Schloss Bertholdsburg - Das Brunnenhaus wird saniert © Winfried Gaenssler

Schloss Bertholdsburg: 300.000 Euro fürs Brunnenhaus

Brunnenhaus von Schloss Bertholdsburg in Schleusingen © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Siebert
Brunnenhaus von Schloss Bertholdsburg in Schleusingen © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Siebert / Foto oben: Schloss Bertholdsburg / Wikipedia / © Winfried Gaenssler / CC-BY-SA 3.0

Das architektonisch bedeutsame Brunnenhaus von Schloss Bertholdsburg aus dem 16. Jahrhundert ist arg heruntergekommen. Nun soll es für 300.000 Euro saniert werden. Schloss und Brunnenhaus gehören der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

250.000 Euro von den jetzt bereit gestellten Mitteln stammen von einer zweckgebundenen Einzelspende, die bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eingegangen war.

Schloss Bertholdsburg im südthüringischen Schleusingen war seit dem 13. Jahrhundert die Residenz der Grafen von Henneberg.

Innenhof der Bertholdsburg / Foto: Wikipedia / Krajo / CC-BY-SA 3.0
Innenhof der Bertholdsburg / Foto: Wikipedia / Krajo / CC-BY-SA 3.0

Die heutige vierflügelige Anlage mit Ecktürmen und ihrer Renaissanceausmalung prägt gemeinsam mit der benachbarten Kirche die Silhouette des Städtchens.

Das seit 1934 als Museum genutzte städtische Wahrzeichen beeindruckt durch eine Mischung aus mittelalterlich-wehrhafter Burganlage und frühneuzeitlichem Renaissanceschloss-Charakter„, heißt es von der Stiftung Denkmalschutz.

Mit dem Residenzausbau im 16. Jahrhundert entstand auch das Brunnenhaus im Schlossgarten als achteckiger Sandstein-Turm mit Zeltdach. Dem Innenraum verleiht das gemauerte Rippengewölbe eine beinahe sakrale Wirkung, die von den auf der Innenseite als Spitzbögen formulierten Arkaden unterstrichen wird.

Das ebenerdige Brunnenbecken umgeben im Erdgeschoss offene Arkaden auf Rundsäulen. Eine außen angesetzte Holztreppe erschließt das Obergeschoss.

Blick von Schleusingen auf Schloss Bertholdsburg / Foto: Wikipedia / Krajo / CC-BY-SA 3.0
Blick von Schleusingen auf Schloss Bertholdsburg / Foto: Wikipedia / Krajo / CC-BY-SA 3.0

Bis auf die Zugangsseite sind alle Wände mit renaissancetypischen Zwillingsfenstern durchbrochen, was dem ansonsten massiv wirkenden Bau eine gewisse Leichtigkeit verleiht.

Das architektonisch außergewöhnlich reich gestaltete Brunnenhaus spielt auf die Gründungssage von Schleusingen und der Bertholdsburg an – aus der Zeit als Magie in Thüringen noch an der Tagesordnung war.

Es geht um die Tochter Nixe, die die Quellen der Bäche Erle, Nahe und Schleuse behütet. Diese wurde verzaubert und durch einen Jäger erlöst, der sich als Graf entpuppte und sie sogleich heiratete.

Die Zauberformel „Sie liebe und siege“ nutzte der junge Ehemann für die von ihm in der Nähe der Quellgrotte gegründete Stadt, die er nach den Anfangsbuchstaben der Zauberformel „SLUS“ Schleusingen genannt habe.

Der 36 Meter hohe Turm von Schloss Bertholdsburg / Foto: Wikipedia / Krajo / CC-BY-SA 3.0
Der 36 Meter hohe Turm von Schloss Bertholdsburg / Foto: Wikipedia / Krajo / CC-BY-SA 3.0

Bauherr der Burg war in den Jahren 1226 bis 1232 Graf Poppo VII. von Henneberg. Das Ländchen wurde 1274 dreigeteilt. 1284 erbte Graf Berthold VII. als Zwölfjähriger Burg und Land Henneberg-Schleusingen.

Er sollte 56 Jahre lang regieren und konnte das Territorium durch Heiratspolitik verdoppeln. Der in den Reichsfürstenstand erhobene Graf war ein enger Vertrauter von Kaiser Ludwig IV. und nach dessen Tod von 1323 bis 1330 sogar Vormund von dessen ältesten Sohn Ludwig, später genannt „der Brandenburger“.

Von Berthold VII. leitet sich auch der Name der Burg ab. Das Gemäuer war den Hennerberger Grafen und speziell ihren Gattinnen auf Dauer zu trist und altmodisch.

Graf Wilhelm VI. ließ es daher um 1500 zum Renaissanceschloss umbauen (wobei der burgartige Charakter noch ergakten blieb). 1583 starben die Henneberger mit Graf Georg Ernst in der männlichen Linie aus, und das Gebiet fiel an Kursachsen.

1597 ließen die Sachsen einen 36 Meter hohen Turm anbauen, von dem man heute eine phänomenale Aussicht hat.

Nixen-Töchter kamen da längst nicht mehr vorbei. Sicherheitshalber verfolgte die Obrigkeit im Mini-Staat im 17. Jahrhundert intensiv Hexen und Magier (kein Witz, das Henneberger Land war einer der Schwerpunkte der Hexenverfolgung in Thüringen)

Das Tor zum Schlosskomplex / Foto: Wikipedia / Krajo / CC-BY-SA 3.0
Das Tor zum Schlosskomplex / Foto: Wikipedia / Krajo / CC-BY-SA 3.0

1657 kam das Territorium an Sachsen-Zeitz. Die Bertholdsburg blieb Sitz der Verwaltung. Zweimal (1685 und 1765) wäre das Burgschloss fast abgebrannt. Doch die Feuer konnten gerade noch gelöscht werden, bevor sie außer Kontrolle gerieten.

Ab 1815, in Folge des Wiener Kongresses, übernahmen die Preußen im Henneberger Land das Ruder. Der von ihnen neu gebildete Kreis Schleusingen wurde bis 1929 von Schloss Bertholdsburg aus verwaltet.

Fünf Jahre später, 1934, öffnete Schloss Bertholdsburg als Museum für die Geschichte der Region. 1988 kam ein Naturhistorisches Museum mit rund 100.000 in Thüringen gefundenen Fossilien, Mineralien, Knochen, etc. hinzu.

Schloss Bertholdsburg gehört seit 1994 der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Sein a href=“https://www.museum-schleusingen.de/“>naturhistorischen Museum Schleusingen gilt heute als eines der modernsten im Bundesland.

Hier ein paar YouTube Bilder von Schloss Bertholdsburg:

Quelle:
Dieser Text geht beim Thema Brunnenhaus und der Baubeschreibung von Schloss Bertholdsburg weitgehend auf einer Pressemitteilung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zurück: „Fördervertrag fürs Brunnenhaus von Schloss Bertholdsburg in Schleusingen“ (Link zur Pressemitteilung)



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