Schloss Lindenau / Foto: Wikipedia /  Z thomas / CC-BY-SA 3.0

Streit um Schloss Lindenau – Gemeinde wird Eigentümerin

Parkseite von Schloss Lindenau / Foto: Wikipedia / LutzBruno / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben: Wikipedia /  Z thomas / CC-BY-SA 3.0
Parkseite von Schloss Lindenau / Foto: Wikipedia / LutzBruno / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben: Wikipedia / Z thomas / CC-BY-SA 3.0

Seit acht Jahren streitet die Gemeinde Lindenau (Oberlausitz) mit dem Käufer von Schloss Lindenau über die Eigentumsrechte. Nun hat die Kommune einen wichtigen Etappensieg erreicht.

Das Gericht entschied, dass die 741-Einwohner-Kommune als Eigentümerin des Schlosses ins Grundbuch eingetragen wird. Das berichtet die Lausitzer Rundschau.

Doch der bisherige Schlossbesitzer kann noch Rechtsmittel einlegen und die Schlosstore zunächst bis zur Rechtskraft des Urteils weiter geschlossen halten.

Geht es nach der Gemeinde, dann soll das leer stehende Schloss Lindenau nach Klärung der rechtlichen Situation erneut verkauft werden – diesmal will man sich allerdings besser für den Fall absichern, dass der neue Schlossbesitzer seine Zusagen nicht einhält.


Eine Postkarte vom Schloss aus dem Jahr 1988 / Foto: Wikipedia / Brück & Sohn Kunstverlag Meißen / CC-BY-SA 3.0
Eine Postkarte vom Schloss aus dem Jahr 1988 / Foto: Wikipedia / Brück & Sohn Kunstverlag Meißen / CC-BY-SA 3.0

Das Schloss geht zurück auf eine Turmhügelburg aus der Zeit um 1200. Es handelte sich um eine Grenzburg zwischen dem Territorium Oberlausitz und der Markgrafschaft Meißen, deren Gebiet auf dem anderen Ufer der Pulsnitz begann.

Die gotschische Burg baute Loth Gotthard von Minckwitz 1584 zu einem rechteckigen Renaissance-Schloss. Angesichts von Bauernunruhen blieb es bei einem eher burgartigen, wehrhaften Charakter. 1609 kam noch ein Turm hinzu, sogar mit Uhr, 1690 sicherheitshalber ein Torhaus.

Ab 1744 gehörte das Schloss dem ab 1746 kurfürstlich-sächsischen Premierminister Heinrich von Brühl. Er residierte auf Schloss Pförten, wenn er nicht gerade im polnischen Exil weilte, um den preußischen Besatzern unter ihrem raublustigen König Friedrich zu entgehen.

1833 kan das Schloss in den Besitz der gräflichen Familie zu Lynar. Graf Alexander zu Lynar ließ das Schloss zur Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. neobarock umbauen. 1900 erhielt der Turm auch wieder eine Uhr, die vorherige war 1709 abmontiert worden.

Das Torhaus von Schloss Lindenau / Foto: Wikipedia /  Z thomas / CC-BY-SA 3.0
Das Torhaus von Schloss Lindenau / Foto: Wikipedia / Z thomas / CC-BY-SA 3.0

Die Fürsten zu Lynar konnten ihre Reichtum über den Ersten Weltkrieg in die Weimarer Zeit hinüberretten. 1920/23 erweiterten sie das Schloss um zwei neobarocke Seitenflügel. Seitdem sieht es wie eine Barockanlage mit drei Flügeln aus, die einen Ehrenhof umfassen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss zum Lazarett. Der letzte adelige Schlossherr, Ernst Wilhelm zu Lynar, wurde 1945 durch die sowjetische Besatzungsmacht enteignet (sein Verwandter Wilhelm Friedrich Rochus Graf zu Lynar war von den Nazis wegen Beteiligung am Hitler-Attentat hingerichtet worden).

Das Schloss fiel an die Gemeinde. Zu DDR-Zeiten beherbergte das Schloss das Kinderheim „Paul Paulick“.

Nach der Wende versprach ein Berliner Investor den Lindenauern die Errichtung eines Seniorenheims im von ihm zu sanierenden Schloss. Die Gemeinde verkaufte. Der Investor blieb untätig und verkaufte das Schloss weiter.

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Es kam zu diversen Prozessen. Bis zur Rechtskraft des neuen Urteils hat der ursprüngliche Erwerber noch die Schlüsselgewalt.

Der Streit vor Gericht dürfte auch nach dem Etappensieg der Gemeinde weitergehen: Ein weiteres Verfahren liegt noch bei Gericht. Der bisherige Eigentümer geht juristisch gegen vom Landkreis angeordnete Sicherungsanordnungen zum Schutz des denkmalgeschützten Schlossparks vor.

Ganz in der Nähe von Schloss Lindenau liegt übrigens das Schloss Großkmehlen mit seinem Jägerhaus (eine Besichtigung ist nur von außen möglich)

Weiterlesen:
Kathleen Weser schreibt ausführlich in der Lausitzer Rundschau:
Urteil im Dauerstreit um Schloss Lindenau
2014 schrieb die Lausitzer Rundschau: „Große Sorge um das Schloss-Inventar

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