Burg Stolberg wird im August 2019 zum Open-Air-Kino

Tor zur Burg Stolberg über Stolberg bei Aachen / Fotos: Burgerbe.de
Torburg zur Burg Stolberg über Stolberg bei Aachen / Fotos: Burgerbe.de

Die malerische Burg Stolberg im Örtchen Stolberg vor den Toren von Aachen wird im August 2019 erstmals zum Kino unter freiem Himmel. Im oberen Burghof sollen zehn Tage lang Filme gezeigt werden.

Bei der „Schau!Burg“ soll es 300 Plätze geben. Die Idee stammt vom Stolberger Stadtmarketing, das nach Wegen sucht, nicht ständig nur als Anhängsel der Kaiserstadt gesehen zu werden.

Die Burg will man als „die“ Attraktion der kleinen Aachener Nachbarstadt herausstellen.

Im März wollen sich die PR-Leute überlegen, mit welchen Filmen man am besten Scharen von Touristen auf die Burg und damit auch in die Altstadt lockt.

Abendstimmung an der Burg Stolberg / Foto: Burgerbe.de
Abendstimmung an der Burg Stolberg / Foto: Burgerbe.de
Das Burgrestaurant / Foto: Burgerbe.de
Das Burgrestaurant / Foto: Burgerbe.de

Eine Konkurrenz für lokale Lichtspieltheater wäre ein Open-Air-Kino nicht: Das letzte Kino in der 57.000-Einwohner-Stadt, die Schauburg, hat längst dicht gemacht. Wer sich hier cineastisch unterhalten will, fährt nach Aachen.

Burggeschichte

Die Burg auf einem Kalksteinfelsen gibt es bereits seit dem 12. Jahrhundert, damals Stalburg genannt. 1375 müssen es die Leute von Burgherr Ritter Reinhard von Schönforst ziemlich arg getrieben haben mit den Fehden gegen die Nachbarn.

Eine Koalition unter Aachener Führung belagerte und stürmte die Burg unter Hinweis auf Verstöße gegen den Landfrieden.

Die Anlage wurde weitgehend zerstört und lag jahrzehntelang brach. Sie gehörte nun den Herzögen von Jülich. Dieese verpfändeten sie um 1450 an ihren Gläubiger Wilhelm von Nesselrode. Dieser und sein Sohn Wilhelm II. bauten die Burg auf den Fundamenten der Ruine wieder auf.

Die Kinobesucher werden ziemlich viel Fassade sehen... / Foto: Burgerbe.de
Die Kinobesucher werden ziemlich viel Fassade sehen… / Foto: Burgerbe.de

Der Erzreichtum des Stolberger Tals hatte die Ritter angezogen. Die Nesselrode richteten die erste Eisenhütte im Ort ein.

Das von der Burg aus regierte Territorium Stolberg war die kleinsten Lehensherrschaft im Herzogtum Jülich, eine sogenannte Unterherrschaft.

Wegen der engen Grenzen gab es 150 Jahre lang Ärger mit dem Nachbarn, der Reichsabtei Kornelimünster. Die Burg wurde nach neuesten Erkenntnissen gebaut und erhielt einen Geschützturm, um Kanonen von Belagerern unter Beschuss nehmen zu können.

1496 fiel die Lehnsherrschaft und damit das Komando über die Burg an die Familie von Efferen, adelige Patrizier aus Köln.

Sie ließen unterhalb des Burgfelsens nach Eisenerz schürfen. Und sie förderten die Gründung von Hammerwerken, die die Wasserkraft nutzten, darunter war die Kupferschmiede Dollartshammer.

Stolberg wurde bald zur Waffenschmiede des Herzogtums. Der Dollartshammer lieferte Kanonenrohre und Munition.

Durch diverse Tore geht's zur Burg
Durch diverse Tore geht’s zur Burg

Im Oktober 1542 wurden die Waffen dann auch eingesetzt. Während der Geldrischen Fehde griffen die Männer von René de Chalon an.

Der Statthalter von Holland (einer der Erzieher von Kaiser Karl V.) hatte keine größeren Schwierigkeiten mit der Burg. Die Anlage wurde erobert und in Brand gesteckt, der Dollartshammer ausgeraubt.

Burgherr Hieronymus von Efferen sorgte 1544 für den Wiederaufbau. Er starb im Sommer 1552 in Heinsberg bei einer offenbar religiös motivierten Straßenschlacht.

Abendstimmung auf der Burg / Foto: Burgerbe.de
Abendstimmung auf der Burg / Foto: Burgerbe.de

Sohn Johann von Efferen stritt sich mit Kornelimünster um Schürfrechte. Er setzte auf religiöse Toleranz, um protestantische Facharbeiter aus dem nicht so liberalen Aachen anzuziehen.

