Graefenthal-Schloss Wespenstein

Schloss Wespenstein: Der lange Weg zum Museum

Willkommen auf Schloss Wespenstein / Foto: Wikipedia /  aschroet / CC-BY-SA 3.0
Willkommen auf Schloss Wespenstein / Foto: Wikipedia / aschroet / CC-BY-SA 3.0

Dr. Wolfgang Wehr ist ein Ingenieur aus Frankfurt/Main – und seit 2002 Herr auf Schloss Wespenstein bei Gräfenthal, für das er weiter große Pläne hat. 2011 erhielt er für sein Wirken bereits den mit 30.000 Euro dotierten Thüringer Denkmalpflegepreis.

Nun plant er das gesamte Schloss – das er inzwischen in eine Stiftung überführt hat – zum Museum zu machen. Es wäre eine weitere positive Wendung in der Geschichte des Schlosses im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Davon berichtet freundlicherweise die Ostthüringer Zeitung.

Rückblick: Nach dem Ende der DDR herrschten auch in Thüringen goldene Zeiten für windige Geschäftsleute. Die Behörden konnten gar nicht genug Burgen und Schlösser „privatisieren“ , indem sie sie für ein Taschengeld an angeblich finanzkräftige Investoren übergaben.

Der Treppenturm von Schloss Wespenstein / Foto: Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0
Der Treppenturm von Schloss Wespenstein – errichtet 1571 / Foto: Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0

Auch das 54-Zimmer-Schloss Wespenstein wurde vom Bundesvermögensamt für den berüchtigten einen Euro verramscht (kein Beamter musste sich je dafür verantworten).

Der Investor machte große Versprechungen und bald Kasse, natürlich ohne mit der Sanierung begonnen zu haben. Für 30.000 Euro stieß er das Gemäuer schließlich wieder ab. Der nächste Schlossher verlor die Immobilie durch eine Zwangsversteigerung wieder.

Als Wolfgang Wehr und seine Ehefrau 2002 die Anlage kaufte, musste er bereits 140.000 Euro hinlegen. Er ließ die Dächer und einen Teil der Stützmauern sanieren sowie 87 Fenster neu einbauen.

Als nächstes soll eine neue Heizung kommen – eine Erdwärmeanlage. Die Kamine im Schloss sollen aber weiter funktionsfähig bleiben.

Die Heizung ist die Voraussetzung dafür, das Schloss als Museum zu öffnen. Mehrere Räume werden bei Schlossführungen bereits entsprechend verwendet.

So wird die Baugeschichte des Schlosses und die Entwicklung nach der Wende mitsamt einer Dokumentation der Restaurierungsarbeiten seit 2003 gezeigt. Zwei Vitrinen sind archäologischen Fundstücken gewidmet.

Schlossbau und Fronfeste (rechts) / Foto: Wikipedia / Aschroet / CC-BY-SA 3.0
Schlossbau und Fronfeste (rechts) / Foto: Wikipedia / Aschroet / CC-BY-SA 3.0

Erstmals erwähnt wurde eine Bebauung hier 1337 als „Hus Grevental”. Ab 1438 hatten hier bis 1619 die von Pappenheim das Sagen.

Die Familie hatte fast 700 Jahre lang das hoch angesehene Ehrenamt des Reichserbmarschalls inne – bei der Kaiserkrönung durfte ein Pappenheim das Reichsschwert tragen.

Sebastian von Pappenheim ließ das Gebäude zwischen 1517 und 1541 zu einem stattlichen Schloss umbauen.

In dieser Zeit fällt auch ein Besuch Martin Luthers. Der Reformator predigte am 14. April 1530 in der Schlosskapelle (die in DDR-Zeiten zum profanen Kinderzimmer umgewidmet wurde).

Verkaufte Schloss Wespenstein: Maximilian von Pappenheim / Bild: gemeinfrei
Verkaufte Schloss Wespenstein: Maximilian von Pappenheim / Bild: gemeinfrei

1547 war sogar Kaiser Karl V. mit dem Herzog von Alba hier zu Gast. Die Majestät war gerade im Zuge des Schmalkaldischen Kriegs mit der Vernichtung des deutschen Protestantismus beschäftigt, was aber trotz des siegreichen Sachsen-Feldzugs nicht so ganz glückte.

Der wegen seines opulenten Lebensstils hoch verschuldete Maximilian von Pappenheim verkaufte die Herrschaft Gräfenthal mit dem Schloss 1621 für 130.000 Gulden.

Käufer waren die Herzöge von Sachsen-Altenburg. Es folgten die Herzöge von Sachsen-Gotha und Sachsen-Saalfeld. 1686 wurde der Pappenheimsche Bau durch einen Brand weitgehend zerstört und nur teilweise wieder aufgebaut.

Nach Ende der napoleonischen Ära fiel das Schloss 1826 an das Herzogtum Sachsen-Meiningen. Es wurde zum Stadt- und Landgericht. Bis 1949 wurde hier Recht gesprochen.

Das Nebengebäude Fronfeste dient als Pension / Foto: Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0
Das Nebengebäude Fronfeste dient als Pension / Foto: Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0

In der Fronfeste, dem einstigen Gefängnis des Schlosses, kann man heute auch übernachten. Die bietet laut Booking.com „zwei komfortabel eingerichtete Zimmer und ein Apartment“.

Eine Besichtigung des Schlosses ist auf Anfrage möglich. In der sanierten Schlosskapelle kann auch geheiratet werden.

Weiterlesen:
Guido Berg schreibt in der Thüringer Allgemeinen/Ostthüringer Zeitung (via Google-Cash, der ursprüngliche Artikel ist inzwischen kostenpflichtig): „Fortschritte am „Fass ohne Boden“: Schloss Wespenstein soll Museum werden
Ein Artikel der OTZ aus dem Jahr 2011: „Dr. Wolfgang Wehr erhält Denkmalpflegepreis
Chronik der Geschichte von Schloss Wespenstein

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