Schloss Hirschberg: Frühere BND-Schule soll Schönheitsklinik werden

Repräsentativ: Die Diele im Schloss erstreckt sich über zwei Stockwerke. Foto von 1909 (gemeinfrei)
Repräsentativ: Die Diele im Schloss erstreckt sich über zwei Stockwerke. Foto von 1909 (gemeinfrei) / Foto oben: Wikipedia / Gras-Ober / CC-BY-SA 3.0

So ändern sich die Zeiten: Wo bis zum Jahr 2000 angehende BND-Agenten das schnelle Schalldämpfer-Schießen übten und Verschlüsselungen paukten, könnten bald Manager-Gattinnen aus dem Münchener Umland zur Vergrößerung ihrer sekundären Geschlechtsmerkmale strömen.

Die Schönheitschirurgie-Praxis Villa Bella aus München („Wir bleiben Ihrer Persönlichkeit treu“) möchte auf Schloss Hirschberg über dem Haarsee eine plastisch-chirurgische Klinik einrichten.

Der Antrag auf Umbau des denkmalgeschützen Gebäudes im oberbayerischen Weilheim liegt nun vor. Das meldet der Münchner Merkur.


Ein geschichtsträchtiges Anwesen haben sich die Münchner Schönheitschirurgen da ausgesucht. 1907 bis 1909 ließ der gerade verheiratete königlich-bayerische General Karl-Rudolf von Hirschberg hier für eine Million Goldmark ein luxuriöses Jugendstil-Neobarock-Schlösschen hinsetzen.

Bevor die Schlapphüte kamen: Schloss Hirschberg auf einer Postkarte von 1912. Foto: gemeinfrei
Bevor die Schlapphüte kamen: Schloss Hirschberg auf einer Postkarte von 1912. Foto: gemeinfrei

Die Ausstattung mit Zentralheizung und privatem Schwimmbad war damals hochmodern. Auf 2700 Quadratmetern hatte die Familie nebst Dienstboten reichlich Platz.

Doch die goldenen Jahre des bayerischen Kavalleriegenerals auf Schloss Hirschberg währten nicht lange: 1914 bis 1918 diente er an der Westfront.

Die Idee, das Hirschberg’sche Vermögen in Kriegsanleihen zu investieren, zwang die Familie dann im Verein mit der Hyperinflation 1923 zum Auszug und zur Vermietung des Schlosses an die Bankierfamilie von Bleichröder.

Die Nazis mit ihrer Vorliebe für Burgen und Schlösser wurden während des Krieges auf die Luxusimmobilie aufmerksam. 1943 beschlagnahmte der Staat das Anwesen. Das Ribbentrop-Ministerium richtete hier ein „Gästehaus des Reichsaußenministeriums“ ein.

Prominenteste Gäste waren der gerade in Italien gestürzte Ex-Diktator Benito Mussolini mit seinem Clan. Der „Duce“ blieb im September 1943 nur ein paar Tage, seine Familie wartete bis zum Oktober auf eine Besserung der Lage.

Bis Kriegsende wohnte dann der ebenfalls abgesetzte ungarische „Reichsverweser“ Miklos Horty mit Blick auf den Haarsee.

In den Nachkriegsjahren wurde das (1953 vom Staat gekaufte) Schloss zunächst Lager für Displaced Persons, dann Ausbildungsstätte für ukrainische Priester.

Das Schloss im Sommer / Foto: Wikipedia / Gras-Ober / CC-BY-SA 3.0
Das Schloss im Sommer / Foto: Wikipedia / Gras-Ober / CC-BY-SA 3.0

Ein neuer Mieter trat 1961 auf den Plan: Der Bundesnachrichtendienst. Dessen Zentrale in Pullach lag ja nicht weit entfernt. Der BND schulte hier seinen jungen Führungsnachwuchs – und gab der Anlage des Tarnnamen „Wildpark“.

Alles war streng geheim. Dummerweise wurden die Telefone seit ca. 1975 durchgehend von der Stasi abgehört.

Die Lauscher aus Ostberlin dürften ordentlich Überstunden gemacht haben, als sich 1984 das Spitzenpersonal der westlichen Geheimdienste im für diesen Zweck extra renovierten Spiegelsaal von Schloss Hirschberg traf.

Dem BND wurde der Unterhalt der Top-Secret-Immobilie nach Ende des Kalten Kriegs schließlich zu teuer. Im Jahr 2000 zog die Agentenschule aus. 2004 ging das Schloss in Privatbesitz über (angeboten wurde es für 3,9 Millionen Euro).

Und nun zeichnet sich eine ganz neue Nutzung als Schönheitsklinik ab. Dazu sind allerdings umfassende Umbauten im Baudenkmal nötig. Daher der Antrag bei der Stadt Weilheim.

UPDATE September 2016: Der Schönheitsklinik-Plan ist am Widerspruch der Stadt Weilheim gescheitert. Nun wollen Hamburger Investoren das Schloss zum Gesundheits- und Luxushotel machen.

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Hier geht es zum Artikel im Münchner Merkur: „Das Schloss als Schönheitsklinik

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