CNN-Artikel: Das sind „Germany’s 10 best castles“


Deutschlands Castel-Top-10 bei CNN.com (Screenshot der mobilen Seite)
Deutschlands Castel-Top-10 bei CNN.com (Screenshot der mobilen Seite). Bild oben: Schloss Colditz / SKOMP46866 / Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Deutschland besteht in den großen US-Medien nicht nur aus Merkel, Hitler, Bier und dem Mauerfall. Es wird auch gern über Schlösser und Burgen berichtet. Für CNN stellt Reisejournalist John Malathronas jetzt „Germany’s 10 best castles“ vor (zwischen Burgen und Schlössern wird nicht unterschieden).

Nach welchen Kriterien er diese Auswahl getroffen hat, bleibt schleierhaft. Ausschlaggebend war wohl der Bekanntheitsgrad im angelsächsischen Sprachraum und die Qualität der Fotos.

Goldig ist der Einstieg: In Deutschland könne man kaum einen Pfeil abschießen, ohne eine Burg zu treffen. Probieren Sie das mal aus (falls Sie es nicht heute ohnehin schon getan haben).

Der Roman "Escape from Colditz" machte Schloss Colditz in USA und Großbritannien bekannt.
Der Roman „Escape from Colditz“ machte Schloss Colditz in USA und Großbritannien bekannt.

Auf Platz 1 steht zu meiner Überraschung nicht Schloss Neuschwanstein, sondern Schloss Colditz in Sachsen. Das liegt nun wohl daran, dass die Liste nicht nach Rang geordnet ist und Colditz nun mal mit dem Kriegsgefangenenlager-Bonus punkten kann. Der Colditz-Abschnitt ist denn auch mit „The impregnable Prison“ („das uneinnehmbare Gefängnis“) überschrieben.

Das Lage auf Schloss Colditz wurde im April 1945 von US-Truppen befreit, die sich von den Gefangenen erstmal tollkühne Geschichten über die geplante Flucht per Segelflieger anhörten.

Der Ottheinrichbau des Heidelberger Schlosses von 1556 / Foto: Burgerbe
Der Ottheinrichbau des Heidelberger Schlosses von 1556 / Foto: Burgerbe

An nächster Stelle folgt nun immer noch nicht Neuschwanstein, sondern erstmal Old Heidelberg, für das ja schon Mark Twain geschwärmt hat.

CNN-Leser wissen jetzt: Die Stadt mit der malerischen Schlossruine über dem Neckar, die im Sonnenuntergang kaugummifarben erstrahlt. Daher darf man das Schloss auch mit Fug und Recht „the most romantic of German castles“ nennen.

Bevor irgendein bayerisches Monument gewürdigt wird, richtet der Autor seinen Blick auf die Wartburg.

Die Wartburg / Bild: Burgerbe.de
Die Wartburg bei Eisenach / Bild: Burgerbe.de

Fürs US-Publikum bekannt aus der Wagner-Oper Tannhäuser und als Marin Luthers „office-in-exile“. Hinweise auf die Heilige Elisabeth von Thüringen und Luthers Bibelübersetzung hat John Malathronas auf den wenigen Zeilen nicht vergessen.

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Bevor König-Ludwig-Fans jetzt Schnappatmung bekommen, folgt dann doch endlich „The fairytale: Neuschwanstein“. Den US-Lesern wird im Gedächtnis bleiben, dass das Alpenschloss in erster Linie als Vorbild fürs Schneewittchenschloss in Disneyland diente.

Als nächstes geht der Blick nach Norden: Das Schweriner Schloss auf seiner Insel im Schweriner See hat es dem Autor (zu Recht) angetan.

Heute hat hier der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern seinen Sitz. Überschrift des Abschnitts bei CNN: „The island fort: Schwerin“.

Burg Frankenstein nahe Darmstadt im Odenwald / Foto: Burgerbe.de
Burg Frankenstein nahe Darmstadt im Odenwald / Foto: Burgerbe.de

Nicht fehlen darf in so einer Aufzählung natürlich Burg Frankenstein nahe Darmstadt. Wobei der Schreiber des Artikels einschränkt, dass „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley bei ihrer Deutschlandreise im Jahr 1814 wohl nie hier oben war.

Ihre Romangeschichte fußt wohl auf eine reichlich verzerrten Nacherzählung der Legende des auf der Burg experimentierenden Konrad Dippel…

Burg Altena wird sodann als Modell einer Burg-Jugendherberge (gegründet: 1912) präsentiert. Außerdem tauchen in der Liste von „Germany’s most intriguing castles“ noch auf: die Meersburg am Bodensee, die formidable Burg Eltz und Burg Hohenzollern in Schwaben.

Die Meersburg über Meersburg am Bodensee / Foto: Burgerbe.de
Die Meersburg über Meersburg am Bodensee / Foto: Burgerbe.de

Insgesamt eine durchaus kenntnisreich zusammengestellte Liste und ein humorvoll straffer Text, der mal nicht bei Wikipedia abgeschrieben ist. Mal kein rasch fabrizierter Clickbait.
Chapeau.

Die Heidelberger werden sich vielleicht über den Kaugummi-Vergleich ärgern (ihr Schloss zeigt sich abends „bubblegum-colored“), aber ich hatte wesentlich Schlimmeres erwartet…

Als „related Content“ bekommt man übrigens den Meinungs-Artikel „Why German bread is the best in the world“ angezeigt (Link zum Artikel). Tja, es gibt halt mehr als labberiges Weißbrot.

Weiterlesen:
Und hier geht’s zum Artikel auf CNN.com: „Germany’s 10 best castles



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