Drei Bürger aus Gera kaufen Schloss Osterstein

Der erhaltene Bergfried von Schloss Osterstein / Foto: Wikipedia / Steffen Löwe / CC-BY-SA 3.0
Der erhaltene Bergfried von Schloss Osterstein / Foto: Wikipedia / Steffen Löwe / CC-BY-SA 3.0

Mehrere Bürger aus Gera haben das Areal des kriegszerstörten und gesprengten Schloss Osterstein gekauft und wollen das das Gebiet nun entwickeln. Das bestätigt die bisherige Eigentümerin, die Geraer Wohnungsbaugesellschaft GWB „Elstertal“. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Käufer sind Kai-Uwe Klinnert, Vater Manfred Klinnert und Peter Schmidt. Das gaben sie jetzt bei einer Pressekonferenz bekannt. In zwei Jahren wollen sie ein Nutzungskonzept vorlegen. Sie können sich viel vorstellen: vom Kulturzentrum über ein wieder eröffnetes Restaurant bis hin zum Hotel, so die Ostthüringer Zeitung.

Der Bergfried – einziger Überrest des Schlosses – bleibt allerdings Eigentum der Stadt Gera. Schloss Osterstein ist die ehemalige Residenz der jüngeren Linie des Fürstenhauses Reuß, die hier selbstbewusst einen Mini-Staat regierte.

Die Nachricht vom Verkauf stimmt optimistisch, da die GWG nichts rechtes mit den Resten des einst prächtigen Schlosses anzufangen wusste und die Bürger sicherheitshalber lieber draußen hielt. Der wieder aufgebaute Bergfried ist seit 2010 zugesperrt.

Das Biergarten-Restaurant Schloss Osterstein ist seit November 2015 geschlossen. Einer der neuen Eigentümer sagte nun gegenüber der Ostthüringer Zeitung: „“Wir werden das gesamte Areal entwickeln und es wird sehr schön“.

Schloss Osterstein heute / Foto: Wikipedia / Jwaller / CC-BY.SA 4.0
Schloss Osterstein heute / Foto: Wikipedia / Jwaller / CC-BY.SA 4.0

Das Schloss blickt auf eine 900-jährige Geschichte zurück: An Stelle einer slawischen Wallanlage hatten die Herren von Weida nach dem Jahr 1100 eine Burg errichtet. Der erhaltene Bergfried war ein Teil davon.

1550 fiel die Burg an die Familie Reuß, die sie ab 1560 zu einem Renaissanceschloss umbaute. In Folge ständiger Teilungen und Zusammenlegungen der diversen Reuß’schen Kleinstaaten wurde Schloss Osterstein von 1863 bis 1918 Residenz des Fürstentums Reuß jüngere Linie.

Im April 1917 wurde hier nochmal eine glanzvolle Fürstenhochzeit gefeiert: Feodora Reuß heiratete Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, bis 1914 letzter Gouverneur der deutschen Kolonie Togo. Die Beziehung endete tragisch: Die Prinzessin starb 1918 bei der Geburt ihrer ersten Tochter.

Das Restaurant Schloss Osterstein ist seit Ende 2015 geschlossen / Foto: Wikipedia / Jwaller / CC-BY.SA 4.0
Das Restaurant Schloss Osterstein ist seit Ende 2015 geschlossen / Foto: Wikipedia / Jwaller / CC-BY.SA 4.0

Das Schloss blieb nach Kriegsende im Besitz der Fürstenfamilie. Das Ende der Anlage kam dann am 6. April 1945 durch einen Angriff der US-Luftwaffe.

Vom Schloss blieb nur eine Ruine. Wenige Woche später folgte die Enteignung der Adeligen. Als einziger Teil des Schlosses wurde später der Bergfried restauriert, der Rest am 9. Dezember 1962 gesprengt – als Beitrag zur „Verschönerung“ der Region Gera, wie es offiziell hieß.

An Stelle der Hauptburg entstand im 1960er-Jahre-Design das Terrassencafé Osterstein. Es gehörte der Geraer Wohnungsbaugesellschaft GWB „Elstertal“. Reuß-Erben klagen auf Rückerstattung. Mal sehen, wie es jetzt mit den neuen Eigentümern weitergeht.

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Das seit Jahren laufende Verfahren um die Rückerstattung blockierte eine nötige Sanierung des Gastro-Betriebs. Deshalb wurde auch kein Nachmieter gesucht, und das Restaurant musste schließlich 2015 schließen.

Weiterlesen:
Christine Schimmel berichtet in der Ostthüringer Zeitung über die Pressekonferenz der Investoren: „Schloss Osterstein in Gera hat neue Besitzer: Millioneninvestition geplant
Zuvor schrieb sie in der OTZ über den Schloss: „Schloss Osterstein ist an mehrere Geraer verkauft

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