Ordensburg Liebstedt verkauft: Jetzt sollen hier Tiere gezüchtet werden

Der Eingang zur Ordensburg Liebstedt / Foto: gemeinfrei
Der Eingang zur Ordensburg Liebstedt / Foto: gemeinfrei

Die landeseigene LEG Thüringen hat die Ordensburg Liebstedt für 160.000 Euro an ein Konsortium um den Unternehmer Klaus Dieter Böhm verkauft.

Der MDR berichtet, Böhm wolle dort vom Aussterben bedrohte Haustierrassen (Schafe, Ziegen, Schweine und Hühner) züchten und habe der Gilde auch angeboten, sie könne weiter Räume der Burg nutzen.

Der Verein Ordensburg-Gilde, der 26 Jahre lang für den Erhalt der Burg sorgte, muss die Anlage verlassen. Der Verein kritisiert den Verkauf und ruft zum Protest auf. Mehr als 800 Bürger haben auf Openpetition gegen den Verkauf unterschrieben.

Die Burg ist ab sofort für die Öffentlichkeit geschlossen.


Die vergangenen Jahre waren von Streit um die einstige Burg des Deutschritterordens geprägt.

2010 hatte der sächsische Wintzer Dr. Georg Prinz zur Lippe (Weingut Schloss Proschwitz) die Burg für 150.000 Euro von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen gekauft.

Er wollte dort investieren, die Vorburg zur Kelterei umbauen und seinen Wein verkaufen. Das passte der Gemeinde gar nicht. Die Gemeinde legte sich quer (man stritt um Zufahrt, Abwasser und Burg-Erhalt).

Grundriss der Ordensburg Liebstedt / Foto: gemeinfrei
Grundriss der Ordensburg Liebstedt / Foto: gemeinfrei

Die Verwaltung des 400-Seelen-Dorfs hatte zwar keinen eigenen stichhaltigen Plan für den Erhalt der Burg, pochte aber auf einem Vorkaufsrecht und widersprach der Baugenehmigung für die Kelterei.

Die Gemeinde zog bis vor das Thüringer Oberverwaltungsgericht gegen den Prinzen – und verlor.

Der Dorfbürgermeister von den Freien Wählern und seine Gemeindeleitung zog sich wegen der Blockadehaltung und des völligen Fehlens eines eigenen Konzepts vor Gericht eine derbe Klatsche durch das Gericht zu.

Letzlich führte die Strategie der Gemeinde allerdings doch zum „Erfolg“. Der Winzer war zwar im Recht, zog seinen Investitionsplan 2014 angesichts der Feindseligkeiten der Gemeinde aber wieder zurück.

Erneut stand die LEG ohne Käufer da. Nun besann man sich wieder auf den Plan, die Burg durch den Verein Ordensgilde mit Hilfe von Fördergeldern in Stand zu halten. Rund 2,3 Millionen Euro flossen auf diesem Weg in die Burg.

Aber als sich nun das Konsortium meldete, war für die LEG klar: Ein Verkauf an einen Investor ist die beste Lösung. Man darf gespannt sein, ob sich das bewahrheitet. Der Finanzausschuss des Thüringer Landtages stimmte dem Verkauf für 160.000 Euro zu.

Der Käufer erklärt inzwischen, er wolle die Burg wieder für die Öffentlichkeit öffnen.

Zur Geschichte:

Burg Liebstedt wurde im 10. Jahrhundert zum Schutz eines wichtigen Handelswegs, der von Nord nach Süd laufenden Kupferstraße, als Wasserburg errichtet.

1331 übernahm hier der Deutsche Ritterorden das Kommando und errichtete in der Backstein-Burg eine Komturei, um die umliegenden Besitzungen zu verwalten.

1809 ließ Napoleon den Deutschen Orden enteignen. Die Burg fiel schließlich an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

Die Burg Liebstedt ist die einzige erhaltene Ordensburg in der Bundesrepublik, die zum Schutz eines Handelswegs errichtet wurde.

Weiterlesen:
Der MDR meldet: „Ordensburg Liebstedt: Neuer Burgherr will Tiere züchten
dpa berichtete 2012 /via Sächsische Zeitung): „Ordensburg Liebstedt: Gemeinde unterliegt vor Gericht
Dirk Lorenz-Bauer schrieb 2014 in der Thüringer Allgemeinen: „Prinz zur Lippe möchte Ordensburg Liebstedt nicht mehr kaufen

Ein Gedanke zu „Ordensburg Liebstedt verkauft: Jetzt sollen hier Tiere gezüchtet werden“

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