Riskantes Geschäft: 1400-Einwohner-Ort kauft Schloss Oberschwarzach

Die Kirche will das Echter-Schloss (Schloss Oberschwarzach) unbedingt loswerden. Foto: Wikipedia / Settembrini / CC-BY-SA 3.0
Die Kirche will das Echter-Schloss (Schloss Oberschwarzach) unbedingt loswerden. Foto: Wikipedia / Settembrini / CC-BY-SA 3.0

Der Gemeinderat von Oberschwarzach bei Schweinfurt hat sich auf ein riskantes Geschäft mit der katholischen Kirche eingelassen. Der 1400-Einwohner-Flecken will der Kirche das renovierungsbedürftige Echter-Schloss Oberschwarzach abkaufen und den dreistöckigen Renaissancebau selbst sanieren.

Die Politiker glauben den Versicherungen aus der Verwaltung, dass ihnen üppige Fördergelder gewährt werden – sie rechnen ernsthaft damit, 95 Prozent der Sanierungssumme aus diversen Quellen erstattet bekommen. Der Kaufpreis wurde noch nicht bekannt.

Der Protest von 63 Bürgern wurde von der Mehrheit ignoriert. Die Oberschwarzacher hatten vor den finanziellen Folgen gewarnt und fragen, warum die Kirche denn nicht in der Lage ist, ihre eigene Immobilie denkmalgerecht zu sanieren.


Bischof Julius Echter von Mespelbrunn: Der fanatische Hexenverfolger gilt als Erbauer des Schlosses / Bild: gemeinfrei
Bischof Julius Echter von Mespelbrunn: Der fanatische Hexenverfolger gilt als Erbauer des Schlosses / Bild: gemeinfrei

Kritische Gemeindevertreter beklagten sich über viel zu wenig Informationen „die auf ein Din A4-Blatt passen“.

Die Kirche setzte die zögernden Gemeindevertreter gehörig unter Druck – der Pfarrer sagte laut Mainpost, er könne sich nicht erklären, warum ein Marktgemeinderat das Angebot einer Förderung von 95 Prozent noch ausschlagen könne. Zumindest wurde Abweichlern nicht mit Exkommunikation gedroht.

Prompt kam eine knappe 7:5-Stimmen-Mehrheit für einen Kaufvertrag zustande. Dieser soll allerdings erst wirksam werden „wenn die in Aussicht gestellte Förderkulisse per Bescheid zugesagt wird“.

Das Abstimmungsverhalten könnte sich noch rächen. Es handelt sich um eine recht schwammige Formulierung, die wohl vor Gericht keine Chance haben wird, sollte die Kirche auf Erfüllung des nun besiegelten Paktes bestehen und den Kaufpreis einfordern.

Da kann sich die Gemeinde schon mal nach langfristigen Darlehen umsehen. Allein der Unterhalt der Denkmalimmobilie kostet 25.000 Euro pro Jahr.

Wie hoch die Sanierungskosten sein werden, ist noch völlig unklar. An die gesamten jährlichen Steuereinnahmen des Orts von ca. 500.000 Euro könnten sie aber schon heranreichen.

Das Schloss liegt mitten im Ort / Foto: Wikipedia / Settembrini / CC-BY-SA 3.0
Das Schloss liegt mitten im Ort / Foto: Wikipedia / Settembrini / CC-BY-SA 3.0

Der Förderverein des Schlosses (123 Mitglieder) sieht die Entscheidung positiv. Man „freut sich, dass nun der Weg frei ist für eine grundlegende Sanierung und ein öffentliches Nutzungskonzept für das Gebäude.“

So ein Denkmalkauf durch eine Mini-Gemeinde mit anschließender, durch Fördergelder bezahlter Sanierung, kann durchaus funktionieren – wie das Beispiel Burg Falkenberg gezeigt hat. Nur muss man dazu das Land mit im Boot und einen langen Atem haben…

Schloss Oberschwarzach enstand übrigens in den ersten Jahren des 17. Jahrhundert im Auftrag des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn durch Ausbau des Schlossguts der Truchsesse von Henneberg (wegen des Bischofs heißt es auch Julius-Echter-Schloss). Ansonsten machte sich der Kirchenmann einen Namen als engagierter Hexenverfolger.

Der Bischof hatte 1575 einen Vorgängerbau erworben und baute diesen weitgehend um.

Die Fassade wurde komplett erneuert, ein Treppenturm kam hinzu und der gesamte Innenraum wurde umgekrempelt. Um 1720 wurde das Schloss im Stil des Barock umgebaut und die Raumaufteilung geändert.

Mit dem Ende des Fürstbistums fiel das Schloss 1814 an das Königreich Bayern. Es wurde Sitz von Gendarmen und des Revierförsters. 1972 kaufte die Katholische Kirchenstiftung Oberschwarzach das Schloss vom Freistaat Bayern (mehr zur Geschichte des Schlosses hier).

2010 kam es zu einem schweren Wasserschaden. Der Förderverein bietet übrigens auch Schlossführungen an.

