Schloss Laudon Wien

Wiener Schloss Laudon steht zum Verkauf

Sieger Ernst von Laudon auf dem Schlachtfeld von Kunersdorf. Dafür belohnte ihn die Kaiserin mit einer Geldspritze beim Kauf von Schloss Laudon / Bild: gemeinfrei / Foto oben: Wikipedia / Haeferl / CC-BY-SA 3.0 at
Sieger Ernst von Laudon auf dem Schlachtfeld von Kunersdorf. Dafür unterstützte ihn die Kaiserin beim Kauf von Schloss Laudon / Bild: gemeinfrei / Foto oben: Wikipedia / Haeferl / CC-BY-SA 3.0 at

Das einstige Luxushotel Schloss Laudon im Westen von Wien steht zum Verkauf. Das meldet der Standard. Welchen Betrag die Besitzer fordern ist vertraulich, es dürfte aber um mehrere Millionen Euro gehen.

Das nach dem mehrfachen Preußen-Bezwinger Feldmarschall Ernst Gideon von Laudon (1717-1790) benannte Schloss in Wien-Hadersdorf (14. Bezirk) ist seit 40 Jahren an die Republik Österreich verpachtet und nicht öffentlich zugänglich.

Hier sitzt in edlem Ambiente die Verwaltungsakademie des Bundes, ein Weiterbildungszentrum für österreichische Beamte und öffentliche Angestellte.


Innenhof von Schloss Laudon / Foto: Wikipedia / Haeferl / CC-BY-SA 3.0 at
Innenhof von Schloss Laudon / Foto: Wikipedia / Haeferl / CC-BY-SA 3.0 at

Das frühbarocke Wasserschloss hat eine Fläche von 2700 Quadratmeter, das dazugehörige Parkgrundstück umfasst 84.000 Quadratmeter.

Das Schloss geht wohl auf eine mittelalterliche Befestigung zurück. Belegt ist, dass hier ab dem 14. Jahrhundert Forstmeister saßen, die für den Wienerwald zuständig waren.

Dieses Jagdhaus befand sich außerhalb der Wiener Stadtmauern, was in Kriegszeiten ungünstig war: Bei der Ersten Wiener Türkenbelagerung wurde ein Vorgängerbauwerk des heutigen Schlosses 1529 denn auch zerstört, bei der zweiten Türkenbelagerung 1683 beschädigt.

Zwischenzeitlich gaben sich hier höchste Kreise der Habsburger-Monarchie die Klinke in die Hand: 1654 hatte Eleonora von Mantua, die dritte Frau von Kaiser Ferdinand III., das Anwesen erworben.

Schloss Laudon auf Google Maps:

Der Feldherr und spätere Schlossherr Gideon Ernst von Laudon, hier auf einem Bild aus dem Wieder Heeresgeschichtlichen Museum. Foto: gemeinfrei
Der Feldherr und spätere Schlossherr Gideon Ernst von Laudon, hier auf einem Bild aus dem Wieder Heeresgeschichtlichen Museum. Foto: gemeinfrei

Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel, die Mutter von Kaiserin Maria-Theresia, verbrachte hier 1708 ihre Hochzeitsnacht. Allerdings ohne ihren frisch angetrauten Karl, der weilte in Spanien (es war eine Ferntrauung).

1744 erhielt das Schloss durch Franz Wilhelm Schellerer seine heutige Gestalt. Feldmarschall Laudon (eigentlich Loudon) kaufte das damalige Schloss Hadersdorf 1776 mit finanzieller Unterstützung von Maria-Theresia. Er wohnte hier, wenn er nicht gerade auf Feldzügen weilte.

Am Kaminfeuer erzählte der alte Haudegen immer wieder, wie er am 12. August 1759 als österreichischer Oberbefehlshaber in der Schlacht bei Kunersdorf die Preußen unter Friedrich den Großen geschlagen und so um ein Haar den Siebenjährigen Krieg gewonnen und die Provinz Schlesien zurückgeholt hätte.

Wenn er doch nur auf Berlin marschiert wäre, statt sich mit den anderen Befehlshabern über das weitere Vorgehen zu zerstreiten und sinnlos im Spreewald herumzumarschieren.

Genau ein Jahr später verlor er mit 32.000 Mann die Schlacht bei Liegnitz gegen nur 16.000 Preußen, was Laudon seinen politischen Gegnern, speziell dem Grafen von Lacy, zur Last legte.

1672: Als Schloss Laudon noch Schloss Hadersdorf hieß / Foto: gemeinfrei
1672: Als Schloss Laudon noch Schloss Hadersdorf hieß / Foto: gemeinfrei
Tor zu Schloss Laudon  / Foto: Wikipedia / Haeferl / CC-BY-SA 3.0 at
Tor zu Schloss Laudon / Foto: Wikipedia / Haeferl / CC-BY-SA 3.0 at

1789, gerade mit reicher Beute von der Eroberung Belgrads von den Türken zurückgekehrt, machte sich der alternde Laudon an Planungen für ein Grabmal im türkischen Stil im ausgedehnten Schlosspark.

Als er 1790 starb, entschied sich seine Witwe dann doch lieber für einen klassizistische Grabtempel mit Skulptur Laudons als gefallenem Ritter.

Die Inneneinrichtung aus der Laudon-Zeit ist in der Bibliothek erhalten. Die Nachkommen des Feldmarschalls bewohnten das um einen quadratischen Innenhof gruppierte Schloss bis ins Jahr 1925.

Dann kaufte der Großindustrielle Dr. Otto Pollack Edler von Parnegg die Anlage. Nach dem „Anschluss“ Österreichs verschleppten die Nazis Parnegg in ein Konzentrationslager, wo er 1938 starb. Das Schloss wurde „arisiert“.

Üppig: Saal im Schloss Laudon / Foto: Wikipedoa / Christian Thalmayr / CC-BY-SA 4.0
Üppig: Saal im Schloss Laudon / Foto: Wikipedoa / Christian Thalmayr / CC-BY-SA 4.0

Den sowjetischen Besatzungstruppen gefiel das Anwesen gleich. Sie richteten hier von 1945 bis 1955 eine Kommandantur ein. Danach erhielten die Söhnen Parneggs das Schloss zurück. Sie hatten kein Interesse an der Immobline und verkauften diese 1960 an die Erzdiözese Wien verkauft.

Die Kirchenleitung sah die Chance, Kasse zu machen. Sie ließ das historische Mobiliar versteigern und verkaufte das leere Schloss im gleichen Jahr weiter an den Kaffee- und Tee-Importeur Konsul Alfred Weiß.

Weiß ließ die Gebäude umfangreich sanieren. 1962 bis 1973 betrieb er hier ein Luxushotel. 1976 pachtete dann der Staat das Schloss für seine Verwaltungsakademie.

Wer kein Staatsangestellter ist, kann Räume im Schloss auch als Hochzeitslocation mieten.

Wem das Schloss aktuell gehört, weiß ich nicht. Ich vermute, den Erben von Weiß.

Hier Bilder einer Konzertprobe im Schlosssaal:

Weiterlesen:
Der Standard schreibt: „Schloss Laudon: Neuer Besitzer für Wiener Wasserschloss gesucht“ (Link zum Artikel)
Weitere Infos im „Wien Geschichte Wiki“: Hadersdorfer Schloss
Fotos vom Schloss auf der Seite Wehrbauten.at

Lage:
Schloss Laudon
Mauerbachstr. 43
1140 Wien



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