Gedenken auf Burg Hohnstein / Foto: AKuBiZ e.V.

Gedenktag: Als Burg Hohnstein zum KZ wurde

Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz / Foto: Wikipedia / Dr. Bernd Gross / CC-BY-SA 3.0
Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz / Foto: Wikipedia / Dr. Bernd Gross / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben: AKuBiZ e.V.

Am 8. März 1933, wenige Tage nach dem Reichstagsbrand, besetzte ein SA-Trupp Deutschlands damals größte Jugendherberge: die Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz. Jugendburg-Leiter Konrad Hahnewald wurde verhaftet.

Die Nazis machten die Burganlage mit ihren ursprünglich 1000 Übernachtungsplätzen zu einem provisorischen KZ und pferchten 5600 Häftlinge, die sie in Pirna, Sebnitz, Bad Schandau oder Heidenau verschleppt hatten.

Zu einer Veranstaltung in Erinnerung an die Verbrechen vor 85 Jahren hat am Samstag der Pirnaer Verein Alternatives Kultur- und Bildungszentrum AKuBiZ eingeladen.

Gedenkveranstaltung für die NS-Opfer von Burg Hohenstein / Foto: AKuBiZ e.V.
Gedenkveranstaltung für die NS-Opfer von Burg Hohenstein / Foto: AKuBiZ e.V.

Eine Woche nach der Besetzung der Burg später kamen die ersten Lkw mit Häftlingen an. Die Inhaftierten mussten Zwangsarbeit leisten: am Rathaus, am Sportplatz, im Steinbruch oder beim Straßenbau.

Die Kolonnen zogen unter Bewachung durch die Stadt – deutlich sichtbar. Es war die Zeit des Ermächtigungsgesetzes (24. März 1933), mit der die Nazis die Verfassung der Weimarer Republik aushebelten.

Die Öffentlichkeit wurde im April 1934 durch einen Bericht einen Bericht im Prager Rundfunk über das KZ Hohnstein informiert. Der Hohnsteiner Pfarrer Walter Schumann beschwerte sich bei verschiedenen Stellen über die Behandlung der Gefangenen. Dies führte zu seiner Amtsenthebung.

Burg Hohnstein thront auf einem Sandsteinfelsen. Foto: Wikipedia / Diether / CC-BY-SA 3.0 /
Burg Hohnstein thront auf einem Sandsteinfelsen. Foto: Wikipedia / Diether / CC-BY-SA 3.0 /

Der Verein AKuBiZ hatte zu einer Gedenkwanderung zur Burg eingeladen: „Unser Verständnis von Gedenken heißt, sich die Erinnerungsorte zu erschließen. Dies bedeutet eben nicht mit dem Auto bis vor die Tür zu fahren„, sagt der Vorsitzende Steffen Richter.

Schließlich zählte man 70 Teilnehmer. Darunter waren auch mehrere Angehörigen ehemaliger Häftlinge. So wie Roland Hering, Enkel des in Hohnstein ermordeten Martin Hering aus Struppen.

Die am Ende fast 100 Erschienenen legten sie Blumen und Gebinde an der Gedenkstele nieder. Eine Tafel erinnert an die Stelle, an der fünf Häftlinge zum tödlichen Sprung vom Burgfelsen gezwungen wurden.

Es folgte eine Führung zur Geschichte des Frühen KZ Hohnstein über die Burg.

Burg Hohnstein im Winter / Foto: Wikipedia / Norbert Kaiser / CC-BY-SA 3.0
Burg Hohnstein im Winter / Foto: Wikipedia / Norbert Kaiser / CC-BY-SA 3.0

Die 10. Klasse des Radebeuler Luisenstifts hat im Rahmen eines Schulprojekts 20 Tafeln zur Burggeschichte ersstellt, die sie nun an Bürgermeister Daniel Brade übergaben. Sie sollen nun auf der Burg oder im Rathaus gezeigt werden.

Das Lager wurde 1934 wieder geschlossen. 1935 öffnete die Hitlerjugend auf der Burg eine „Reichsjugendherberge“. Ab Oktober 1939 diente die Burg als Gefangenenlager für alliierte Soldaten.
Die „Schwarz-Roten Bergsteiger*innen“ aus Dresden haben zu dem Thema recherchiert und stellten am Samstag ihre Ergebnisse vor.

Die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen ist wichtiger denn je. Diese werden wieder zunehmend relativiert oder beschönigt. Dem gilt es offen und mit aller Klarheit zu begegnen. Der Tag in Hohnstein war für uns eine wichtige Erfahrung und Bestärkung für unsere Arbeit„, sagte der Vereinsvorsitzende.

Heute ist die Burg ein Jugendgästehaus mit 160 Betten (Biker sind ausdrücklich willkommen).

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Vereins AKuBiZ Pirna.

Weiterlesen:
Mehr zur Geschichte von Burg Hohnstein hier im Blog.



Ein Gedanke zu „Gedenktag: Als Burg Hohnstein zum KZ wurde“

  1. Ebenfalls am Sonntag fand im Dresdner Kabarett Breschke & Schuch am Wettiner Platz 10 (Eingang Jahnstraße), 01067 Dresden eine Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung in Dresden vor 85 Jahren, am 8. März 1933 statt.
    Dabei erzählte Gabriele Hahn, Enkelin von Konrad Hahnewald, Leiter der Jugendherberge und erster Häftling im KZ Hohnstein über das Leben ihres Großvaters und Großonkels Edgar Hahnewald, Journalist und Autor.
    https://www.facebook.com/pressebueronaumann/posts/1580106132105768

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