Halbes Schloss Langenleuba / Foto: Wikipedia / JWaller / CC-BY-SA 3.0

Versteigerung: Ein Halbes Schloss ab 1000 Euro

Das "Halbe Schloss" wird mal wieder verkauft / Foto (und Foto oben): Wikipedia / Jwaller / CC-BY-SA 3.0
Das „Halbe Schloss“ wird mal wieder verkauft / Foto (und Foto oben): Wikipedia / Jwaller / CC-BY-SA 3.0

Ein Dresdner Auktionshaus hat den Auftrag bekommen, das Halbe Schloss in Langenleuba-Niederhain zu versteigern. Es gehört einem Spanier. Die Auktion findet bis zum 4. Juni 2018 statt.

Als Startgebot für das völlig heruntergekommene Gebäude mit 1340 Quadratmeter Nutzfläche und 4100 qm Grundstück hat die Sächsische Grundstücks-Auktionen AG nur 1000 Euro festgesetzt.

Ein Schnäppchen? Nunja, gerade ist das Schloss von der örtlichen Bauaufsicht wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt worden.

Laut MDR Thüringen steht – sollte sich ein Käufer finden – der vierte Besitzerwechsel innerhalb von nur drei Jahren an. 2015 kam das Schloss übrigens für 22.000 Euro unter den Hammer, gestartet war man mit 5000 Euro.

Der Versteigerer schwärmt derweil von der „zahlreichen, originalen Ausstattung“ aus der Barockzeit, die das Schloss noch beherberge.

Das Halbe Schloss auf einem Stahlstich um 1850 / Bild: gemeinfrei
Das Halbe Schloss auf einem Stahlstich um 1850 / Bild: gemeinfrei

Das Halbe Schloss ist eines der typischen Beispiele für eine misslungene Privatisierung. Der Besitzer, der im Herbst 2015 die Versteigerung anstrengte, war nämlich die bundeseigene Gesellschaft für Immobilienaufgaben. Deren Beitrag zum Denkmalschutz: Sie ließ ein grünes Netz über Teile der reich verzierten Fassade spannen, damit niemand von herabfallenden Teilen verletzt würde.

Dann ließ sie das Schloss mit dem kuriosen Namen versteigern: In der Hoffnung, ein Schnäppchenjäger würde in die Substanz investieren. Die durch Untätigkeit drohende Gefahr war bestens bekannt. Die Immobilie steht seit 2014 auf die Liste der gefährdeten Kulturgüter in Thüringen.

Die Bundesgesellschaft verkaufte damals also an einen Privatmann. Der 1800-Einwohner-Flecken Langenleuba-Niederhain sah sich außerstande, sein Vorkaufsrecht auszuspielen.

Daraufhin passierte jahrelang … nichts. Bis heute. Vielleicht ändert sich das ja mit einem neuen Schlossherren, bzw. einer neuen Schlossherrin…

Das Schloss geht auf eine mittelalterliche Wasserburg zurück. Das heutige Schloss entstand daraus in den Jahren 1707 bis 1711 im Auftrag von Johann von Kuntsch. Er ließ ein von Wasser umgebenes Barockschloss als Vierflügelanlage im Regence-Stil ins Altenburger Land setzen. Als Zentrum eines Ritterguts.

1838 ließ die Familie den Südflügel der Anlage abreißen und den Wassergraben verfüllen. Der stehengebliebene, dreiflügelige Rest wird seitdem „Halbes Schloss“ genannt. Die Nachfahren der von Kuntsch hatten das Schloss in eine Familienstiftung gegeben. Sie wurden 1946 durch die sowjetische Besatzungsmacht enteignet. Das Schloss wurde eine „volkseigene“ Immobilie.

Zu DDR-Zeiten wurde das Schloss u.a. bis 1965 als Schule genutzt. Seit 1980 steht es leer. Die Wirtschaftsgebäude blieben erhalten.

PS: Wer sich das Steigern sparen will: Das Auktionshaus hat das Schloss für 1000 Euro im Portal Immobilienscout24 eingestellt: „Herrenhaus „Halbes Schloss“ in Langenleuba-Niederhain

Und hier ein paar Videoaufnahmen:

Weiterlesen:
Hier geht es zum Bericht des MDR Thüringen zum geplanten Schlossverkauf: „,Halbes Schloss‘ im Altenburger Land wird wieder versteigert

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