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Schloss Wörth: Festung der Regensburger Fürstbischöfe

Luftbild Schloss Wörth Donau
Luftbild von Schloss Wörth / Foto: gemeinfrei / Oben: Das Tor zum Schloss / Foto: Burgerbe.de

Johannes von Thurn und Taxis (1926-1990) genoss das Jetset-Leben in vollen Zügen, bevor er seine Gloria kennenlernte. Doch dazu braucht auch ein Multimillionär regelmäßig frisches Geld.

Und was liegt da näher, als Familienbesitz zu verkaufen, dessen Erhalt eh nur Kosten verursacht.

Und so trennte sich der Adelige 1978 vom Thurn-und-Taxis-Schloss Wörth an der Donau. Die bestens erhaltene schlossartige Renaissancefestung ging für einen unbekannten Betrag an einen Bauunternehmer.

Dieser reichte die Anlage weiter an eine öffentlich-private Investorengruppe.

Inennhof von Schloss Wörth / Foto: Burgerbe.de
Inennhof von Schloss Wörth mit Bergfried aus dem 13. Jahrhundert / Foto: Burgerbe.de

Das 13 Jahre lang sanierte einstige Bischofsschloss Wörth in der Oberpfalz beherbergt heute ein Seniorenheim. Man sieht das auf einem Berg gelegene Schloss bereits von der Autobahn A3. Der Schlosshof steht Besuchern offen.

Der kegelförmige Schlossberg ist seit circa 914 befestigt: Zunächst als einfache Fliehburg für die Bevölkerung der umliegenden Dörfer. Die suchte hier vor durchziehenden Reiterhorden, raublustigen Hussiten und ähnlichen Bedrohungen Zuflucht.

Rückseite der Kapelle / Foto: Burgerbe.de
Rückseite der Kapelle / Foto: Burgerbe.de

Die Regensburger Bischöfe bauten dann um 1264 eine Burganlage. Die Fürstbischöge waren ständig in Geldnöten, Schloss Wörth verpfändeten sie jahrzehntelang an lokale Adelsfamilien, bzw. die Herzöge von Bayern.

Die Schlosskapelle von 1616 / Foto: Burgerbe.de
Die Schlosskapelle St. Martin von 1616 / Foto: Burgerbe.de

Erst 1433 konnte Bischof Konrad VII. von Soest die Kontrolle über die Burg wiedererlangen. Den Umbau zur Renaissancefestung leitete dann Fürstbischof Johann III. von der Pfalz ein. Er blieb ansonsten vor allem wegen seiner Hetze gegen die Regensburger Juden und der aufgehäuften Schulden im Gedächtnis.

Die Bischöfe nutzten das ausgedehnte Schloss in erster Linie als sichere Sommerresidenz. Wer an ihrer göttlichen Sendung zweifelte, musste mit einem Aufenthalt im unter Johann III. errichteten Gefängnisturm rechnen.

Wundersamerweise überstand die Anlage den Dreißigjährigen Krieg ohne größere Schäden.

Grundriss von Schloss Wörth / gemeinfrei
Grundriss von Schloss Wörth / gemeinfrei

1806 tat sich im Rondellzimmer des Schlosses Historisches: Der aufgeklärte Regensburger Erzbischof Carl Theodor von Dalberg (eine historisch hochinteressante Persönlichkeit -> gerade erst Thema im WDR-Zeitzeichen), unterzeichnete Napoleons Rheinbundakte und gleichzeitig seine Abdankung als letzter geistlicher Reichsfürst. Damit war das alte Reich Geschichte.

Das Herrschaftsgebiet der Regensburger Bischöfe riss sich das Königreich Bayern unter den Nagel. Die Wittelsbacher überließen die „Freie Reichsherrschaft Wörth“ 1812 der Familie von Thurn und Taxis als Ausgleich für den Wegfall von deren Postmonopol in Bayern.

Aussicht von Schloss Wörth / Foto: Burgerbe.de
Aussicht von Schloss Wörth / Foto: Burgerbe.de

Das Schloss wurde ab 1848 als Gericht genutzt. Die Nazis quartierten die Justiz 1939 kurzerhand aus und richteten im Schloss ein Lager ihres Reichsarbeitsdienstes ein.

Schlosshof mit Brunnen nach der Sanierung / Foto: Burgerbe
Schlosshof mit Brunnen nach der Sanierung / Foto: Burgerbe

Die Thurn und Taxis‘ blieben Besitzer. Sie fanden dann 1949 einen neuen, solventen Mieter: Die Bundesbahn betrieb hier bis 1979 ein Weiterbildungszentrum für ihre Beamten ein.

Das Schloss, das man heute als Pro Seniore-Altenheim sieht, wurde zwischen 1985 und 1998 gründlich renoviert. Netterweise kann man den Burghof besichtigen und Fotos machen.

Das Innere des Schlosses ist nur im Zusammenhang mit Führungen, bzw. am Tag des offenen Denkmals öffentlich zugänglich. Anfragen für Besichtigungen bitte an die Verwaltungsgemeinschaft Wörth an der Donau, Telefon 09482-9403-0.

Aus dem 17. Jahrhundert sind noch Wandmalereien im Rondellzimmer erhalten. Die Schlosskapelle stammt von 1616.

Anfahrt/Lage:
Schloss Wörth
Schlossberg 1
93086 Wörth an der Donau

Neben Schloss Wörth a.d. Donau gibt es übrigens noch Schloss Wörth an der Isar und das Schlösschen Wörth am Rheinfall Schaffhausen – von den Schweizern liebevoll „Schlössli“ genannt.

Und hier einige winterliche Drohnenbilder vom Schloss an der Donau:

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