Schloss Herrenchiemsee / Foto: Wikipedia/Guido Radig

Lodenmantel von König Ludwig II. auf Schloss Herrenchiemsee: Bayern erstarren in Ehrfurcht

Ein solcher Mantel des Bayern-Königs ist von den Motten verschont worden / Foto: Bayerische Schlösserverwaltung / Foto oben: Schloss Herrenchiemsee /  Wikipedia / Guido Radig / CC-BY-SA 3.0
Ein solcher Mantel des Bayern-Königs ist von den Motten verschont worden / Foto: Bayerische Schlösserverwaltung / Foto oben: Schloss Herrenchiemsee / Wikipedia / Guido Radig / CC-BY-SA 3.0

Der mittelschwer wahnsinnige Bayern-König Ludwig II. füllt erst nach seinem Tod die Kassen des Freistaats. Die späte Bewunderung gegenüber dem „Kini“ erreicht für Franken und Nicht-Bayern schon humoristische Dimensionen: Nun soll ein Lodenmantel des Pleite-Monarchen Touristenströme zu Schloss Herrenchiemsee locken.

Das Schloss wird am Sonntag, 1. Mai, wiedereröffnet. Zwei Monate lang wurden eine neue Klimaanlage eingebaut und Verbesserungen des Brandschutzes durchgeführt.

Wie die Bayerische Schlösserverwaltung mitteilt, wird aus diesem Anlass „ein privater Mantel Ludwigs II. erstmals im Ludwig II.-Museum präsentiert“.

Die staatlichen Schlossverwalter sind ernsthaft der Ansicht, dass der schwere dunkle Lodenmantel „sehr schlicht“ sei. Er besteht nur aus Wolle, Baumwolle, Seidensamt und Seide, mit doppelreihigen Knöpfe und einem Samtkragen – also eine für die damalige Zeit geradezu spartanische Ausstattung *Ironie off*.

Das edle Kleidungsstück wurde vom „Königlich Bayerischen Hoflieferanten“ Fritz Schulze hergestellt, der in der immer noch angesagte Münchner Maximilianstraße ein Konfektionsgeschäft für Herren und Damen besaß.

Glaubt man Fotos und Hofschranzen, war Ludwig II. nach 1880 ein großer Fan von Mänteln dieses „gutbürgerlichen“ Schnitts, auch bis kurz vor seinem Tod (an die Selbstmord-Version mögen viele Monarchiefreunde bis heute nicht glauben).

Eines der letzten Fotos des Wittelsbachers, entstanden im Winter 1886, zeigt den König mit diesem Manteltypus. Auf Ölbildern ließ er sich hingegen am liebsten im Hermelin-Dress verewigen – eine Hommage an sein großes Vorbild, Sonnenkönig Ludwig XIV.

König Ludwig II. gab reichlich Steuergeld aus. / Bild: Wikipedia/Public Domain
Gut, gegenüber seinem Dienstanzug aus Hermelin und Samt, wirkt der Lodenmantel tatsächlich „bescheiden“ / Bild: Public Domain

Der Mantel wird nun im Ludwig II.-Museum als „tragisches Gegenstück“ (O-Ton Schlösserverwaltung) zur Nadelmalerei „Ludwig XIV. weiht der Muttergottes seine Krone“ präsentiert.

Das 1987 eröffnete „König Ludwig II.-Museum“ im Südflügel des Neuen Schlosses Herrenchiemsee widmet sich den Lebensstationen Ludwigs II. von der Geburt bis zum Tod anhand von Portraits, Büsten, historischen Fotografien und sündhaft teuren Prunkgewändern.

Briefe und Bilder, Theater- und Bühnenbildmodelle erinnern an Ludwigs Verehrung für Richard-Wagner.

Die „Königsschlösser“ Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee sind ebenso dokumentiert wie die anderen Bauprojekte Ludwigs II.

Originale Prunkmöbel aus dem zerstörten königlichen Appartement der Münchner Residenz oder aus dem ersten Schlafzimmer von Schloss Linderhof sind Höhepunkte des Museums. Tja, und jetzt gibt’s auch noch den vor den Motten geretteten Lodenmantel…

Diesem Text liegt eine Pressemitteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung zugrunde, die ich ein bisschen kommentiert habe: „Neues Ausstellungsstück zur Wiedereröffnung des Ludwig II.-Museums am 1. Mai 2016

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