Burg Vlotho

Burg Vlotho: Weiter Blick über die Weser

Gewölbe von Burg Vlotho / Fotos: Burgerbe.de
Gewölbe von Burg Vlotho / Fotos: Burgerbe.de

Auf einem Felsen hundert Meter über der Weser südlich von Minden liegt Burg Vlotho. Beziehungsweise das, was von ihr wieder aufgebaut worden ist.

Im Mittelalter war das eine exzellente Lage, um die Schiffahrt und die nahegelegene Straße zu überwachen und von durchreisenden Kaufleuten Gebühren zu kassieren.

Burg-Erbauer Graf Heinrich von Oldenburg fand hier oben 1250 wohl schon einiges an Ruinen vor. Unter den Karolingern war auf dem Felsen um 850 ein befestigter Königshof angelegt worden.

Die von einem modernen Dach geschützte rekonstruierte Ruine ist heute eher etwas für hartnäckige Burgenfreunde. Reizvoll ist hingegen die weite Aussicht über die Weser.


Aussicht vom Burgberg über die Weser
Aussicht vom Burgberg über die Weser

Der zentrale Raum der Burg ist modern überdacht.
Der zentrale Raum der Burg ist modern überdacht.

Die Burg bestand in ihrer ursprünglichen Form keine 120 Jahre lang. Bereits 1368 stürmten Truppen der Stadt Minden bei einer Fehde gegen die Grafschaft Lippe den Burgberg.

Da half der Burgbesatzung auch ihr fast 70 Meter tiefer Brunnen nichts. Die Mindener zerstörten die Burg und das Städtchen Vlotho.

Wie die hochmittelalterliche Burg Vlotho genau ausgesehen hat, weiß man nicht. Dazu gibt es nur Mutmaßungen.

Die Burg im heutigen Kreis Herford wurde nach der Zerstörung wieder aufgebaut, schließlich diente sie als Amtssitz zur Verwaltung der Umgebung. Im Jahr 1609 kam es dann zu einem Herrschaftswechsel: Vlotho und seine Burg kommen zu Brandenburg.

Die Burgmauern wurden 1936 wieder aufgebaut.
Die Burgmauern wurden 1936 wieder aufgebaut.

Bis zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs blieb die Burg konstant von wechselnden Truppen besetzt. Entsprechend desolat war anschließend ihr Zustand. 1660 zogen die letzten brandenburgischen Soldaten ab.

1709 gab das Königreich Preußen die Burg für 172 Taler zum Abbruch frei.

Die Häuslebauer der Umgebung kauften hier gern ihre Steine. Nur Gefängnis und Scheune für die Abgaben bleiben stehen. Das restliche Burggelände wurde planiert.

Gefangene ließen die Preußen bis 1868 auf der Burg. Dann war Schluss mit der staatlichen Nutzung. 1889 kaufte die Staft Vlotho Burg und Berg.

Eine Dach-Konstruktion schützt die Burgmauern.
Eine Pavillon-Konstruktion schützt die Burgmauern.

Zu dieser Zeit gab es hier oben bereits eine Gastwirtschaft. Die Besucher verlangten vehement nach musikalischer Unterhaltung – also wurde 1898 eine Konzertmuschel auf dem Burggelände hochgezogen.

1922 erweiterte die Feuerwehr diese Muschel zu einem Pavillon. Marsch- und Tanzmusik und die beliebten Wagner-Klänge waren kilometerweit zu hören, was den Nachbarn im Wesertal ziemlich auf die Nerven ging.

Die Nazis suchten auf der Burg nach Spuren des „germanischen Erbes“ (vor 2000 Jahren existierte hier eine Wallburg). 1936 bis 1939 wurde ein Teil der Mauer wieder aufgebaut und der Burgbrunnen bis auf eine Tiefe von 63 Metern freigelegt (er ist heute sicher versperrt).

Der gut gesicherte Tiefbrunnen der Burg Vlotho.
Der gut gesicherte Tiefbrunnen der Burg Vlotho.

Kaum war die Bundesrepublik gegründet, regte sich wieder die Lust auf Heimatmusik-Beschallung für Burg und Umland.

Der Pavillon, den die Feuerwehr 1949 errichtete, erregte jahrzehntelang Proteste der Nachbarn. Erst im Jahr 2000 wurde er abgebrochen und durch eine akustisch schonendere Zeltbühne ersetzt, die hier heute noch steht.

Essen & Trinken
Neben der Burg liegt heute wieder ein Restaurant mit Biergarten, Pächter ist der bekannte Gastronom Friedrich Hempelmann. Davor findet sich ein großer Parkplatz.



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