Auf Burg Querfurt wird gegraben: Blick auf den Dicken Heinrich / Foto: Burgerbe.de

Burg Querfurt-Grabung: Zehn Skelette und Reste vom Luxusofen

Ein kleiner Teil der Burg Querfurt-Grabung nah beim "Dicken Heinrich" / Foto: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt / Foto oben: Burgerbe.de
Burg Querfurt Grabung: Das Areal am „Dicken Heichrich“ / Foto: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt / Foto oben: Burgerbe.de

Auf Burg Querfurt in Sachsen-Anhalt läuft seit Juni 2018 eine archäologische Grabung auf einer 5000 Quadratmeter großen Fläche. Jetzt gab es dazu einen Pressetermin.

Die Zahl der Funde geht in die Hunderte. Kein Wunder, schließlich ist das Gelände der Burg, einer der größten Deutschlands, seit mehr als tausend Jahren bewohnt.

Freigelegt wurde unter anderem ein Gräberfeld, wohl aus dem 17. Jahrhundert, Scherben und Kugeln aus Kanonen und Büchsen etwa aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Neu entdeckte Fundamente deuten auf einen bislang unbekannten früheren Eingang zur Burg hin.

Möglich wurde die vergleichsweise groß angelegte Grabung des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, da ohnehin Wege auf dem weitläufigen Burggelände erneuert werden müssen.

Blick auf Burg Querfurt / Foto: Burgerbe.de
Blick auf Burg Querfurt / Foto: Burgerbe.de

Zur Zeit behindern Temperaturen von mehr als 30 Grad und wochenlange Trockenheit die Arbeit von Grabungsleiterin Madeleine Fröhlich und ihrem Team: Der Boden ist steinhart.

Die Grabungen begannen im Bereich der Westtoranlage. Dort wurde zwischen den Kasematten und der Umfassungsmauer des Turms „Dicker Heinrich“ eine teils mehr als einen Meter starke Verfüllschicht gefunden.

Als nächstes soll auf Brug Querfurt im Bereich des ehemaligen Brunnens gegraben werden. / Foto: Burgerbe.de
Als nächstes soll auf Brug Querfurt im Bereich des ehemaligen Brunnens gegraben werden. / Foto: Burgerbe.de

Sie stammen offenbar aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg als hier eifrig gebaut wurde oder späteren Jahrzehnten.

Die Archäologen sieben sich aktuell durch Tonnen dieses historischen Bauschutts. Für heutige Forscher wird der historische Abraum schon mal zur Goldgrube.

So entdeckten sie Bruchstücke dreier Öfen, darunter dunkelgrün glasierten Ofenkacheln mit Herstelleraufschrift. „Hans Bermann“ steht da zu lesen.

Dieser Name in Verbindung mit einer Jahreszahl wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundertsoft als eine Art Qualitätsmarke. Ein Bermann-Ofen war ein Statussymbol.

Blick auf Burg Querfurt. Foto: Burgerbe.de
Blick auf Burg Querfurt, eine der größten Burganlagen Deutschlands. Foto: Burgerbe.de

Auf den Ofenkacheln sehen sind unter anderem Darstellungen der Aposteln. Weitere Kleinfunde aus diesem Areal der Westtoranlage sind Fragmente von Tonpfeifen, feinen Gläsern sowie Murmeln oder einfache Gebrauchskeramik.

Zeugen für den Beschuss der Westtoranlage im Dreißigjährigen Krieg sind das Fragment einer Mörsergranate, eine steinerne Kanonenkugel sowie viele kleinere Bleiprojektile.

Auch für die Mauern interessieren sich die Forscher. Resümee des Landesamts: „Bevor die beeindruckende Westtoranlage mit ihren Kasematten entstand, muss es eine andere Eingangssituation zur Burg gegeben haben.

Davon zeugen quer liegende Mauern im heutigen Innenhof und ein Fundament, das als Widerlager für eine Brückenkonstruktion gedient habe kann“.

Eingang zur Burg Querfurt / Foto: Burgerbe.de
Eingang zur Burg Querfurt / Foto: Burgerbe.de

Innerhalb des Areals zwischen der Burgkirche und dem Museum wurden knapp unterhalb der Pflasterung bislang zehn Gräber vermutlich aus der Zeit des Barock gefunden.

Die Skelette liegen nur wenige Zentimeter unterhalb der Straße und wurden durch Leitungsarbeiten bereits zum Teil beschädigt.

In einem Fall konnte ein hölzerner Sarg mit Beschlägen aus Eisen nachgewiesen werden. Andere Tote wurden wohl nur in ein Tuch gewickelt bestattet.

Aktuell wird die Fläche rund um den Burgbrunnen für die Ausgrabung vorbereitet. Hier befanden sich mehrfach umgebaute Wirtschaftsgebäude, deren Grundmauern und Fußböden erhalten sind.

Stück für Stück füllen die Grabungsergebnisse Wissenslücken zur Burggeschichte. Fazit der Forscher: „Die bisherigen Untersuchungsflächen sind Teil eines Puzzles, das sich mit Fortschreiten der Ausgrabungen immer mehr zu einem Gesamtbild verdichten wird“.

Die Wegeerneuerung, neue die Verlegung neuer Leitungen und die Ausgrabung sollen rund 3,5 Millionen Euro kosten. Das Geld stellt der Landkreis Saalekreis zur Verfügung, es kommt überwiegend aus Fördergeldern. Burgbesucher müssen während der nächsten Wochen mit Einschränkungen rechnen.

Burg Querfurt wird auch gern als Drehort genutzt. Zuletzt war die Anlage Filmkulisse für das TV-Weihnachtsmärchen „Die zertanzen Schuhe“.

Mehr zur Burg Querfurt Grabung:
Der MDR Sachsen-Anhalt berichtet: „Hunderte archäologische Funde auf Burg Querfurt“
Michael Betram schreibt in der Mitteldeutschen Zeitung: „Burg Querfurt: Was an den gefundenen Skeletten besonders ist

Quelle:
Diesem Text liegt eine Pressemitteilung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt zur Präsentation der erste Grabungsergebnisse zu Grunde. Sie ist hier zu finden.



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