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Die Ehrenburg: Das Rätsel des doppelten Burgturms

Der Bergfried der Ehrenburg / Fotos: Burgerbe.de
Der „doppelte“ Bergfried der Ehrenburg / Fotos: Burgerbe.de

Die trutzige Ehrenburg bei Brodenbach in einem Nebental der Mosel hat schon einiges mitgemacht. Eigentlich hätte ihr Schicksal am 30. April 1689 besiegelt sein sollen. Soldaten des Sonnenkönigs Ludwig XIV. schleppten Pulver ins Gemäuer und legten Lunten.

Wie so viele andere Burgen an Rhein und Mosel jagdten die französischen Truppen dann auch Teile der Ehrenburg in die Luft (nur die Kapelle ließen sie intakt). Die Burg war nun unbewohnbar und nicht mehr zu verteidigen.

Die Ruine mit dem gut erhaltenen eigenwilligen „Doppel“-Bergfried wurde glücklicherweise nicht abgerissen und zu Baumaterial verarbeitet. 1798 fiel die Burg an den Freiherrn von Stein.

Das Innere lässt ahnen, wie massiv die Burg gebaut worden ist
Der Rampenturm verfügt über 4,5 Meter dicke Mauern

Der Reformer war allerdings ein zu vielbeschäftigter Mann, um sich eingehend mit seiner Burg im Ehrbachtal zu beschäftigen (1815 hatte er sich in Nassau das neogotische Stein’sche Schloss bauen lassen).

Nach von Steins Tod 1831 ging das Gemäuer an die Familie von Kielmannsegg. Bis heute ist sie in Privatbesitz. Ein Förderverein hilft beim Erhalt der Anlage, die von Frühlingsanfang bis Allerheiligen besucht werden kann.

Die Ehrenburg beherbergt heute auch ein Hotel, das ganzjährig geöffnet hat (das Doppelzimmer mit Frühstück kostet 120 Euro). Das Burggespenst „Der stille Heinrich“ gilt, wie der Name schon sagt, als störungsfreier Geselle.

Burg mit Aussicht.
Burg mit Aussicht.

Die überlieferte Geschichte der Burg beginnt übrigens mit einem kaiserlichen Schiedsspruch: 1161 schlichtet Kaiser Friedrich „Barbarossa“ einen Streit über Besitzungen in der Gegend zwischen dem Erzbischof von Trier und dem Pfalzgrafen bei Rhein.

Dabei entschied der Monarch, dass der Pfalzgraf das „Castrum Eremberch“ zum Unterlehen erhalten sollte.

Die Lage war etwas kompliziert: Die Erbauer der Burg, die Herren von Erenberg waren Erzbischof und dem Pfalzgrafen verpflichtet. Die Familie war aufgespalten, diverse Zweige hielten in den folgenden Jahren Teile der Anlage (eine sogenannte Ganerbenburg).

Das Besondere an der Burg ist der aus zwei miteinander verbundenen Türmen bestehende Bergfried aus der Zeit um 1350.

Welchen Sinn der „doppelte“ Burgturm haben sollte, ist nicht bekannt. Vermutlich bauten zwei Teile der Familie je einen Bergfried.

Die Folgen der Sprengung sind noch gut zu erkennen.
Die Folgen der Sprengung sind noch gut zu erkennen.
Blick ins "Angstloch": Aufbewahrungort der Gefangenen.
Blick ins „Angstloch“: Aufbewahrungort der Gefangenen.

Der letzte Ehrenberger machte sich durch einen Einfall ins nahe Koblenz extrem unbeliebt, wobei er 200 Häuser zerstört haben soll.

Die Koblenzer rächten sich mit einer Belagerung des Ritters auf seiner Burg, der ein Jahr später verstarb.

Mit dem Aufkommen der Kanonen wurde  zu Beginn des 16. Jahrhinderts unterhalb des Bergfrieds der Bastions- oder Rampenturm mit bis zu 4,5 Meter dicken Mauern gebaut. Hier standen Kanonen, die das Feuer von Belagerern erwidern sollten.

Die Burg blieb Privatbesitz und wurde nur gelegentlich von durchziehenden Heeren besetzt, wie zwischen 1640 und 1651 von spanischen Truppen. Tja, und dann kamen 1688 die Franzosen…

Drohnenbilder der Rhein-Zeitung von der Ehrenburg:

Die Sendung „Objektiv“ über die Burg:

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