Schloss Ebersdorf / Foto: Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0

Prinz Reuss kauft Schloss Ebersdorf für 100.000 Euro

Schloss Ebersdorf, Südseite / Foto (und Foto oben): Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0
Schloss Ebersdorf, Südseite / Foto (und Foto oben): Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0

Es gibt noch klangvolle Adelstitel in Deutschland: Heinrich XIX. Prinz Reuss hat das seit 17 Jahren leer stehende Schloss Ebersdorf in Thüringen gekauft.

Verkäufer ist der Saale-Orla-Kreis. Der Kreistag hatte zuvor in nichtöffentllicher Sitzung beschlossen,
den Kaufpreis für die einstige reuss’sche Residenz mit ihrem Park und 120 Zimmern auf einen eher symbolischen Preis von 100.000 Euro festzusetzen.

Der Notarvertrag zwischen Prinz und Kreis wurde kurz vor Weihnachten unterzeichnet.


Der Park von Schloss Ebersdorf mit Teichhaus auf einer 1908 gestempelten Postkarte / Foto: gemeinfrei
Der Park von Schloss Ebersdorf mit Teichhaus auf einer 1908 gestempelten Postkarte / Foto: gemeinfrei

Der Verkauf und der Kaufpreis wurden erst durch Recherchen der Ostthüringer Zeitung bekannt. Der Kreistag behandelte das Thema unter Geheimhaltung, da es sich um „eine Immobilienangelegenheit“ handele.

Laut OTZ plant der Prinz, das Residenzschloss der Fürstenfamilie Reuss zu sanieren, es wieder zu beleben und dort mit seiner Frau Abigail einzuziehen.

Das Schloss entstand an Stelle einer Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert. 1682 hatte Graf Heinrich I. von Reuß-Schleiz das Rittergut gekauft.

Von 1690 bis 1693 entstand hier das barocke Residenzschloss für die Herrscher der kleinen Grafschaft Reuß-Ebersdorf: Eine unregelmäßige Vierflügel-Anlage um einen zentralen Innenhof.

Lola Montez auf einer Daguerrotypie 1851 - acht Jahre nach dem Rauswurf aus Ebersdorf / Foto: gemeinfrei
Lola Montez auf einer Daguerrotypie 1851 – acht Jahre nach dem Rauswurf aus Ebersdorf / Foto: gemeinfrei

Der Westflügel wurde zwischen 1788 und 1792 klassizistisch umgebaut. 1843 war hier die Tänzerin Lola Montez zu Gast bei Graf Heinrich LXXII. Reuß (jüngere Linie). Die Tänzerin soll sich derart unmöglich benommen haben, dass der Graf sie aus seinem Mini-Staat ausweisen ließ.

Graf Heinrich LXXII. regierte noch, als 1848 aufgebrachte Bürger mit Forderungen an die Schlosstür pochten (Pressefreiheit, Volksvertretung und unabhängige Rechtsprechung). Der Graf hatte zwar Verständnis, dankte angesichts der Demonstration allerdings ab und verschwand nach Sachsen.

Nach Ende der Revolution übernahm ein anderer Zweig der reuss’schen Linie die Macht.

1945 wurde die Fürstenfamilie durch die Besatzungsmacht enteignet. Das Schloss wurde zu DDR-Zeiten zum Pflegeheim umgebaut. Das Heim arbeitete bis ins Jahr 2000 und stand seitdem leer.

Nach der Einheit klagten die Erben der Fürstenfamilie auf Rückübertragung der Denkmalimmobilie und blockierten somit Lösungen. Inzwischen ist das Problem geklärt, was den Weg für einen neue Besitzer frei machte (wer sich für die Hintergründe interessiert, es ist ziemlich kompliziert).

Das Schloss ist sanierungsbedürftig. Hausschwamm hat sich ausgebreitet. Für die prinzliche Familie gibt es also viel zu tun…

Weiterlesen:
Hier geht es zum Artikel der Ostthüringer Zeitung: „Ebersdorfer Schloss nach 17 Jahren Leerstand an neuen Eigentümer verkauft

Umfangreiche Informationen zur Schlossgeschichte bietet die Seite „Reussische Fürstenstraße

Thorsten Erber aus Bamberg betreibt eine ausführliche Seite über den Zustand von Schloss Ebersdorf und die nötigen Sanierungsmaßnahmen.



Kommentar verfassen