Schloss Hirschberg / Foto: Gras-Ober / CC-BY-SA 3.0

Schloss Hirschberg: BND-Agentenschule als Luxushotel?

Repräsentativ: Die Diele im Schloss erstreckt sich über zwei Stockwerke. Foto von 1909 (gemeinfrei)
Repräsentativ: Die Diele im Schloss Hirschberg erstreckt sich über zwei Stockwerke. Foto von 1909 (gemeinfrei) / Foto oben: Wikipedia / Gras-Ober / CC-BY-SA 3.0

Schlafen wie James Bond… unter diesem Motto könnten bald Zimmer auf Schloss Hirschberg in Weilheim angeboten werden. Hamburger Investoren planen, die einstige Immobilie des Bundesnachrichtendienstes nahe München zu einem Gesundheits- und Luxushotel zu machen. Das meldet der Rheinische Merkur.

Der Haken an der Sache: Das Schloss mit seinen 1300 Quadratmetern ist für die Pläne der HAGE GmbH & Co KG viel zu klein. Daher soll ein terrassenförmiger Anbau unterhalb des denkmalgeschützten Gebäudes angedockt werden.

Das geht natürlich nur, wenn der Denkmalschutz keine Bausünde wittert und zustimmt. Ein unterirdischer Gang soll Schloss und Anbau verbinden.


Im Anbau seien 149 Doppelzimmer und Suiten „im fünf Sterne-Standard“ geplant, heißt es vom Investor. 150 Arbeitsplätze sollen entstehen (mit diesem Argument dürfte der Denkmalschutz ausgehebelt sein).

Zuvor war auf dem Schloss über dem Haarsee eine plastisch-chirurgische Schönheitsklinik geplant. Dieses Projelt hatte der Weilheimer Bauausschuss allerdings im Mai 2016 abgelehnt – wegen zu wenig detaillierter Pläne.

Ein geschichtsträchtiges Anwesen haben sich die Hamburger Investoren da ausgesucht. Von 1907 bis 1909 ließ der gerade verheiratete königlich-bayerische General Karl-Rudolf von Hirschberg hier für eine Million Goldmark ein luxuriöses Jugendstil-Neobarock-Schlösschen hinsetzen.

Bevor die Schlapphüte kamen: Schloss Hirschberg auf einer Postkarte von 1912. Foto: gemeinfrei
Bevor die Schlapphüte kamen: Schloss Hirschberg auf einer Postkarte von 1912. Foto: gemeinfrei

Die Ausstattung mit Zentralheizung und privatem Schwimmbad war damals hochmodern. Auf den damals 2700 Quadratmetern hatte die Familie reichlich Platz.

Doch die goldenen Jahre des bayerischen Kavallerie-Generals auf Schloss Hirschberg währten nicht lange: Von 1914 bis 1918 diente er an der Westfront.

Die Idee, das Hirschberg’sche Vermögen in Kriegsanleihen zu investieren, zwang die Familie dann im Verein mit der Hyperinflation 1923 zum Auszug und zur Vermietung des Schlosses an die Bankiers-Familie von Bleichröder.

Die Nazis mit ihrer Vorliebe für Burgen und Schlösser wurden während des Krieges auf die Luxusimmobilie aufmerksam. 1943 beschlagnahmte der Staat das Anwesen. Das Reichsaußenministerium richtete hier ein Gästehaus ein.

Prominenteste Besucher waren der gerade in Italien gestürzte Benito Mussolini mit seinem Clan. Der „Duce“ blieb im September 1943 nur ein paar Tage, seine Familie wartete bis zum Oktober auf eine Besserung der Lage.

Bis Kriegsende residierte dann der ebenfalls abgesetzte ungarische „Reichsverweser“ Miklos Horty mit Blick auf den Haarsee und hoffte auf die Kriegswende durch Nazi-Wunderwaffen…

In den Nachkriegsjahren wurde das (1953 vom Staat gekaufte) Schloss zunächst Lager für Displaced Persons, dann Ausbildungsstätte für ukrainische Priester.

Das Schloss im Sommer / Foto: Wikipedia / Gras-Ober / CC-BY-SA 3.0
Das Schloss im Sommer / Foto: Wikipedia / Gras-Ober / CC-BY-SA 3.0

Ein neuer Mieter trat 1961 auf den Plan: Der Bundesnachrichtendienst. Dessen Zentrale in Pullach lag ja nicht weit entfernt. Der BND schulte hier seinen jungen Führungsnachwuchs – und gab der Anlage des Tarnnamen „Wildpark“.

Alles war streng geheim. Dummerweise wurden die Telefone seit circa dem Jahr 1975 durchgehend von der Stasi abgehört.

Die Lauscher aus der DDR dürften ordentlich Überstunden gemacht haben, als sich 1984 das Spitzenpersonal der westlichen Geheimdienste im für diesen Zweck extra renovierten Spiegelsaal von Schloss Hirschberg traf.

Dem BND wurde der Unterhalt der streng geheimen Immobilie nach Ende des Kalten Kriegs schließlich zu teuer. Im Jahr 2000 zog die Agentenschule aus. 2004 ging das Schloss in Privatbesitz über (angeboten wurde es für 3,9 Millionen Euro).

Weiterlesen:
Hier geht es zum Artikel im Münchner Merkur: „Schloss Hirschberg: Ein Luxus-Hotel über dem Haarsee?

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