Weiterlesen:
Klaus Vogt berichtet ausführlich in der Mainpost: „Gemeinde kauft das Echter-Schloss
Auch das Bayerische Fernsehen meldet: „Oberschwarzach: Gemeinde will Renaissance-Schloss kaufen

Ein Gedanke zu „Riskantes Geschäft: 1400-Einwohner-Ort kauft Schloss Oberschwarzach“

  1. Lieber Burgerbe,

    grundsätzlich finde ich es ja sehr löblich, wenn Sie sich – aus der Ferne – für das Geschehen rund um das Schloss Oberschwarzach interessieren. Über die Motivation, aus der heraus sie diesen Text allein auf den dürftigen Informationen eines Online – Zeitungsartikels hin in dieser Deutlichkeit verfasst haben, kann ich allerdings nur spekulieren. Dass dieses Thema sich hervorragend eignet, um latent vorhandenen oder auch ganz offen zur Schau getragenen Hass auf die Institution Kirche abzuarbeiten, kenne ich aus der örtlichen Diskussion heraus sehr genau. Der anonym verfasste Begleitbrief zu den blanco gesammelten Unterschriften ist für die, die den Wortlaut in der Gemeinderatssitzung gehört haben hierfür ein gutes Beispiel.Wie angebracht kritisches Denken und gesunde Skepsis gegenüber der Kirche als Institution auch sein mögen, ist doch, nach meiner Erfahrung, Hass zusammen mit Angst einer der schlechtesten Ratgeber.
    Es sollte Ihnen, als Liebhaber alter Burgen und Schlösser, doch zumindest Respekt abverlangen, wenn hier vor Ort Menschen seit mehreren Jahren ehrenamtlich ihre Freizeit opfern, weil ihnen der Erhalt kulturellen Erbes nicht gleichgültig ist! Statt dessen erzeugen Sie bei den Lesern Ihres Blogs den Eindruck, dass sich hier gerade etwas minderbemittelte Dorfbewohner von der Kirche „über den Tisch ziehen“ lassen. Meine konkrete Frage: Auf welche Informationsgrundlage stützen sie diese Einschätzung? Ich kann allen Lesern dieser Seiten nur empfehlen, den verlinkten Artikel der Mainpost hierzu zu lesen! Dort wird über den Sachverhalt ausgewogen berichtet. Beispielsweise wird dort erwähnt, dass der von Ihnen zitierte Gemeinderat auf seine Aussage hin, seitens eines Kollegen sehr deutlichen Widerspruch geerntet hat. In der vorausgegangenen Sitzung wurde im nichtöffentlichen Teil eineinhalb Stunden darüber diskutiert. Weiterhin wurde das Angebot gemacht, sich bis zur entscheidenden Sitzung bei allen Stellen über offene Fragen zu informieren. Wer als Gast bei den beiden Sitzungen anwesend war (was ich von mir behaupten darf; Sie habe ich allerdings nicht unter den Zuhörern gesehen), hat ebenfalls miterlebt wie ein anderer Gemeinderat, der anfangs eher skeptisch eingestellt war, in der dreiwöchigen Bedenkzeit sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat und seine Bedenken nicht bestätigt sah.

    Warum sie sich – ohne den nötigen Background – so weit aus dem Fenster lehnen, von einem „besiegelten Pakt“ zu sprechen, auf den die Kirche „bestehen“ und „ihren Kaufpreis einfordern“ wird erschließt sich mir nicht. Die Entscheidung des Gemeinderats war als Willensbekundung eben gerade notwendig, um verbindliche Förderzusagen von den Behörden einzuholen. Ein Kreis von Gemeindevertretern (Skeptiker inbegriffen!) hat sich in Beratungen mit dem Bezirk Unterfranken und dem Landesamt für Denkmalpflege sehr intensiv mit der Thematik beschäftigt. Erst im Lauf der Verhandlungen hat sich gezeigt, dass eine gemeinsame Lösung mit Kirche und Gemeinde als Eigentümer alle Beteiligten teurer kommt als die vorgestellte Lösung mit der Gemeinde als Eigentümer und der Kirche als Mieter. Verträge werden erst unterzeichnet, wenn sie verhandelt sind! Ein Fluss von finanziellen Mitteln ist nicht geplant, stattdessen errechnet sich der „Kaufpreis“ aus der Verrechnung von Eigenanteilen! Nur im Fall, dass die Förderkulisse stimmt, ist der Gemeinderatsbeschluss bindend! Hier haben sich also nicht Gemeinderäte „prompt“ und wie die Lemminge in den Abgrund gestürzt.

    Normalerweise würde ich mich nicht am Sonntag an den Rechner setzen und meine Freizeit opfern , um schlecht recherchierte Internetartikel richtigzustellen. Es sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, dass über die neuen Medien jeder ungestraft jeden Unsinn in die Welt verbreiten kann.

    Leider ist es nur so, dass Ihr Artikel hier vor Ort Kreise zieht und die Arbeit von Ehrenamtlichen, die sich hier jahrelang um eine sachliche und lösungsorientierte Gesprächsatmosphäre bemüht haben, in Frage stellt. Ich hoffe, Sie sind sich dessen bewusst! Unser Ziel, eine tragfähige Zukunftsperspektive für ein erhaltenswertes historisches Gebäude zu finden sollte doch auch das Ihre sein, oder?

    Falls Sie neben einem Faible für historische Bauten auch ernsthaftes Interesse an Informationen aus erster Hand haben, möchte ich Sie hiermit herzlich zum Tag des offenen Denkmals am 11.09.2016 zu uns nach Oberschwarzach einladen. Unter dem diesjährigen Motto: „gemeinsam Denkmale erhalten“ lädt der Förderverein Schloss Oberschwarzach, wie in den vergangenen Jahren, ein, um sich durch das Gebäude führen zu lassen und präsentiert seine Arbeit der vergangenen Jahre. Gerne stehe ich auch persönlich zu einem Gespräch mit Ihnen bereit, bei dem Sie mir erläutern können, wo genau Sie die Risiken sehen.

    Andreas Zehner

    Bürger der Marktgemeinde Oberschwarzach
    und Mitglied des Vorstandsteams des Fördervereins Schloss Oberschwarzach

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