Schloss Friedenthal: Otto Skorzenys SS-Agentenschule

Ein Nazi für besondere Aufgaben: Otto Skorzeny vor Schloss Friedenthal / Foto: Bundesarchiv, Bild 101III-Alber-183-25 / Alber, Kurt / CC-BY-SA 3.0
Ein Nazi für besondere Aufgaben: Otto Skorzeny vor Schloss Friedenthal / Foto: Bundesarchiv, Bild 101III-Alber-183-25 / Alber, Kurt / CC-BY-SA 3.0

Hitler war fasziniert vom britischen Geheimdienst. So etwas wollte er auch. Die Abwehr unter Admiral Canaris erfüllte ihm den Wunsch mit ihrem Sonderverband „Brandenburg“.

Die neidische SS-Führung hielt die Abwehr für chronisch unzuverlässig. Himmler, Kaltenbrunner und Co. wollten unbedingt gegenhalten und auch Berichte über tollkühne Kommandounternehmen ihrer Rassekrieger in der NS-Wochenschau sehen.

Daher gründete der Sicherheitsdienst (SD) der SS im April 1943 den „Sonderverband z.b.V. Friedenthal“ – mit Sitz auf Schloss Friedenthal bei Oranienburg.

Und ein SS-Mann für derartige „Sonderaufgaben“ stand schon mit einem Konzept in den Startlöchern: Der österreichische Haudegen und glühende Nazi Otto Skorzeny.


Skorzeny hatte die Taktiken der britischen SOE-Kommandounternehmen studiert, die zum Beispiel Rmmel in Nordafrika das Leben schwer gemacht hatten. Nach deren Vorbild wollte er eigene Einheiten aufbauen.

Das in Tarnfarbe gestrichene Schloss Friedenthal wurde so zur Agenten- und Spionageschule der SS. Hier sollten Offiziere und einfache SS-Männer mit Fremdsprachenkenntnissen für Sabotageaufträge hinter den feindlichen Linien ausgebildet werden.

Die Wahl des Schlosses war nicht ganz zufällig: Im nahen Schloss Oranienburg befand sich eine SS-Kaserne. Und in der Nähe lag das Konzentrationslager Sachsenhausen mit gefangenen ausländischen Spzialisten, deren Wissen und Fähigkeiten man sich zunutze machen konnte.

Der Vorbesitzer des Schlosses hatte seinen Besitz nicht freiwillig an die SS abgeben wollen. Er kam dafür ins Konzentrationslager.

1943 hatte Skorzeny mit dem „SS Sonderlehrgang zbV Friedenthal“ rund 300 Waffen-SS-Männer unter seinem Kommando, darunter 50 Niederländer und Belgier. Im Schloss befand sich auch ein Gerätelager mit Ausrüstung für die KZ-Häftlinge, die britische Pfund-Noten fälschen mussten („Unternehmen Bernhard“).

PR-Coup: Skorzeny mit Mssolini nach der Befreiung vom Gran Sasso / Bundesarchiv, Bild 101I-567-1503C-15 / Toni Schneiders / CC-BY-SA 3.0
PR-Coup: Skorzeny mit Mussolini nach der Befreiung vom Gran Sasso / Bundesarchiv, Bild 101I-567-1503C-15 / Toni Schneiders / CC-BY-SA 3.0

Reichsweit bekannt wurde Skorzeny, als der fast zwei Meter große Agentenführer sich in die zur Befreiung von Benito Mussolini eingesetzte SS-Einheit drängte.

Den erleichterten, in Schlapphut und langen Mantel gekleideten Duce brachte Skorzeny persönlich zu Hitler. Ein Ereignis, wie gemacht für die Kameraleute der Wochenschau aus der Goebbels-Schule. Bei den Briten hatte er bald wegen seiner Gesichtsnarben den Spitznamen „Scarface“ weg.

Skorzeny blieb ein gutes Jahr in Friedenthal stationiert. Im Oktober 1944 folgte die Versetzung nach Budapest, wo seine Leute den Sohn des nationalistischen Staatschefs Horthy kidnappten, um (erfolglos) einen Seitenwechsel der Ungarn zu verhindern.

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Während der Ardennen-Offensive waren Skorzeny-Agenten in US-Uniformen mit erbeuteten Jeeps hinter den amerikanischen Linien eingesetzt, um Verwirrung zu stiften.

Mehrere Teams sollten an den US-Truppen vorbei zu den Maas-Brücken vorstoßen und diese besetzen, um den Amerikanern den Rückzug abzuschneiden. Das scheiterte (mehr dazu in einem Spiegel-Artikel von 1949: „Wenn geschlagen wird, gibt’s 2 Tote„).

Schloss Friedenthal wurde am 10. April durch einen schweren US-Bombenangriff in Brand gesetzt und zertört. Ob die Amerikaner die Agentenschule treffen wollten oder ein nahegelegenes Klinkerwerk, lässt sich nicht mehr feststellen (siehe dazu den Artikel „Vor 70 Jahren im Fadenkreuz der Amerikaner“ aus der Märkischen Allgemeinen).

Skorzeny selbst stellte sich im Mai 1945 den US-Truppen und floh im Juli 1947 aus einem Gefängnis in Darmstadt nach Argentinien. Er blieb bis zu seinem Tod 1975 in Francos Madrid ein unverbesserlicher Nazi.

Das Schloss wurde nach dem Krieg nicht mehr wieder aufgebaut. Im Netz konnte ich keine Spuren wie alte Fotos/Postkarten finden, auch nichts zur Historie des Schlosses.

Eine 3Sat-Doku zu Skorzeny:

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