Waldburg_Ravensburg

Waldburg-Museum wegen Brandschutzmängeln geschlossen

Die Waldburg von Südosten / Foto: Wikipedia / Flodur63 / CC-BY-SA 4.0 / Foto oben: Andreas Praefcke / CC-BY-SA 4.0
Die Waldburg von Südosten / Foto: Wikipedia / Flodur63 / CC-BY-SA 4.0 / Foto oben: Andreas Praefcke / CC-BY-SA 4.0

Bis 1806 standen die Truchsesse von Waldburg in ihrem Herrschaftsgebiet über dem Gesetz. Ein bisschen von diesem herrschaftlichen Geist scheint sich auch in späteren Jahrzehnten erhalten zu haben.

Auf die Idee, dass ein fürstliches Haus für den Betrieb eines Burgmuseums auch eine baurechtliche Genehmigung und ein Brandschutzkonzept braucht, kam in der einstigen Herrscherfamilie Waldburg-Wolfegg-Waldsee niemand.

Und falls doch, hielt er/sie diese Erkenntnis bei der Wiedereröffnung des Museums 1996 unter Verschluss, schließlich kosten solche Verfahren eine Stange Geld.

Diese fürstliche Ignoranz Dieses fürstliche „Versehen“ in Kombination mit dem jahrelangen Wegschauen des Landkreises führt nun dazu, dass das Waldburger Burgmuseum schließen musste. Das Fürstenhaus kündigte auch gleich den Pachtvertrag mit der Betriebsgesellschaft. Das berichtet die Schwäbische Zeitung.

Obere Aussichtsplattform auf dem Dach der Waldburg. Eine Brandschutz-Genehmigung gibt es nicht. / Foto: Andreas Präefcke / CC-BY-SA 4.0
Obere Aussichtsplattform auf dem Dach der Waldburg. Eine Brandschutz-Genehmigung gibt es nicht. / Foto: Andreas Praefcke / CC-BY-SA 4.0

Erst nach Erstellung eines Brandschutzkonzepts und Erteilung der baulichen Genehmigung für den Museumsbetrieb sowie dem neuen Abschluss eines Pachtvertrags wird das Museum wieder öffnen können. Das wird frühestens Anfang 2018 der Fall sein.

Die Kosten für das Brandschutzkonzept dürften bei 100.000 Euro liegen, schreibt die Zeitung. Schlosskeller und Hochzeitssuite bleiben weiter geöffnet.

Das Fehlen der Genehmigungen flog auf, als 2015 die Aussichtplattform auf dem Dach der Burg saniert werden sollte. Dummerweise gab es dort (wie im Rest der Burg) kein Konzept, das eine Evakuierung im Brandfall regelt. Und der vorgeschriebene zweite Fluchtweg fehlt auch.

Blick in den Hof der Waldburg / Foto: Andreas Praefcke / CC-BY-SA 4.0
Blick in den Hof der Waldburg / Foto: Andreas Praefcke / CC-BY-SA 4.0

Das Jahr 2016 über behalf man sich mit einem Kompromiss: Es durften nur so viele Leute auf die Plattform, wie die Feuerwehr notfalls per Drehleiter retten kann (also nicht mehr als 20).

Aber auch bei nochsoviel Wohlwollen gegenüber dem Hochadel: Langfristig konnte ein Museum ohne Brandschutz und Genehmigung nicht weiter betrieben werden.

Nun wurde ein Gutachterbüro mit einem Brandschutzkonzept beauftragt. Das dürfte nicht so einfach werden, da der Denkmalschutz das Herausbrechen eines Notausgangs quer durch die Burgmauern nicht zulässt. Man darf auf die Lösung gespannt sein.

Die Waldburg stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Waldburger waren treue Parteigänger der Staufer. Zwischen 1220 bis 1240 lagerten hier die Herrscherinsignien: Reichsapfel, Reichsschwert und die „Heilige Lanze“ (heute warten in der Burg Repliken der Reichskleinodien auf die Wiedereröffnung des Museums).

Der "Bauernjörg" nach einem Kolorierten Holzschnitt von Hans Burgkmair d. Ä. / Bild: gemeinfrei
Der „Bauernjörg“ nach einem Kolorierten Holzschnitt von Hans Burgkmair d. Ä. / Bild: gemeinfrei

Reichsweite Berühmtheit erlangte die Familie durch die selbst für das 16. Jahrhundert außerordentlichen Grausamkeit des Schlossherrn Georg III. Truchseß von Waldburg-Zeil (1488–1531), genannt der Bauernjörg.

Dieser kämpfte mit List, Tücke und Landsknechten gegen aufständische Bauern, die er reihenweise foltern, verstümmeln und hinrichten ließ. Bauernführer Jäcklein Rohrbach ließ der Herr der Waldburg lebendig verbrennen.

Der brutale Haudegen mit guten Beziehungen zu Kaiser Karl V. holte den Titel Reichserbtruchsess in die Familie. Sein Sohn Georg IV. war weniger kriegerisch. Er baute die trutzige Burg um 1550 zu einem Wohnschloss aus.

Ab dem 17. Jahrhundert wohnte die Familie von Waldburg nur noch sporadisch in der Burg und verzichtete auf größere Umbauten (man bevorzugte das 1578 fertiggestellte Schloss Wolfegg).

Im Dreißigjährigen Krieg plünderten schwedische Truppen die Waldburg im Jahr 1632. Die 1803 in den Fürstenstand erhobene Familie Waldburg ließ ihren Besitz glücklicherweise nicht verfallen, sondern steckte immer wieder Geld in Reparaturen – auch nach dem Ende ihrer absoluten Herrschaft 1806.

Weiterlesen:
Katrin Neef und Gabriele Hoffmann berichten in der Schwäbischen Zeitung: „Genehmigung für Burg-Museum fehlt
Peter Blickle hat ein Buch über den grausamen Truchsess geschrieben: „Der Bauernjörg: Feldherr im Bauernkrieg“ (Link zu Amazon) . Rezension bei Perlentaucher.de.

Kommentar verfassen