Schloss Übigau in Dresden / Foto: Wikipedia / Anaximander / CC-BY-SA 3.0

Dresden will offenbar Schloss Übigau kaufen

2010 war noch Leben im Garten von Schloss Übigau an der Elbe / Foto: Wikipeida / Der Brauni / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben: Anaximander / CC-BY-SA 3.0
2010 war noch Leben im Garten von Schloss Übigau an der Elbe / Foto: Wikipeida / Der Brauni / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben: Anaximander / CC-BY-SA 3.0

Sachsens Landeshauptstadt plant offenbar, das leer stehende Schloss Übigau in Dresden-Übigau für bis zu 1,3 Millionen Euro zu erwerben, um es dann weiterzuverkaufen. Das meldet die Sächsische Zeitung unter Berufung auf eine „geheime Vorlage“ aus dem Rathaus.

Dresdnes Oberbürgermeister Dirk Hilbert wolle sich dazu demnächst mit der Heidelberger Eigentümerin Ingrid Schinz treffen.

Dem Barockschloss im Nordwesten von Dresden droht der Verfall: Im Oktober 2016 musste der beliebte Biergarten Sommerwirtschaft im Schloss schließen, da die Baugenehmigung ausgelaufen war und die Besitzerin keinen Antrag auf Verlängerung gestellt hatte.


Sächsisch-polnisches Königswappen an der Fassade von Schloss Übigau / Foto: Wikipedia / Adomix / CC-BY-SA 3.0
Sächsisch-polnisches Königswappen an der Fassade von Schloss Übigau / Foto: Wikipedia / Adomix / CC-BY-SA 3.0

Inzwischen ist eine Dachsanierung des Hauptgebäudes nötig. Der Zustand der Innenräume sei desolat, berichtete der Förderverein im vergangenen Herbst.

Die Dresdner Neuesten Nachrichten berichten, dass die Stadt bereits Sicherungsverfügungen erlassen musste, um die Eigentümerin zu dringend nötigen Reparaturen zu zwingen.

Den Wert von 1,3 Millionen Euro für Schloss und Park habe ein Maklerbüro im vergangenen Jahr festgelegt. Der Sanierungsaufwand dürfte ein Mehrfaches betragen.

Ziel der Stadt ist offenbar, das Denkmal zu sichern und es dann mitsamt Park an einen Investor mit einem tragfähigen Konzept weiter zu verkaufen. Eine Parzellierung des Areals mit dem Verkauf an mehrere Besitzer soll vermieden werden.

Gartenfassade von Schloss Übigau / Foto: Wikipedia / DynaMoToR / CC-BY-SA 3.0
Gartenfassade von Schloss Übigau / Foto: Wikipedia / DynaMoToR / CC-BY-SA 3.0

Auftraggeber des Schlosses war der sächsische Generalfeldmarschall Jacob Heinrich von Flemming. Ab 1725 ließ er es als repräsentative Residenz an der Elbe mit Blick auf Dresden errichten. Als Architekt fungierte Eosander von Göthe.

Das Ensemble gefiel Flemmings Chef August dem Starken derart gut, dass er es seinem Militär gleich abkaufte. Von Flemming wurde nicht obdachlos: 1724 hatte er Schloss Crossen im nahen Bad Köstritz günstig erworben, und in Dresden gehörte ihm das Japanische Palais.

Allzu häufig nutzte der umtriebige August sein Schloss dann allerdings nicht. Der Hof feierte hier allerlei Partys. Oder man nutzte das Schloss als Jagdquartier. Während der Befreiungskriege plünderten französische Truppen das Schloss.

Blick von der Elbe aufs Schloss / Foto: X-Weinzar / CC-BY-SA 2.5
Blick von der Elbe aufs Schloss / Foto: X-Weinzar / CC-BY-SA 2.5

Der sächsische König ließ die Anlage 1831 schließlich versteigern. Der Dredner Stadtrat Paul Siemen erhielt den Zuschlag. Er verkaufte weiter an den Actien-Maschinenbau-Verein Übigau: ein Pionier-Unternehmen der Industrialisierung in Sachsen.

Das Schloss wurde Verwaltungssitz der Firma, die Dampfmaschinen herstellte. In Übigau entstand 1837 auch die erste in Deutschland konstruierte funktionierende Dampflok, die Saxonia.

Um das Schloss herum entstanden Werksgebäude und eine Werft. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Schloss Zentrum eine ndustriegebiets. Während der Weltwirtschaftskrise sollte das Gebäude eigentlich abgerissen werden. Doch ein Arbeitsportverein mietete die Räume – und stellte sie der KPD zur Verfügung.

Lithografie von 1836: Schloss Übigau als Sitz der Maschinenbauanstalt Übigau / gemeinfrei
Lithografie von 1836: Schloss Übigau als Sitz der Maschinenbauanstalt Übigau / gemeinfrei

Das „Rote Schloss“, wie es jetzt hieß, war den Nazis ein Dorn im Auge. In der Aufrüstungsphase vor dem Zweiten Weltkrieg war das Schloss Teil eines Zulieferbetriebs für den U-Boot-Bau.

Firma und Schloss wurden 1948 verstaatlicht. Das Schloss blieb dann bis zur Wende 1990 Sitz des VEB Dampfkesselbau. Die Treuhand versuchte anschließend, das leer stehende Schloss zu verkaufen. Mehrfach kam es zu Vandalismus.

Hoffnung keimte auf, als der Heidelberger Zigarren- und Immobilienunternehmer Dieter Schinz das Ensemble 1999 kaufte. Sein Plan: Wiederherstellen des Barockgartens und Wohnen / Büros im Schloss. 2008 öffnete dann der Biergarten Sommerwirtschaft.

Doch zur Sanierung kam es nicht. Seit Schinz‘ Tod 2009 ist nun die Witwe Eigentümerin. Sie blieb nicht untätig ung ließ von 2009 bis 2011 die Dächer der Nebengebäude sanieren – aber es wäre noch wesentlich mehr zu tun.

Im Jahr 2012 hatte die Eigentümerin bereits erfolglos nach einem Käufer gesucht.

Weiterlesen:
Hier geht es zum Artikel von Andreas Weller in der Sächsischen Zeitung: „Stadt will Schloss Übigau kaufen
Zur Schließung des Biergartens im Oktober 2016 schrieb Genia Bleier in den Dresdner Neuesten Nachrichten: „Kehraus im Schloss Übigau in Dresden

2010: Ein Nachbau der Lok Saxonia kommt vor Schloss Übigau an:

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