging.

Die Übergabe an den Förderverein eine segensreiche Entscheidung. 1995 liefen umfangreiche Sanierungen an. 2002 startete eine mittelalterliche Erlebnisgastronomie im Wohnturm und im ehemaligen Burgwartshaus. Der Terminkalender der Burg ist hier online zu sehen.

Die Burg ist von Mitte Februar bis Ende Dezember geöffnet (Link zu den Öffnungszeiten)

Quelle:
Grundlage für diesen Beitrag ist eine Pressemitteilung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: „Zum Schutz der Erfurter Händler



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