Es funktionierte: Im Jahr 1600 schlugen im kleinen Stollberg bereits in 20 Kupfermühlen die Schmiedehämmer.

Doch während das Metallgewerbe florierte, verfiel die Burg. 1756 kamen Schäden durch ein Erdbeben hinzu. Handwerker richteten auf dem Gelände Werkstätten ein.

1863 hatten die letzten adeligen Besitzer genug von der Ruine, in der wegen des Einsturzrisikos eh niemand mehr wohnen durfte. Sie verkauften die Reste an die Eheleute Welter „zum Abruch“.

Den damals ca. 6500 Stolbergern war das offenbar ziemlich egal. Als die ersten Sprengladungen am früheren Geschützturm detonierten, regte sich in der Kupferstadt zumindest kein Protest.

Glücklicherweise verlor die Familie Welter das Interesse an Sprengungen und weiterem Abriss. 1888 verkauften sie an Moritz Kraus, einen örtlichen Metallwaren-Hersteller.

Heruntergekommen: Burg Stolberg 1887 / Bild: gemeinfrei
Heruntergekommen: Burg Stolberg 1887 / Bild: gemeinfrei

Architektonisch war es die Zeit des romantisierenden Historismus. Kraus schwärmte für das „Mittelalter“, das er sich als Paradies für Ritter vorstellte, die auf Disneyschlössern Turniere und Empfänge veranstalteten.

Solch eine Burg wollte er auch. Der Kölner Architekt Alfred Müller-Grah begann mit dem schlossartigen Wiederaufbau der Burg Stolberg – und ergänzte sie mit einer Vielzahl von Zier-Zinnen und Wehrgängen.

Auch die heute noch stehende Torburg entstand in dieser Zeit. Es war ein Riesen-Projekt. 25 Jahre lang wurde gewerkelt. 1909 schenkte Müller-Grah seine Fantasieburg schließlich der Stadt Stolberg – mit der Auflage seine begonnen Arbeiten zu Ende zu bringen.

Burg Stolberg 1906: Jede Menge Zinnen / Bild: gemeinfrei
Burg Stolberg 1906: Jede Menge Zinnen / Bild: gemeinfrei
Burg in Tarnfarben

Im Zweiten Weltkrieg wurde Stolberg schwer getroffen. In der in Tarnfarben angestrichenen Burg schlugen Granaten ein. Dachziegel waren massenhaft gestohlen worden, jetzt regnete es in die Dächer. Die Burg war sanierungsreif.

In Stolberg wurde schon laut darüber nachgedacht, dass man die Steine der Burg doch auch gut zum Wiederaufbau der Stadt nutzen könnte…

Doch inzwischen gab es im Städtchen auch viele Burg-Fans. Zudem hatte die Stadt sich bei der Annahme der Schenkung zum Erhalt des Denkmals verpflichtet.

Im Juni 1950 gründete Dr. Franz Willems, Rektor des Mädchengymnasiums, einen Verein zur Sanierung und zum Wiederaufbau der Burg. 1487 Stolberger traten bei.

In den Folgejahren wurden jährlich 40.000 D-Mark verbaut, die der Burgverein beschafft hatte, darunter viele Spenden.

Zum Kaffee auf Burg Stolberg / Bild: Selfe
Zum Kaffee auf Burg Stolberg / Bild: Selfe

Ziel des Vereins war, die Burg wieder so zu zeigen, wie sie im 16. Jahrhundert gewesen war. Allerdings wollte man auch nicht alle zu Anfang des 20. Jahrhundert gebauten Erweiterungen abreißen.

Zuallererst mussten die funktionslosen Zinnen dran glauben. 1956 war der Umbau vollendet.

In der Torburg befindet sich heute seit 1983 das Heimat- und Handwerker-Museum. Ins Palas ist ein Restaurant gezogen, das seit Januar 2019 von Serkan Sistermanns gepachtet ist.

Bislang war die Gastronomie nur am Wochenende offen. Das soll sich unter dem neuen Pächter ab März ändern.

Man darf gespannt sein, ob Kino-Besucher im August auch an Wochentagen noch etwas zu essen bekommen…

Weiterlesen:
Soja Essers berichtet in den Aachener Nachrichten (der Text ist nur ohne Adblocker oder nach Ansehen eines Werbefilms lesbar): Neue Filme vor altertümlicher Kulisse (Link zum Artikel)

Zur Burg-Historie findet sich ein Artikel bei Stolberg.de

Mehr zur Geschichte von Stadt und Burg im Blog Stolbergeschichte von Christian Altena.

Ein paar Videobilder:



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