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Jagdschloss Hummelshain vor der Zwangsversteigerung

Jagdschloss Hummelshain: Die Nordfassade Foto (ebenso Foto oben): Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0
Jagdschloss Hummelshain: Die Nordfassade Foto (ebenso Foto oben): Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0

Das verfallende Jagdschloss Hummelshain in Thüringen soll erneut den Besitzer wechseln. Nach Informationen der Thüringer Allgemeinen bereitet die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) eine Zwangsversteigerung vor. Wer den Zuschlag bekommen soll, steht offenbar auch schon fest. Nach Angaben der Zeitung soll die LEG einen Bauunternehmer aus Bayern favorisieren. Über den Kaufbetrag wurde nichts bekannt.

Zurzeit gehört das Schloss einer schweizerischen Briefkastenfirma. Die LEG hatte das Schloss 1998 an einen Leipziger Unternehmer verkauft, der vertraglich Sanierungne zusicherte, dafür dann aber kein Geld hatte. Notsicherungen wurden nötig. Der Geschäftsmann schuldet der LEG inzwischen 300.000 Euro.

Diese belasten als Grundschuld das Schloss. Der Leipziger übertrug das Anwesen an eine schweizerische Firma. Ein Schachzug, der die Zwangsversteigerung allerdings nicht aufhalten kann.

Dass zwischenzeitlich Reparaturen mit Landesgeldern vorgenommen werden konnten, ist dem Engagement des Fördervereins Schloss Hummelshain zu verdanken. Ein im Auftrag des Fördervereins erstelltes (und von der LEG bezahltes) Gutachten, wies 2015 nach, dass die Schäden ein bedrohliches Ausmaß angenommen. haben

Das idyllisch gelegene Neue Jagdschloss Hummelshain im Saale-Holzland-Kreis stammt aus dem späten 19. Jahrhundert: Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg ließ das repräsentative Gebäude 1880 im Stil des Historismus mit Elementen der Neogotik und Neorenaissance errichten. Für die Fassade wählte man Sandstein (der sich für das Thüringer Klima allerdings nicht sonderlich gut eignet).

Deutlichstes Merkmal des Schlosses ist der 48 Meter hohe Turm mit seinen vier Ecktürmchen. Als Architekten zeichneten Ernst von Ihne (der spätere Hofbaumeister von Kaiser Wilhelm II.) und Paul Stegmüller verantwortlich.

Südwestansicht von Jagdschloss Hummelshain / Foto: Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0
Südwestansicht von Jagdschloss Hummelshain / Foto: Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0

Innen herrschte Luxus: Größter Raum ist der herzogliche Festsaal im Erdgeschoss mit seiner aufwendigen Deckenvertäfelung. Auch an einen schmucken Marmorkamin zum Erwärmen der herzoglichen Gäste und ein großformatiges Wandrelief wurde gedacht.

Das Schloss war 1885 fertig – und damit der letzte Schlossneubau in Thüringen und das jüngste von Adelsherrschern bewohnte Residenzschloss Europas.

Während der Revolution von 1918 dankte der Herzog ab, und ein Verlag zog ein. In der Spätphase des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss zum Lazarett. Von 1947 bis 1992 waren hier ein Kinderheim und ein Jugendwerkhof untergebracht.

Obwohl die 1998 vertraglich zugesicherten Sanierungen durch den Leipziger Schlossbesitzer nicht erledigt wurden, verzichtete die LEG darauf, den Kaufvertrag rückabzuwickeln.
Für viele Schlossfreunde ein Skandal.

Schloss Hummelshein war auch schon Drehort, etwa für die TV-Doku „Krupp – eine deutsche Familie“ mit Heino Ferch und Iris Berben. Im Sommer werden regelmäßige Schlossführungen angeboten.

Weiterlesen:
Katja Dörn schreibt in der Thüringer Allgemeinen: „Zwangsversteigerung: Märchenschloss Hummelshain soll verkauft werden
Mehr zum Schloss auf der Seite des Fördervereins Schloss Hummelshain

Und hier ein paar YouTube-Bilder von Schloss Hummelshain:

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