Vwpolonia75 (Jens K. Müller, Hamburg) / CC-BY 3.0

Rammelburg: Der Eigentümer ist verschwunden

Die imposante Rammelburg im Wippertal steht leer. Reparaturen und Sanierungen werden nicht mehr ausgeführt, einige Fenster werden nur noch durch Pappe verschlossen.

Was die Lage noch schlimmer macht: Der Eigentümer, ein insolventer Zahnarzt aus Düsseldorf, hat sich nach einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung ins Ausland abgesetzt.

Das Sagen hat hier nun ein Insolvenzverwalter, ebenfalls aus dem Rheinland (Foto: Wikipedia / Vwpolonia75 (Jens K. Müller, Hamburg) / CC-BY 3.0). Anwohnern ist das Betreten der Anlage verboten.


Nun könnte der Verwalter versuchen, das marode Schloss zu verkaufen. Allerdings soll darauf noch eine zwei-Millionen-Euro-Hypothek eingetragen sein. Die müsste ein Käufer ablösen, oder übernehmen.

Und verramschen darf der Anwalt die Rammelburg natürlich auch nicht.

Die Geschichte der Rammelburg im stark bewalteten Unterharz geht zurück bis ins 13. Jahrhundert. Vermutlich begann alles als mit einer Palisade befestigtes Jagdschloss der Grafen von Arnstein.

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Den Dreißigjährigen Krieg überstand die Anlage unbeschadet (ziemlich ungewöhnlich für die Gegend). Ein vom kaiserlichen Feldherrn Wallenstein unterzeichneter Schutzbrief mag in den ersten Jahren dabei geholfen haben.

Von 1737 bis 1903 hatte die Familie von Friesen hier das Sagen. Kurzzeitig fiel die Burg auch mal an die Fürsten von Thurn und Taxis.

1894 beschädigte ein Brand den Hauptbau schwer. Er wurde im Stil der Renaissance wieder aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss ab 1941 zur noblen Wohnstätte von Offizierswitwen.

Die sowjetischen Besatzungsbehörden haben die letzten adeligen Besitzer dann 1945 enteignet. Un den frühen Nachkriegsjahren wurden zunächst Flüchtlinge, dann TBC-Kranke auf der Rammelburg untergebracht.

1965 eröffnete ein Reha-Zentrum für Kinder auf der Burg, die nicht einmal über einen Aufzug verfügt. 1994 war der Betrieb im Schloss einfach nicht mehr regelkonform aufrechtzuerhalten, und die Einrichtung zog aus.

Im Jahr 2000 ersteigerte eine immobiliengesellschaft die Rammelburg für 370.000 D-Mark – und verschwand in der Insolvenz. Wieviel der heutige Besitzer bezahlt hat, ist nicht bekannt.

Versuche des Landkreises, den Verfall aufzuhalten, führten in jüngster Vergangenheit zu einem Besichtigungstermin und einer Liste, was getan werden muss. Danach war der Eigentümer auch für die Behörden jedoch nicht mehr zu erreichen.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

Hier geht es zum Artikel von Wolfram Bahn in der Mitteldeutschen Zeitung: „Immobilie Rammelburg Schlossherr gibt Rätsel auf
Im Juni 2015 hatte derselbe Auto in der MZ geschrieben: „Rammelburg droht zu verfallen
Ausführliche Geschichten der Rammelburg finden sich auf den Seiten „Harz-Saale.de“ und auf „Ausflugsziele im Harz

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